Jörg Aldag ist Beauftragter für Studien- und Berufsorientierung am Helmut-Schmidt-Gymnasium in Hamburg (HSG) – einer Schule, die für ihr schulweites BO-Konzept mehrfach mit dem Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet wurde. Im Interview gibt er Einblicke in sein Konzept, seine Methoden und den Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die von zu Hause wenig Unterstützung erhalten.
Tipp:Hinweis: Das Berufswahl-SIEGEL ist eine Auszeichnung für Schulen mit besonders guten Konzepten zur Vorbereitung auf Arbeitswelt und Studium. Es wird durch regionale Netzwerke wie SCHULEWIRTSCHAFT vergeben.
In welcher Klasse fängt die Studien- und Berufsorientierung am HSG an?
Jörg Aldag: Bereits in der 6. Klasse, wenn alle Schülerinnen und Schüler am Girls’Day und Boys’Day teilnehmen. In der 7. Klasse folgen die sogenannten Shadowing-Tage: Die Jugendlichen begleiten 2 Tage lang eine berufstätige Person und verfassen darüber im Deutschunterricht eine Reportage. Ab der 8. Klasse starten dann die BO-Tage, Kompetenztests und vorbereitende Unterrichtseinheiten.
Wie läuft Studien- und Berufsorientierung an Ihrer Schule ab?
Jörg Aldag: Wir arbeiten mit einem mehrjährigen, aufeinander aufbauenden Konzept, das sowohl Unterricht als auch außerschulische Lernorte einbezieht. Dazu gehören in den Klassen 8 und 11 die Berufs- und Studienorientierungstage: Die Schülerinnen und Schüler besuchen das Berufsinformationszentrum, recherchieren zu ihrem Wunschberuf und absolvieren ein Bewerbungstraining. In der 9. und 10. Klasse folgen die Betriebspraktika. Parallel dazu gibt es die Möglichkeit, Betriebe zu erkunden und Hochschulen sowie Fachmessen für Studium und Ausbildung zu besuchen. In der 12. Klasse machen die Jugendlichen ein Schnupperstudium an einer unserer Kooperationshochschulen. All diese Angebote werden im Unterricht vor- und nachbereitet.
Mit welchen Materialien und Tools arbeiten Sie im BO-Unterricht?
Jörg Aldag: Wir nutzen Check-U und weitere Tests sowie Bewerbungsunterlagen und Kommunikationsübungen der Bundesagentur für Arbeit. Dazu kommen Materialien der Industrie- und Handwerkskammern sowie Informationen der Hochschulen und unserer Kooperationsbetriebe. Für Praktikumsberichte setzen wir digitale Lernräume und Taskcards – eine Art digitale Pinnwand – ein, um Inhalte wie Texte, Bilder, Videos und Dateien zu sammeln und zu teilen. Gerne nehmen wir auch Präsentationen und Erfahrungsberichte unserer Alumni mit in den Unterricht. Alle Materialien sind eng mit den jeweiligen Unterrichtsfächern verzahnt und werden je nach Jahrgang zielgerichtet eingesetzt. Viele Jugendliche brauchen zudem gezielte Unterstützung bei der Selbsteinschätzung – das leisten Gespräche, Feedback aus Praktika und strukturierte Reflexionsphasen.
Was empfehlen Sie Lehrkräften oder BO-Coaches für ihren Studien- und Berufsorientierungsunterricht?
Jörg Aldag: Berufsorientierung wirkt am besten, wenn sie früh beginnt, kontinuierlich begleitet wird und echte Einblicke ermöglicht. Besonders wirksam sind dabei authentische menschliche Begegnungen – mit Auszubildenden, Studierenden, Fachkräften oder erfolgreichen Alumni, die über ihre Lebenswege berichten. Darüber hinaus empfehle ich, mit Betrieben, Kammern und Hochschulen zu kooperieren und ein Netzwerk aufzubauen, das regelmäßig aktiviert wird. Wichtig sind außerdem klare Strukturen und feste Reflexionsphasen. Und: BO sollte immer zielgruppenorientiert sein – nicht jedes Format passt für jede Schülerin und jeden Schüler.



