„Durch das Programm haben wir mehr Azubis eingestellt“

Damit die Corona-Pandemie nicht auch zu einer Krise für junge Menschen wird, unterstützt der Bund kleine und mittelständische Unternehmen, die trotz aktueller wirtschaftlicher Schwierigkeiten an ihren Ausbildungsplänen festhalten.


04.11.2020 - Birte Schmidt -3 MinutenMitarbeiter finden

Damit die Corona-Pandemie nicht auch zu einer Krise für junge Menschen wird, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung kleine und mittelständische Unternehmen, die in der aktuellen Situation wirtschaftliche Schwierigkeiten haben. Ziel ist es, das Ausbildungsangebot aufrechtzuerhalten und jungen Menschen die Fortführung und den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen.

Einer, der die Förderung aus dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ bekommen hat, ist Bodo von Laffert. Im Interview erzählt er, welche Bedeutung die Auszubildenden in seinem Unternehmen Oktopos haben und warum er sich entschieden hat, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sogar mehr Ausbildungsverträge als zuvor abzuschließen.

Faktor A: Herr von Laffert, zunächst einmal eine grundsätzliche Frage: Wie hat sich die Corona-Pandemie in den letzten Monaten auf Ihren Betrieb ausgewirkt?

Bodo von Laffert: Wir arbeiten im Bereich der Softwareentwicklung, haben ein Kassensystem und weitere Softwaremodule im Programm. In der Corona-Krise haben wir viele Dinge umgestellt und neu gedacht. Wir haben zum Beispiel eine Tracking-App für Restaurants erstellt, mit der sie ihre Gästenachverfolgung lösen können. Außerdem haben wir einen Self-Checkout-Terminal entwickelt, mit dem Kunden im Supermarkt oder Gäste im Hotel kontaktlos bezahlen können.

Welche Rolle haben dabei die Auszubildenden gespielt?

Bodo von Laffert
© Privat - Bodo von Laffert

Wir beschäftigen aktuell knapp über 40 Mitarbeiter und dazu zwölf Auszubildende, die bei uns die Berufe Fachinformatiker/in und des IT-Systemkauffrau/-mann lernen. Ich habe selbst mal eine Ausbildung gemacht und fand immer die Abteilungen am spannendsten, in denen ich auch selbst mitarbeiten und Verantwortung übernehmen durfte. Das ist ja leider bei Ausbildungen häufig nicht so, da sitzt man nur daneben und guckt zu. Bei uns aber werden die Auszubildenden voll gefordert und übernehmen Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass das gerade im Softwarebereich, der sich so schnell entwickelt und in dem gerade die junge Generation innovativ sein muss, ein Erfolgsgarant ist.

Sie legen also viel Wert auf eine gute Ausbildung. Im Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ gab es ja unterschiedliche Fördermöglichkeiten (siehe unten). Welche haben Sie in Anspruch genommen?

Zunächst einmal haben wir alle Ausbildungen fortgesetzt und keinen Azubi in Kurzarbeit geschickt. Dafür wurden wir mit 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat gefördert. Zusätzlich haben wir die Zahl der Auszubildenden sogar aufgestockt. Vorher hatten wir durchschnittlich vier neue Auszubildende, aktuell sind es sechs. Dafür haben wir die
Ausbildungsprämie plus bekommen und für jeden zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 3.000 Euro erhalten.

Hat das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ dazu beigetragen, dass Sie gezielt noch mehr Auszubildende eingestellt haben?

Ja, es war tatsächlich das Programm, das uns dazu veranlasst hat, andernfalls hätten wir das wahrscheinlich nicht gemacht. Die Unterstützung von der Arbeitsagentur und der Handelskammer war perfekt, wir wurden wirklich sehr gut betreut. Da hat das Programm auf jeden Fall sein Soll erfüllt.

Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern"

Diese Förderungen sind möglich

  • Ausbildungsprämie
    Die Ausbildungsprämie bekommen alle kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren aufrechterhalten. Sie erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag nach Abschluss der Probezeit einmalig 2.000 Euro.
  • Ausbildungsprämie plus
    Ausbildende KMU, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren sogar erhöhen, erhalten für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag nach Abschluss der Probezeit einmalig 3.000 Euro.
  • Vermeidung von Kurzarbeit
    KMU, die trotz erheblichem Arbeitsausfall (mindestens 50 Prozent) ihre Ausbildungsaktivitäten fortsetzen, werden mit 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat gefördert, in dem dies der Fall ist.
  • Auftrags- und Verbundausbildung
    Wenn KMU die Ausbildung temporär nicht fortsetzen können, können andere KMU, überbetriebliche Berufsbildungsstätten oder andere etablierte Ausbildungsdienstleister zeitlich befristet die Ausbildung übernehmen und dafür Förderung erhalten. Dies gilt, wenn der Geschäftsbetrieb des ursprünglich ausbildenden KMU vollständig oder zu wesentlichen Teilen pandemiebedingt von Schließungen oder erheblichen Auflagen betroffen ist, die eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs maßgeblich behindern.
  • Übernahmeprämie
    KMU, die Auszubildende aus coronabedingt insolventen KMU bis zum Abschluss ihrer Ausbildung übernehmen, erhalten je Auszubildenden eine Prämie von 3.000 Euro.

Als KMU gelten Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten. Zu den detaillierten Informationen zu Förderbedingungen und Antragstellung


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