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Während in vielen Ländern ein schlanker Lebenslauf ausreicht, legen deutsche Arbeitgeber traditionell großen Wert auf die begleitenden Dokumente.
Zwei Begriffe tauchen dabei immer wieder auf, werden jedoch häufig verwechselt: das klassische „Bewerbungsschreiben“ (oder auch einfach „Anschreiben“ genannt) und das „Motivationsschreiben“. Für Bewerberinnen und Bewerber ist es jedoch entscheidend, den Unterschied zu kennen, um einen perfekten ersten Eindruck zu hinterlassen.
Das klassische Bewerbungsschreiben: Der Standard
Das Anschreiben ist das Herzstück fast jeder Bewerbung in Deutschland. Es wird standardmäßig gefordert, es sei denn, die Stellenausschreibung schließt es explizit aus.
Es schlägt die Brücke zwischen dem Lebenslauf der Bewerberin oder des Bewerbers und den Anforderungen der Stellenanzeige. Es beantwortet die Frage: „Warum bin ich der oder die Richtige für diesen Job?“
Das Anschreiben ist dabei keine bloße Nacherzählung des Lebenslaufs im Fließtext. Es greift die zwei bis drei wichtigsten Stationen der beruflichen Laufbahn heraus und verknüpft sie direkt mit dem Nutzen für die angestrebte Stelle.
Eine Beschreibung des Anschreibens und des genauen Aufbaus des Briefes finden Sie auch in unserem vorherigen Newsletterbeitrag „Das perfekte Anschreiben: Kurz, klar & überzeugend!“.
Das Motivationsschreiben: Die „Dritte Seite“
Das Motivationsschreiben ist im Gegensatz zum Anschreiben meist optional oder wird bei spezifischen Anlässen (z. B. Stipendien, Studienplatzbewerbungen oder Führungspositionen) explizit angefordert. Im klassischen Recruiting wird es auch oft als „Dritte Seite“ (nach Anschreiben und Lebenslauf) bezeichnet.
Hier geht es weniger um harte Fakten, sondern um die Persönlichkeit, die Werte und die tieferen Beweggründe der Bewerberin oder des Bewerbers. Es beantwortet die Frage: „Warum will ich genau diesen Weg, mit diesem Arbeitgeber gehen und warum jetzt?“
Der Aufbau ist weniger formal als beim Anschreiben. Es gleicht eher einem persönlichen Essay. Oft wird mit Zwischenüberschriften gearbeitet (z. B. „Meine Vision“, „Warum Deutschland?“). Nach einer kurzen Einleitung zur Vorstellung der eigenen Person und warum man sich bewirbt, geht es auch schon in die Tiefe: Die eigene Motivation für die Stelle, das Unternehmen an sich, die Branche oder sogar für den Umzug nach Deutschland. Es sollte am Ende ein stimmiges Bild der Beweggründe ergeben.
Das Motivationsschreiben sollte dabei kurz und prägnant sein, je nach Position etwa eine bis zwei Seiten lang.
Der direkte Vergleich: Was unterscheidet die Dokumente?
Das klassische Bewerbungsschreiben kann mit diesen Merkmalen beschrieben werden:
- Status: Pflicht (Standard in Deutschland)
- Hauptinhalt: Qualifikation, Fachkompetenz, Hard Skills
- Tonalität: Professionell, sachlich, faktenorientiert
- Umfang: Strikt maximal 1 DIN-A4-Seite
- Typische Frage: „Was kann ich und warum passt mein Profil?“
Dagegen findet man im Motivationsschreiben folgende Merkmale:
- Status: Optional (außer explizit gefordert)
- Hauptinhalt: Motivation, Persönlichkeit, Soft Skills, Vision
- Tonalität: Persönlich, leidenschaftlich, zukunftsorientiert
- Umfang: 1 bis 2 DIN-A4-Seiten
- Typische Frage: „Wer bin ich und was treibt mich an?“
Praxistipps
Folgende drei Grundregeln sollten dabei beachtet werden:
- Nicht doppeln! Wenn ein Arbeitgeber beide Dokumente verlangt (was selten vorkommt, aber passiert), dürfen sich die Inhalte nicht wiederholen. Das Anschreiben bleibt sachlich-professionell, das Motivationsschreiben geht tief in die persönliche Geschichte.
- Der „Deutschland-Faktor“: Für Bewerber/innen aus dem Ausland bietet das Motivationsschreiben eine riesige Chance. Hier ist der Platz, um zu erklären, warum man den Lebensmittelpunkt nach Deutschland verlegen möchte, und wie man sich auf den kulturellen Wechsel vorbereitet hat (z. B. durch Sprachkurse).
- Formalien einhalten: Rekrutierende in Deutschland schätzen Struktur. Ein Anschreiben, das die formalen Kriterien (Anrede, korrekter Ansprechpartner, fehlerfreies Deutsch) missachtet, wird oft direkt aussortiert.
Fazit
Das Anschreiben ist das Handwerk – es zeigt, dass die Bewerberin oder der Bewerber den Job „kann“. Das Motivationsschreiben ist das Herz – es zeigt, dass die Bewerberin oder der Bewerber den Job „will“.
