Karriere zwischen Gipfeln und Global Playern: Die Harz-Region als Arbeitsmarkt der Zukunft

Eine Gegend, die Jahrzehnte durch die Mauer geteilt war und heute immer noch Unterschiede, vor allem aber viele Gemeinsamkeiten aufweist. Eine Region mit Hand und Herz – der Harz.

Der Harz ist weit mehr als Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge und ein beliebtes Urlaubsziel. Als bundeslandübergreifender Wirtschaftsraum, der Teile von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen umfasst, bildet die Region ein industrielles und technologisches Zentrum im Herzen Deutschlands. Für internationale Fachkräfte bietet dieses „Dreiländereck“ vielfältige Chancen. Während Metropolen mit hohen Lebenshaltungskosten kämpfen, punktet der Harz mit einer Kombination aus krisenfesten Industriejobs und hoher Lebensqualität.

Ein starkes wirtschaftliches Fundament: Branchen und Top-Arbeitgeber

Die Wirtschaftsstruktur des Harzes ist durch einen Mix aus traditionsreichem Mittelstand und international agierenden Konzernen geprägt. Besonders hervorzuheben ist die hohe Industriedichte. Laut des Strukturberichts des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), weist insbesondere der Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt) eine überdurchschnittliche Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe auf.

Schlüsselbranchen und führende Unternehmen

Metall- und Elektroindustrie: Diese Branche ist das Rückgrat der Region. In Goslar betreibt die Aurubis AG eines der weltweit größten Recyclingzentren für Kupfer und Edelmetalle. In Harzgerode ist die Trimet Aluminium SE ein zentraler Akteur für den Automobilguss. In Osterode am Harz ist die Piller Group GmbH Weltmarktführer für unterbrechungsfreie Stromversorgungssysteme.

Automobilindustrie und Maschinenbau: Der Harz profitiert massiv von der Nähe zu den Automobilzentren Braunschweig und Wolfsburg. Zulieferer wie die KAMA GmbH in Osterode oder Nemak in Wernigerode sind wichtige Arbeitgeber mit Tausenden Stellen.

Gesundheitswesen: Mit dem Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben (Standorte Quedlinburg, Wernigerode, Blankenburg) und den Asklepios Kliniken in der Region Goslar, ist der Gesundheitssektor einer der größten Arbeitgeber überhaupt. Wussten Sie, dass Dorothea Christiane Erxleben 1754 die erste promovierte deutsche Ärztin war, die mit Sondergenehmigung des preußischen Königs an der Universität Halle ihre Promotion ablegen durfte?

Zu einem Zentrum für Logistik und technische Komponenten hat sich die Region Nordhausen entwickelt.

Tourismus und Gastronomie: Der Tourismus ist neben der Industrie eine weitere wichtige Säule der Harzer Wirtschaft. Mit über 10 Millionen Übernachtungen pro Jahr gehört der Harz zu den Top-Reisezielen in Deutschland. Auch dieser Sektor hat einen stetigen Bedarf an Fachkräften, beispielsweise Köchinnen und Köche sowie Restaurant- und Hotelfachleute.

Der Fachkräftebedarf: Wo die Chancen am größten sind

Der demografische Wandel trifft auch den Harz. Viele erfahrene Fachkräfte gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt für die Region Harz eine „Vakanzzeit“, die bei technischen Berufen und in der Pflege oft 30 bis 50 % über dem Bundesdurchschnitt liegt. Das bedeutet: Stellen bleiben lange unbesetzt, und Arbeitgeber suchen händeringend nach Verstärkung.

Großer Bedarf besteht vor allem in:

MINT-Berufen: Ingenieurinnen und Ingenieure, Maschinenbauerinnen und -bauer, Elektrotechnikerinnen und -techniker und IT-Spezialistinnen und -Spezialisten werden in fast allen Industriebetrieben gesucht. Laut des MINT-Reports des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), fehlen insbesondere an ländlich geprägten Industriestandorten Expertinnen und Experten für die digitale Transformation der Produktion.

Gesundheits- und Pflegeberufe: Der Bedarf an Pflegekräften und medizinischem Personal ist hoch, weshalb viele Kliniken eigene Integrationsprogramme für internationales Personal gestartet haben. Die Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt West meldet, dass im Landkreis Harz bereits jede vierte Pflegekraft über 55 Jahre alt ist. Ohne die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte wird die Versorgungslücke bis 2030 nicht mehr zu schließen sein.

Warum der Harz für ausländische Fachkräfte attraktiv ist

Für internationale Bewerberinnen und Bewerber ist oft nicht nur das Gehalt entscheidend, sondern das Gesamtpaket aus Integrationschancen, Kosten und Lebensqualität. Hier bietet der Harz viele Vorteile:

Bezahlbarer Wohnraum und Lebensqualität: Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft und des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sind die Kosten für Wohnraum im Harz deutlich niedriger als in den großen Metropolregionen Deutschlands. Dies ermöglicht Fachkräften eine deutlich höhere Sparquote oder einen höheren Lebensstandard für ihre Familien.

Gezielte Unterstützung und Willkommensstruktur: Die Akteure in der Region haben verstanden, dass internationale Fachkräfte Unterstützung benötigen. Daher wurden Initiativen wie das Welcome Center Sachsen-Anhalt oder die IQ-Netzwerke in den drei beteiligten Bundesländern etabliert. Diese bieten Beratung zu Anerkennungsverfahren, Sprachkursen sowie Hilfe bei Behördengängen.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Sicherheit: Im IAB-Betriebspanel wird berichtet, dass eine stetig steigende Anzahl an Stellen in der Region unbefristet und voll sozialversicherungspflichtig besetzt ist. Das garantiert den Zugang zum deutschen Sozialsystem (Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) und ist die Basis für einen dauerhaften Aufenthaltstitel gemäß des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG).