Von der Krisenbewältigung zur proaktiven Personalplanung

Im Faktor A-Interview berichtet ein Personalchef, wie sein Unternehmen regionale Netzwerke für Mitarbeitervermittlung genutzt hat.   


21.04.2026 - Marta Potužníková-König -3 MinutenMitarbeiter finden

Personalabbau hier, drohende Insolvenz dort. Eine schwache wirtschaftliche Entwicklung, hohe Kosten und viel Bürokratie sind für viele Unternehmen herausfordernd. Doch bezüglich des Personalmanagements können die Unternehmen Unterstützung erhalten.

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte Ende 2025 das Höchstniveau seit über 10 Jahren. Wenn Unternehmen von Personalabbau betroffen sind, steht die Zukunft der Beschäftigten im Mittelpunkt. Gerade in solchen Fällen greift die Arbeitsmarktdrehscheibe, ein innovatives Instrument der Bundesagentur für Arbeit. 

Arbeitsmarktdrehscheibe als Motor des Strukturwandels 

Auf regionaler Ebene wird der Marktausgleich zwischen den Unternehmen, die Personal abbauen und den Betrieben, die Personal suchen, geschaffen. Der Fokus liegt auf dem Prinzip der „Job-to-Job“ Vermittlung – die Arbeitslosigkeit soll im besten Fall gar nicht eintreten, da die Beschäftigten direkt vermittelt werden. Berufliche Orientierungsberatung und Qualifizierung der Mitarbeitenden helfen individuell dabei, den Übergang zu gestalten. Job-Speed-Datings und gezielte Arbeitgeberansprache unterstützen die Betriebe mit Personalbedarf

„Es ist wichtig, dass der Arbeitgeber-Service frühzeitig eingeschaltet wird, damit unsere Aktivitäten greifen können. Eine transparente und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist der Schlüssel“, berichtet Angelika Paulun, Teamleiterin der Agentur für Arbeit Heidelberg. Sie hat die Arbeitsmarktdrehscheibe Heidelberg mit dem Arbeitgeber-Service konzipiert, an der auch die MHC Gruppe teilgenommen hat. 

Das Unternehmen aus Germersheim (Rheinland-Pfalz) existiert seit 1997, beschäftigt sich mit der Energietechnik und besteht aus 14 Gesellschaften. Eine neue berufliche Perspektive haben hier gleich mehrere Mitarbeitende gefunden. Der Personalleiter Kevin Jäger berichtet in einem Interview mit Faktor A.

Kevin Jäger, Personalleiter MHC Gruppe
Bild: Kevin Jäger, Personalleiter MHC Gruppe, ©MHC Gruppe

Faktor A (FA): Herr Jäger, wie kam es dazu, dass Sie an der Arbeitsmarktdrehscheibe teilgenommen haben?

Kevin Jäger (KJ): Es war eher ein Zufall. Wir sind mit anderen Unternehmen gut vernetzt und bekommen mit, wenn es bei einem nicht gut läuft. Oder wir informieren uns selbst und nehmen gezielt zu diesen Unternehmen Kontakt auf, um eine Übernahme der Mitarbeitenden zu besprechen. Über eines dieser Unternehmen ist der Kontakt zu dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Heidelberg entstanden, welche uns über die Arbeitsmarktdrehscheibe informiert hat.

FA: Welche Ziele und Erwartungen hatten Sie, als Sie sich für die Teilnahme entschieden haben?

KJ: Wir hatten ein klares Ziel, durch die Maßnahme Arbeits- und Fachkräfte zu gewinnen. Dementsprechend waren auch die Erwartungen da, dass es funktioniert.

FA: Können Sie uns Ihre Erfahrungen mit der Arbeitsmarktdrehscheibe kurz schildern?

KJ: Von meiner Seite bzw. Unternehmensseite war die Zusammenarbeit angenehm. Die Agentur für Arbeit hat das Organisatorische übernommen, wir sind einfach nur gekommen und haben Gespräche mit den potenziellen Mitarbeitenden geführt.

FA: Gab es bestimmte Aspekte, die Ihnen besonders geholfen haben?

KJ: Wir hatten keinen Aufwand mit der Vermittlung, das war klasse. Und dann die Transparenz: Wir waren im Vorfeld informiert, um welche Mitarbeitende es geht, konnten uns darauf einstellen und einschätzen, ob sie zu uns passen würden. Auch die betroffenen Mitarbeitenden waren gut informiert. Für unseren Standort in Germersheim haben wir Elektrohelfer ohne Ausbildung, aber mit langjähriger Berufserfahrung, Elektroniker und einen Elektroingenieur übernommen.

FA: Gab es Herausforderungen? Wenn ja, welche und wie haben Sie sie überwunden?

KJ: Herausfordernd war die Situation als solche. Sie müssen sich vorstellen, vor Ihnen sitzen Personen, die seit 20 oder 30 Jahren bei einem Unternehmen beschäftigt waren. Sie kommen aus einer gewohnten Umgebung und haben natürlich auch Zukunftsängste, was jetzt kommen wird, wenn sie bei uns anfangen.

Zitat:

Wir haben unsere Rolle gesehen, die Mitarbeitenden abzuholen und Positives in die Situation reinzubringen.

FA: Rückblickend betrachtet: Hatte die Teilnahme Auswirkungen auf Ihr Unternehmen bzw. Ihre Arbeit?

KJ: Wir hatten davor keinen Kontakt zu der Agentur für Arbeit in Heidelberg und konnten somit unser Netzwerk erweitern. Wir sind nun regelmäßig im Austausch und ich würde mir wünschen, dass es auch weiterhin so gut läuft.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Jäger! 
 


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