Berufs- und Studienorientierung differenziert gestalten

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Das Schülerbetriebspraktikum ist ein wichtiger Baustein der beruflichen Orientierung. Es ermöglicht jungen Menschen, Arbeitsabläufe kennenzulernen, erste Erfahrungen in einem Berufsfeld zu sammeln und Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen. Um die ganze Bandbreite an Berufs- und Studienwegen zu erschließen, lohnt sich jedoch der Blick auf weitere Formate.

So unterstützen Lehrkräfte die Orientierung

Lehrkräfte können die Berufsorientierung durch zusätzliche Formate ergänzen. Diese ermöglichen niedrigschwellige Einblicke in Berufe, Studiengänge und Bildungswege. Dadurch werden junge Menschen dabei unterstützt, ihre Interessen zu überprüfen und fundierte Entscheidungen für ihren weiteren Bildungsweg zu treffen.

Unterrichtsimpuls: Die passende Praxiserfahrung finden

Ziel

Die Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedliche Möglichkeiten der Berufs- und Studienorientierung kennen und reflektieren, welche Angebote zu ihren Interessen passen. Sie erkennen, dass Berufsorientierung sowohl Ausbildungsberufe als auch akademische Bildungswege umfasst und dass verschiedene Praxiserfahrungen unterschiedliche Einblicke ermöglichen.

Setting

Plenum und Kleingruppen (2 bis 4 Personen)

Ablauf

Schritt 1 von 4: Sammlung (Plenum)

Die Klasse verschafft sich einen Überblick über verschiedene Angebote der Berufs- und Studienorientierung und erkennt, dass ein Praktikum durch weitere Erfahrungen sinnvoll ergänzt werden kann. Die Lehrkraft stellt weitere Möglichkeiten vor, um unterschiedliche Berufs- und Studienwege aufzuzeigen.

Schritt 2 von 4: Recherche (Gruppenarbeit)

In Gruppen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler zentrale Informationen zu ausgewählten Orientierungsangeboten und dokumentieren ihre Ergebnisse auf einem Plakat oder digital. Leistungsstärkere Gruppen können ihre Erkundung zusätzlich als eigene Erkundungs-Challenge mit selbst hergestelltem Kontakt zu einem Unternehmen oder einer Hochschule gestalten.

Schritt 3 von 4: Präsentation/Austausch (Gruppenarbeit)

Die jungen Menschen präsentieren in Gruppen ihre Ergebnisse und gewinnen einen Überblick über die Vielfalt der Angebote. Gemeinsam wird deutlich, dass mehrere Formate zusammen ein umfassenderes Bild vermitteln.

Schritt 4 von 4: Reflexion (Einzelarbeit)

Die Schülerinnen und Schüler bewerten die vorgestellten Angebote für sich selbst und halten ihre nächsten Schritte zur Berufs- und Studienorientierung fest. Optional gleichen sie ihre Einschätzung mit einem KI-gestützten Tool zur Interessens- und Kompetenzanalyse ab.

Unterrichtsimpuls im Detail

Sammlung (Plenum)

Die Schülerinnen und Schüler sammeln zunächst alle Möglichkeiten, Berufe oder Studiengänge kennenzulernen, die ihnen bereits bekannt sind.

Im anschließenden Gespräch kann die Lehrkraft darauf eingehen, dass das Schülerbetriebspraktikum zwar ein zentraler Baustein der Berufsorientierung ist, ein einzelnes Praktikum jedoch häufig nicht ausreicht, um die Vielfalt beruflicher und akademischer Bildungswege kennenzulernen. Zusätzliche Angebote ermöglichen weitere Einblicke und helfen dabei, Interessen zu überprüfen und verschiedene Berufs- und Studienwege miteinander zu vergleichen.

Anschließend ergänzt die Lehrkraft weitere Angebote, beispielsweise:

Schülerinnen und Schüler kommen direkt mit Auszubildenden und Fachkräften ins Gespräch. 

Schülerinnen und Schüler probieren typische Tätigkeiten selbst aus.

Schülerinnen und Schüler erhalten kompakte Einblicke in den Berufsalltag.

Schülerinnen und Schüler lernen den Studienalltag an der Hochschule kennen. An einzelnen Tagen oder auch über mehrere Wochen (etwa in den Ferien).

Die bundesweiten Aktionstage Girls’Day und Boys’Day ermöglichen Schülerinnen und Schülern, Berufe kennenzulernen, in denen Frauen oder Männer bislang unterrepräsentiert sind. Durch Schnupperangebote in Unternehmen und Einrichtungen erhalten sie Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder, können eigene Interessen erproben und Geschlechterstereotypen hinterfragen.

Das BMBF-geförderte Verbundprojekt VerOnika up! bietet Schülerinnen und Schülern mit Hochschulzugangsberechtigung praxisnahe Einblicke in Ausbildung und Studium, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Das kostenfreie Online-Angebot Digital Insights bietet Schülerinnen und Schülern ab der Sekundarstufe II Einblicke in MINT-Berufsfelder, Zukunftsthemen wie KI und den Bewerbungsprozess im direkten Austausch mit Azubis, dual Studierenden und Fachkräften. Praktische Elemente wie Coding oder Games ermöglichen den Einstieg ohne Vorkenntnisse.

Je nach Region können außerdem landesweite oder regionale Veranstaltungen, beispielsweise die Woche der Aus- und Weiterbildung (Bayern), einbezogen werden.

Recherche (Gruppenarbeit)

Jede Gruppe erhält 1 oder 2 Formate und recherchiert:

  • Was ist das Ziel?
  • Was erwartet die Teilnehmenden? 
  • Für wen eignet sich das Angebot? 
  • Welche Vorteile bietet es? 
  • Wie kann man teilnehmen? 

Dabei können die Schülerinnen und Schüler auch folgende Fragen beantworten:

  • Ermöglicht das Angebot eher einen Einblick in Ausbildung, Studium oder beide Bildungswege? 
  • Welche praktischen Erfahrungen können gesammelt werden?
  • Ist das Angebot regional oder bundesweit verfügbar?

Die Ergebnisse werden auf einem Plakat oder digital festgehalten.

Erkundungs-Challenge 

Für leistungsstärkere Gruppen oder als Alternative zur reinen Literaturrecherche können die Schülerinnen und Schüler ihre Erkundung aktiv selbst gestalten: Statt nur Informationen zu einem vorgegebenen Format zusammenzutragen, entwickeln sie eine eigene Erkundungsmission zu einem Berufsfeld ihrer Wahl. Dazu nehmen sie eigenständig Kontakt zu einem Unternehmen, einer Hochschule oder einer Ausbildungsstelle auf und führen ein kurzes Interview (persönlich, telefonisch, per Videocall oder schriftlich). Die Lehrkraft unterstützt bei der Kontaktaufnahme und stellt bei Bedarf einen Interviewleitfaden zur Verfügung. Die Ergebnisse werden wie gewohnt dokumentiert und in die Präsentation eingebracht.

Präsentation/Austausch

Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse vor. Gemeinsam entsteht eine Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten der Berufs- und Studienorientierung.

Dabei kann gemeinsam herausgearbeitet werden, dass unterschiedliche Formate verschiedene Ziele verfolgen: Digitale Angebote vermitteln erste Einblicke, Workshops und Betriebserkundungen ermöglichen praktische Erfahrungen, während Hochschulangebote den Studienalltag kennenlernen lassen. Gemeinsam wird deutlich, dass die Kombination mehrerer Angebote ein umfassenderes Bild möglicher Bildungs- und Berufswege vermittelt.

Reflexion (Einzelarbeit)

Die Schülerinnen und Schüler überlegen anschließend:

  • Welche Angebote interessieren mich besonders?
  • Warum passen diese Angebote zu meinen Interessen?
  • Welche Einblicke fehlen mir noch? 
  • Welche Angebote möchte ich im kommenden Schuljahr nutzen? 
  • Welche Fragen habe ich noch zu meinem Berufs- oder Studienwunsch?

Die Ergebnisse können in einem Berufswahlportfolio oder Lerntagebuch festgehalten werden.

Mit den recherchierten Inhalten können die Schülerinnen und Schüler einen persönlichen Erkundungsplan erstellen:

  • Welches Angebot möchte ich nutzen?

  • Wann möchte ich teilnehmen?

  • Was möchte ich herausfinden?

  • Welche Angebote kann ich miteinander kombinieren?

KI-gestützte Selbstreflexion

Zur Vertiefung der Reflexion können die Schülerinnen und Schüler ein KI-gestütztes Tool zur Interessens- und Kompetenzanalyse nutzen, zum Beispiel einen Chatbot wie ChatGPT oder Online-Fragebogen. Sie gleichen die Vorschläge des Tools mit den recherchierten Angeboten ab und halten Übereinstimmungen und überraschende Ergebnisse fest. So wird die klassische Reflexion um einen datengestützten Perspektivwechsel ergänzt.

Weitere Anregungen für die Unterrichtspraxis

  • Digitale Berufsorientierungsangebote regelmäßig in den Unterricht einbinden. 
  • Kooperationen mit regionalen Unternehmen, Hochschulen sowie Netzwerken wie SCHULEWIRTSCHAFT aufbauen.
  • Betriebserkundungen oder Workshops als Ergänzung zum Schülerbetriebspraktikum nutzen. 
  • Ausbildungs- und Studienmessen gemeinsam vorbereiten und nachbereiten. 
  • Ehemalige Schülerinnen und Schüler einladen, um über ihren Ausbildungs- oder Studienweg zu berichten. 
  • Regionale Ansprechpartner wie Kammern, Berufsinformationszentren, Hochschulen oder SCHULEWIRTSCHAFT bei der Planung von Angeboten einbeziehen. 

Tipp:Info: Das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT bringt Schulen und Unternehmen zusammen, um junge Menschen praxisnah bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Mit rund 400 regionalen Netzwerken vermittelt es Kontakte zu Betrieben und stellt Lehrkräften Materialien wie Checklisten, Leitfäden und Praxisbeispiele für die Zusammenarbeit mit Unternehmen zur Verfügung.

Weiterführende Beratung

Verweisen Sie auf die Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler der Bundesagentur für Arbeit. Sie unterstützt junge Menschen dabei, unterschiedliche Angebote der Berufs- und Studienorientierung kennenzulernen, ihre Erfahrungen zu reflektieren und fundierte Entscheidungen zwischen Ausbildung, Studium oder weiteren Bildungswegen zu treffen.

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