Neue Arbeitswelt: Wie KMU Schritt halten können

Jobs ändern sich und der Qualifizierungsbedarf steigt. Lesen Sie 4 schnelle Impulse für einen KI-Einstieg in KMU.


15.07.2026 - Marta Potužníková-König -4 MinutenZukunft der Arbeit

Künstliche Intelligenz (KI) ist aktuell eine der größten Treiberinnen von Veränderungen: Der Arbeitsmarkt wandelt sich, Berufsfelder und Arbeitsplätze passen sich an. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine erreicht ihre nächste Stufe. Für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) versprechen die KI-Anwendungen Potenzial. Dennoch werfen diese Chancen auch Fragen auf.

In den nächsten 15 Jahren werden laut einer KI-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) deutliche Verschiebungen am Arbeitsmarkt prognostiziert. Rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze können bis dahin betroffen sein. In bestimmten Wirtschaftsbereichen steigt der Bedarf an Arbeitskräften, während in anderen Bereichen Arbeitsplätze abgebaut werden. Für viele Jobs bedeutet das eine Anpassung der Anforderungsprofile und damit ein zunehmender Bedarf an Weiterbildung und Qualifizierung.

Wie verändert KI den Arbeits- und Fachkräftebedarf?

Moderne KMU setzen KI ein, um ihre Beschäftigten zu entlasten. Ein paar kleine Beispiele: Manche Malerbetriebe nutzen die Kombination aus Robotik und KI für körperlich anstrengendes Grundieren sowie den ersten Farbauftrag von Großflächen. Im Büro gibt es bereits eine ganze Palette an Aufgaben, die der KI überlassen werden: Buchungs- und Belegverarbeitung werden automatisiert, smarte Terminplanung oder Materialverwaltung werden optimiert. So können Engpasse oder Überschüsse an Material frühzeitig erkannt werden. Dadurch wird wertvolle Arbeitszeit frei, die ein Betrieb für andere Tätigkeiten einsetzen kann. Das hilft insbesondere, wenn das Personal knapp ist. 

Die Übernahme von Routineaufgaben durch KI bedeutet jedoch nicht, dass Jobs abgebaut werden sollten. Es geht vielmehr um eine Verschiebung von Kompetenzen und die Zukunftssicherung des Betriebes. Gefragt sind deshalb digitale Fähigkeiten wie z. B. der Umgang mit neuen KI-Technologien. Perspektivisch ist ein partnerschaftlicher Einsatz der KI zu erwarten. Das bedeutet, dass Mensch und KI als Team arbeiten und sich ergänzen. Malerinnen und Maler müssen zukünftig nicht mit IT-Expertise glänzen, sie benötigen aber die Kompetenz, sich einen Grundier-Roboter einzurichten und potenzielle Fehler zu interpretieren bzw. das Ergebnis zu prüfen. Wichtig: Das letzte Wort hat der Mensch. Diese Tatsache verändert die Tätigkeitsprofile und Anforderungen an Qualifikation. Das wiederum kann Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung mit sich bringen.

Immer mehr Betriebe nutzen KI 

Die Nutzung von KI bei deutschen KMU hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). Auch wenn der Abstand zu Großunternehmen noch groß ist, öffnen sich immer mehr KMU den KI-Technologien. Inzwischen setzt jeder vierte Betrieb ein KI-Verfahren ein. Waren es im Jahr 2023 11 Prozent sind es 2025 schon 25 Prozent. Damit liegen deutsche Betriebe sechs Prozentpunkte über dem europäischen Durchschnitt.

KI in KMU: Impulse in Kürze

  • Kompetente Beratung: Betriebe können sich auf verschiedenen Wegen informieren, z. B. Branchenmessen oder Fachveranstaltungen sind gute Plattformen, wo verschiedene KI-Lösungen direkt präsentiert werden. Handwerksverbände, Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern bieten oft kostenfreie Beratungsangebote zur Digitalisierung an. 

    Es gibt kostenlose Webinare, die einen guten Überblick liefern: Eine konkrete Anlaufstelle ist z. B. das Angebot des Mittelstand-Digital Zentrum Handel mit regelmäßigen Praxisforen, in denen KI im Betrieb behandelt wird. In Online-Foren und in Communities auf Social Media können sich Betriebe über praktische Erfahrungen austauschen – hier können KMU gezielt z. B. nach Gruppen wie „Digitalisierung KMU“ oder „Handwerk 4.0“ suchen.

  • Budget: Ein KI-Einsatz muss nicht immer das Budget sprengen. Gerade für KMU wurden cloudbasierte Lösungen und Softwarelizenzen entwickelt, sodass keine teure Hardware eingebaut werden muss. Diese Lösungen kann man mit kleinen Modulen starten und bei Bedarf erweitern. Außerdem gibt es z. B. das Förderprogramm „KMU-innovativ“, mit dem das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt innovative Vorhaben und Ideen der Betriebe unterstützt.  
  • Herausforderungen: Zwar nutzen immer mehr KMU KI, dennoch gibt es einige Herausforderungen: Mangel an KI-Kompetenz, Unsicherheit bezüglich des Nutzens sowie Bedenken bei Datenschutz und Sicherheit. Viele KMU zögern wegen der anfänglichen Kosten und Risiken, in KI-Projekte zu investieren. 
  • Akzeptanz am Arbeitsplatz: In Zeiten, in denen KI auf dem Vormarsch ist, machen sich Beschäftigte nicht selten Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Andere fühlen sich unsicher im Umgang mit KI. Deswegen sollten sich Betriebe und Beschäftigte damit auseinandersetzen, wie digitale Technologien die Anforderungen an Berufe verändern können und welche Kompetenzen Beschäftigte benötigen. Weiterbildungen und lebenslanges Lernen werden immer wichtiger: Sie helfen, Unsicherheiten und Vorbehalte abzubauen, und fördern die Akzeptanz der KI als Unterstützerin am Arbeitsplatz.  

     

Interaktives Tool Job-Futuromat

Job-Futuromat bietet spannende Einblicke in die beruflichen Tätigkeiten, die durch digitale Technologien und KI möglicherweise automatisiert werden können. 

Erfahren Sie über das Tool des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), welche Berufe am stärksten betroffen sind und warum die Berufswahl nicht von der Angst vor Automatisierung, sondern vielmehr von den damit verbundenen Chancen bestimmt werden sollte.


Headerbild: ©AdobeStock/Malambo/peopleimages.com