Luca hat es geschafft! Schon einen Praktikumsplatz zu finden, war nicht einfach für ihn: „Ich habe Absagen bekommen wegen dem Rollstuhl“, erinnert er sich im Gespräch mit Annett Theus, Referentin Inklusionsamt, Sandra Laßmann von der Jugendberufshilfe Thüringen und Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung, Agentur für Arbeit Thüringen Nord.
Bis zum Sommer 2025 besuchte der inzwischen 18-Jährige die Staatliche Regelschule "Hainleite" in Wolkramshausen. Die Schule gehört zu denen, deren Schülerinnen und Schüler einen Tag pro Woche ab dem zweiten Halbjahr der achten Klasse an einem anderen Ort lernen – nämlich im Betrieb. Dafür bewerben sich die Jugendlichen um insgesamt vier Praktikumsplätze. Innerhalb eines Schuljahres lernen sie so vier Berufsbilder kennen. Schon über die Bewerbungsverfahren werden die Schülerinnen und Schüler auf die Arbeitswelt vorbereitet. Und dazu gehören auch Absagen, weiß Karsten Froböse. Doch für Menschen mit Beeinträchtigungen ist so ein Bewerbungsverfahren und auch die betriebliche Erprobung mit größeren Hürden verbunden. Nicht selten stehen sie Vorbehalten und Unsicherheiten gegenüber. „Deswegen spielt der persönliche Kontakt für die Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Beeinträchtigungen eine besonders große Rolle“, weiß Theus.
Zum Hürden überwinden braucht es auch Mut. Das Team im AUDI Autohaus Albertsmeyer hat Mut bewiesen. Unter der Prämisse „Mehr als schief gehen kann es nicht“ boten sie Luca einen Praktikumsplatz an. Philipp Hanuschke reflektiert: „Wir waren überrascht davon, dass es keine Probleme gab, obwohl das Autohaus nicht als barrierefrei ausgewiesen ist“. Nachdem Lucas Tag in der Praxis (TiP) beim Autohaus so erfolgreich verlief, bewarb er sich dort auch um eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. In enger Zusammenarbeit begleiteten seine Familie, der Betrieb und die Arbeitsagentur Lucas Übergang in die Ausbildung. Aufgrund seiner Beeinträchtigung benötige der junge Mann eine besondere Arbeitsplatzausstattung, erklärt Holger Hirschelmann, Teamleiter Berufliche Rehabilitation und Teilhabe, Agentur für Arbeit Thüringen Nord. Außerdem ist Unterstützung für den Weg zur Arbeit und zur Berufsschule notwendig. Luca erhält diese Hilfen nach Empfehlung des Technischen Beratungsdienstes der Agentur für Arbeit. Zweimal pro Woche besucht der Auszubildende jetzt die Berufsschule in Leinefelde. Den Rest der Woche ist er festes Teammitglied im Autohaus und berichtet stolz: „Es läuft gut!“
Inklusion in der Berufsorientierung voranbringen
Für junge Menschen mit Beeinträchtigung ist der Berufseinstieg oft schwieriger. Das Inklusionsamt fördert deshalb unter anderem berufsorientierende Maßnahmen für Menschen mit geistiger Behinderung. Über den Tag in der Praxis erhalten alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Stärken zu zeigen und Vorurteile abzubauen. Die Vorzüge von TiP liegen für Philipp Hanuschke und Juliane Bley, Personalleiterin, Autohaus Albertsmeyer GmbH & Co. KG, auf der Hand:
- Wenn eine Praktikantin oder ein Praktikant eine Woche krank sind, verpassen sie nicht das gesamte Praktikum, sondern nur einen Tag. In den Folgewochen haben sie trotzdem die Chance, sich beruflich zu orientieren
- Das Autohaus erhält jetzt mehr Bewerbungen um Ausbildungsplätze als in der Vergangenheit. Mit TiP können vier Praktikantinnen und Praktikanten pro Jahr das Unternehmen kennenlernen
- Übung macht den Meister – durch die regelmäßigen Bewerbungen um einen Praktikumsbetrieb ist auch die Qualität der Bewerbungen um eine Ausbildung gestiegen
- Inzwischen konnten schon mehrere Auszubildende über TiP gewonnen werden – Luca Weißenborn ist einer von ihnen
Menschen mit Behinderungen sind ein unverzichtbarer Teil der Arbeitswelt. Schon heute beschäftigen viele Betriebe in Nordthüringen Menschen mit Behinderung. Die meisten von ihnen sind im verarbeitenden Gewerbe (25,6 Prozent), in der öffentlichen Verwaltung (22,6 Prozent) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (22,0 Prozent) tätig. Dabei ist nicht jede Behinderung so sichtbar wie in Lucas Fall: 83,9 Prozent aller Rehabilitanden, die von der Agentur für Arbeit Thüringen Nord unterstützt werden, weisen nicht sichtbare Behinderungen auf. Dazu gehören psychische, geistige und neurologische Behinderungen. So ist der Unterstützungsbedarf immer individuell festzulegen. Für Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderungen einstellen möchten, gibt es deshalb spezielle Beratungsangebote. Bei der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber in Nordthüringen bekommen sie Rat und Orientierung zu Unterstützungs- und Förderangeboten der Arbeitsagentur sowie weiterer Kostenträger.
Foto © Agentur für Arbeit Thüringen Nord. vlnr.: Juliane Bley, Luca Weißenborn, Karsten Froböse,
Philipp Hanuschke, Annett Theus, Holger Hirschelmann
Foto © ThLVwA. Vlnr.: Juliane Bley, Luca Weißenborn, Karsten Froböse,
Philipp Hanuschke, Annett Theus, Holger Hirschelmann