14.01.2026 - Jörg Reiner, Marta Potužníková-König -3 MinutenArbeitswelt gestalten
An allen Ecken und Enden fehlen sie: gut qualifizierte Arbeitskräfte. Die gute Nachricht ist, Betriebe haben vieles selber in der Hand und können mit verlässlichen Rahmenbedingungen Fachkräfte-Reserven nutzen. Flexible Arbeitszeitmodelle helfen z. B. (teilzeitbeschäftigten) Müttern, ihre Wochenarbeitszeit zu erhöhen.
Die deutsche Wirtschaft hat unter anderem damit zu kämpfen, dass immer mehr ältere Beschäftigte in Rente gehen. Die Folge? Der Fach- und Arbeitskräftemangel. Gerade mit der gezielten Förderung von Müttern können Betriebe dieser Wachstumsbremse entgegenwirken. Die vielversprechende Lösung wirkt im Gegensatz zur Aus- und Weiterbildung kurzfristig und ist effizient. Mütter sind in der Regel gut qualifiziert und berufserfahren. Aber obwohl sie mit zunehmendem Alter ihres jüngsten Kindes ihre Erwerbstätigkeit (wieder) ausweiten, verbleiben sie – insbesondere in Westdeutschland – häufig dauerhaft in Teilzeit.
Mehr ist möglich
Die jüngste Studie „Mehr ist möglich“ (2025) von der Prognos AG zeigt, dass genau hier ein erhebliches Arbeitskräftepotenzial liegt. Bei verbesserten Rahmenbedingungen im Betrieb für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wären 45 Prozent der teilzeitbeschäftigten Mütter bereit, ihre Arbeitszeit um durchschnittlich 8,6 Wochenstunden zu erhöhen. Hochgerechnet entspricht dies etwa 1,6 Millionen Müttern und 14 Millionen zusätzlichen Wochenstunden. Ausgehend von einer Vollzeit-Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ließen sich somit gut 350.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente gewinnen. Befragt wurden 1.504 Mütter in Teilzeitbeschäftigung.
Flexible Arbeitszeitregelungen und Homeoffice-Möglichkeiten sind für viele Beschäftigte inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Die Studie gibt Hinweise darauf, dass die volle Wirkung in Bezug auf das bislang brachliegende Arbeitszeitpotenzial von Müttern mehr Förderung bzw. mehr Angebote für diese erfordert.
Die entscheidende Rolle der Arbeitgeber
Die Rolle der Arbeitgeber sowie die Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen sind laut Studie entscheidend dafür, ob und in welchem Umfang Mütter erwerbstätig sind bzw. werden. Neben dem Staat, der eine gute Betreuungsinfrastruktur, gesetzliche Rahmenbedingungen, finanzielle Hilfen und steuerliche Anreize bereitstellen muss, können die Betriebe die Vereinbarkeit aktiv verbessern und entsprechende Veränderungen herbeiführen.
Doch was können die Betriebe konkret tun, damit Mütter ihre Teilzeitstunden ausweiten können?
Praxistipps für Betriebe
- Die einfachste Empfehlung lautet: Miteinander reden hilft! So lassen sich alte Muster aufbrechen und neue Chancen realisieren. 38 Prozent der Mütter geben an, dass sie mehr arbeiten würden, wenn ihr Arbeitgeber sie darauf ansprechen würde. Tatsächlich wurden bislang nur 4 Prozent darauf angesprochen. Gerade kleinere Betriebe können schnell individuelle Lösungen finden.
- Eine Probephase mit der neuen verlängerten Arbeitszeit – z. B. über sechs Monate mit anschließender Auswertung – ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln und nötige Anpassungen vorzunehmen.
- Arbeitszeitwünsche beider Seiten sollten regelmäßig in Mitarbeitergesprächen angesprochen werden, um auf Veränderungen reagieren zu können.
- Ist Homeoffice generell im Betrieb umsetzbar? Dies ist eine gute Möglichkeit, mit Müttern darüber zu sprechen, ob sie im Homeoffice ihre Arbeitszeit ausweiten würden – z. B., um die Pendelzeiten zu vermeiden.
- Gerade in kleinen und mittleren Betrieben (KMU) ist eine aktive Kommunikation durch die Führungskraft entscheidend – ein Rundschreiben kann verdeutlichen, dass das Potenzial teilzeitbeschäftigter Mütter auf der höchsten Führungsebene gesehen und auch unterstützt wird.
- Die Kooperation der KMU mit anderen Unternehmen kann helfen! Das Ziel: Ressourcen zu bündeln und wichtige, noch nicht umsetzbare Maßnahmen gemeinsam zu realisieren – z. B. die Einrichtung eines Feriencamps, Belegplätze in Kitas oder einer Betriebskita im Verbund.
- Nicht zuletzt: Wenig nachgefragte Angebote bzw. Maßnahmen können in einen Zuschuss zur Kinderbetreuung umgewandelt werden. Dies spielt bei vielen Müttern eine große Rolle, denn mehr Arbeitszeit bedeutet mehr Betreuungsaufwand!
Grundsätzlich lassen sich die genannten Tipps auch auf in Teilzeit arbeitende Väter übertragen, die aber im Vergleich zu Müttern deutlich seltener in Teilzeit arbeiten. Von guten betrieblichen Bedingungen profitieren letztendlich alle: Familien, Betriebe und die Wirtschaft insgesamt.

