24.02.2026 - Marta Potužníková-König -4 MinutenMitarbeiter finden
Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt ist laut Berufsbildungsbericht (2025) leicht angestiegen. Dennoch finden Angebot und Nachfrage nicht immer zueinander. Gründe dafür gibt es verschiedene, u.a. die Unsicherheit junger Menschen den richtigen Grundstein für ihren beruflichen Werdegang zu legen.
Die Volks- und Raiffeisenbank Prignitz eG ist den Weg über ein zweiwöchiges Praktikum gegangen und hat es einem jungen Mann aus dem Iran ermöglicht, in den Beruf des Bankkaufmanns reinzuschnuppern. Und das hat sich gelohnt! Durch sein Engagement, Fleiß und offene Art wurde er Teil der VR-Familie in der Geschäftsstelle. Der 25-jährige Amirreza Cheshmi hat sich im Iran eine kleine Karriere als Rapper aufgebaut, in der Freizeit spielt er gerne Fußball. Aber das Wichtigste: Seit August 2024 macht er bei der VR-Bank seine Ausbildung. Im Interview mit Faktor A berichtet er, wie ihm der nächste Karriereschritt gelungen ist.
Faktor A (FA): Was hat Sie dazu bewegt, in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen?
Amirreza Cheshmi (ACh): Es geht vor allem um eine persönliche Einstellung. Die Ausbildung ist für meine Karriere eine gute Möglichkeit, finanziell unabhängig zu sein. Im Iran habe ich mich im Studium bereits mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt. Die Ausbildung bei der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz eG habe ich sprachlich mit dem B1 Niveau gestartet. Da Banker viel mit ihren Kundinnen und Kunden kommunizieren müssen, ist das Niveau C1 aber zwingend notwendig. Der Vorstand hat mir die Chance gegeben, dieses im ersten Lehrjahr nachzuholen.
FA: Haben Sie sich in Deutschland gut eingelebt?
ACh: Ich habe mich sehr gut eingelebt. Meine Kollegen und meine Fußballmannschaft des Pritzwalker FHV e.V. haben mir dabei geholfen. Hier konnte ich nicht nur meine Sprachkenntnisse vertiefen, sondern auch die deutsche Kultur besser kennenlernen. Von Anfang an habe ich dazu gehört und heute fühle ich mich wohl.
FA: Wie sind Sie auf die Möglichkeit gekommen, vor der Ausbildung ein Praktikum zu absolvieren?
ACh: Ich bin im Mai 2023 nach Deutschland gekommen und habe mich von der Agentur für Arbeit beraten lassen. Ursprünglich wollte ich eine Ausbildung im IT-Bereich machen. Meine Beraterin hat mir aber aufgrund meiner finanziellen Vorkenntnisse vorgeschlagen, ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum in einer Bank zu machen. Die örtliche Agentur für Arbeit hat ein Netzwerk und hat mich zur Prignitzer Genossenschaftsbank vermittelt.
FA: Hat das Praktikum dazu beigetragen, dass Sie sich am Ende für Ihren jetzigen Ausbildungsberuf entschieden haben? Oder wussten Sie bereits vorher, dass Sie sich im Bankwesen beruflich entwickeln wollen?
ACh: Ich konnte mir nicht vorstellen in einer Bank zu arbeiten. Ich war aber neugierig auf den Beruf. In der Wittenberger Filiale habe ich den Filialbereichsleiter Christoph Neumann kennengelernt. Während des Praktikums hat er mir gezeigt, was den Beruf so spannend und besonders macht. Den Kontakt mit Menschen am Schalter, die Kundenberatung und das Gefühl den Kundinnen und Kunden zu helfen. Ich habe meine Meinung geändert.

FA: In welchem Bereich konkret absolvieren Sie Ihre Ausbildung?
ACh: Die Ausbildung ist umfangreich. Die Azubis durchlaufen zunächst alle Bereiche, d.h. von der Kredit- und Geldanlagenschiene über das Controlling bis hin zur Revision. Nach zweieinhalb Jahren werden Gespräche mit den Auszubildenden geführt und die Zukunft im Unternehmen besprochen. Die eigenen Stärken spielen hier eine wichtige Rolle.
FA: Wie war für Sie der Übergang zwischen Praktikum und Ausbildung?
ACh: Der Übergang war für mich etwas einfacher, weil ich das Praktikum vorher absolviert habe und die Leute dort schon gekannt habe. Für mich hat alles gepasst, ich war mir sicher, dass ich die Ausbildung machen will und habe mich beworben.
FA: Wie würden Sie Ihre Erfahrungen während des Praktikums/Ihrer Ausbildung beschreiben? Welche Herausforderungen haben Sie dabei gemeistert?
ACh: Gerade für Personen aus einem anderen Land spielt Unsicherheit eine große Rolle. Das Praktikum hat mir geholfen mich zu orientieren, ob ich die Ausbildung schaffe oder nicht. Die große Herausforderung war die Sprache. Vor meiner Ausbildung hatte ich nur zwei Monate Zeit für die Sprachprüfung B2. Der Vorstand und die Kollegen haben an mich geglaubt und mich unterstützt – nun habe ich C1.
Zitat:Ich habe mir nach dem Praktikum zugetraut, dass ich auch die Ausbildung hinkriege.
FA: Gibt es bestimmte Kenntnisse oder Fähigkeiten, die Sie mit der Ausbildung erworben haben und die für Sie besonders wertvoll sind?
ACh: Ich lerne viel – Gesetze, die Rahmenbedingungen für Konten, eben alles, was ein Kaufmann wissen muss. Ich habe aber auch eine ganz wichtige Erfahrung gemacht – den Umgang mit den Menschen und der deutschen Kultur.
FA: Wie sind Ihre Zukunftspläne nach der Ausbildung?
ACh: Ich fühle mich wohl in der Bank und bin gerne hier im Team. Ich bin offen für eine Arbeit in der Prignitzer Bank, kann mir aber auch eine Zukunft woanders vorstellen.
FA: Vielen Dank für das Gespräch Herr Cheshmi und alles Gute für die Zukunft!
