Eigen- und Fremdeinschätzung bei der Studienwahl

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Damit eine fundierte Studienentscheidung getroffen werden kann, benötigen junge Menschen ein realistisches Bild ihrer Kompetenzen, Interessen und Lerngewohnheiten. Es zeigt sich jedoch, dass die Selbstsicht häufig unsicher ist, von Wunschvorstellungen geprägt oder durch soziale Medien beeinflusst wird. Auch Erwartungen aus dem Elternhaus oder aus dem Umfeld können Druck erzeugen und dazu führen, dass junge Menschen eigene Interessen oder besonders ihre sozialen Kompetenzen unterschätzen.

Eigeneinschätzung stärken

Junge Menschen reflektieren ihre Kompetenzen und Interessen oft nur ausschnitthaft. Lehrende können hier unterstützen:

  • Gezielt zur Selbstreflexion anregen, zum Beispiel nach einem Projekt oder einer Präsentation mit Fragen wie: „Welche Aufgabe ist dir heute leichtgefallen?“ oder „Wann hast du gemerkt, dass du besonders konzentriert warst?“
  • Lernverhalten und Arbeitsprozesse rückmelden, etwa indem sie beobachten und benennen, dass eine Schülerin Aufgaben strukturiert plant, ein Schüler bei Gruppenarbeiten den Überblick behält oder jemand bei längeren Aufgaben ausdauernd arbeitet.
  • Stärken und Entwicklungsfelder klar, wertschätzend und konkret benennen, zum Beispiel wenn Lehrende darauf hinweisen, dass jemand gut zuhören und vermitteln kann, ruhig bleibt, wenn es schwierig wird, oder andere motiviert – auch wenn diese persönlichen oder kommunikativen Stärken den jungen Menschen selbst oft nicht bewusst sind.

Fremdeinschätzung einordnen

Rückmeldungen aus dem Elternhaus, von Peers oder Lehrenden bieten wertvolle Hinweise – sind jedoch immer subjektiv. Junge Menschen profitieren, wenn sie lernen,

  • unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderzustellen und kritisch abzuwägen, 
  • Erwartungen anderer (zum Beispiel der Eltern) einzuordnen und
  • zwischen eigenen Interessen und äußeren Vorstellungen zu unterscheiden.

Abweichungen zwischen Eigen- und Fremdeinschätzung können Orientierung geben, aber auch verunsichern. Sensibilisieren Sie dafür, Unterschiede nicht als Defizit, sondern als Chance zur Klärung zu verstehen. Hilfreich ist es zudem, offen über mögliche Zielkonflikte zu sprechen – etwa dann, wenn sich junge Menschen stärker an äußeren Erwartungen als an den eigenen Wünschen und Stärken orientieren.

Unterrichtsimpuls: So sehe ich mich – so werde ich wahrgenommen

Ziel

Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung, ohne Bewertung oder Bloßstellung.

Setting

Einzelarbeit und Kleingruppen (2 bis 3 Personen)

Ablauf

Selbstreflexion (Einzelarbeit)

Die Schülerinnen und Schüler beantworten schriftlich Leitfragen, zum Beispiel:

  • „Was fällt mir im Unterricht leicht?“
  • „Wobei brauche ich viel Unterstützung?“
  • „Was schätzen andere oft an mir?“

Fremdwahrnehmung (Kleingruppe)

In der Kleingruppe erhält jede Person kurze Rückmeldungen von den anderen. Leitregel: Nur Beobachtungen, keine Bewertungen. Zum Beispiel:

  • „Mir ist aufgefallen, dass du in Gruppen oft den Überblick behältst.“
  • „Du erklärst ruhig, wenn jemand etwas nicht versteht.“

Einordnung (Einzelreflexion)

Die Rückmeldungen werden mit der eigenen Einschätzung verglichen:

  • Was deckt sich?
  • Wo gibt es Unterschiede?
  • Was überrascht mich?

Tipp: Hinweis zur Sensibilität: Die Lehrkraft betont, dass Abweichungen keine Fehler, sondern Hinweise für weitere Klärung sind.

Sicherung und Transfer (Einzelarbeit, optional)

Die Schülerinnen und Schüler halten für sich fest, welche Erkenntnis sie gewonnen haben und was sie weiter klären oder beobachten möchten. Die Ergebnisse bleiben privat, können aber freiwillig in ein persönliches Portfolio, Lerntagebuch oder in die Vorbereitung von Beratungsgesprächen einfließen.

Im abschließenden Klassengespräch werden keine individuellen Rückmeldungen geteilt, sondern nur Erfahrungen mit der Methode und allgemeine Beobachtungen zur Eigen- und Fremdwahrnehmung reflektiert.

Tipp:Tipp: Check-U: Der Berufsorientierungstest eignet sich zum Erkunden von Kompetenzen und zeigt, welche Ausbildungsberufe und Studienfächer zum eigenen Kompetenzprofil passen. Der Test bietet eine dritte, unabhängige Perspektive. Junge Menschen können vergleichen: „Wie sehe ich mich? Wie sehen mich andere? Und was zeigt der Test?“

Zusätzliche Möglichkeiten

  • Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen für differenzierte Kompetenzprofile
  • Reflexionsgespräche zwischen Lehrenden und einzelnen Schülerinnen oder Schülern, um Unsicherheiten abzubauen und realistische Perspektiven zu entwickeln
  • Klassengespräche zu Einflussfaktoren wie Social Media oder familiäre Erwartungen
  • Externe Angebote wie Hochschulinformationstage oder Studienwahltests

Wichtig:Hinweis: Mehr Informationen dazu gibt es im Artikel Eigen- und Fremdeinschätzung im Berufswahlunterricht.

Weiterführende Beratung

Verweisen Sie auf die Berufsberatung für Schülerinnen und Schüler der Bundesagentur für Arbeit. Sie unterstützt junge Menschen dabei, ihre Selbsteinschätzungen mit realistischen Anforderungen und passenden Ausbildungs- und Studienwegen abzugleichen.

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