Besonders beim ersten Bewerbungsgespräch laufen viele Emotionen zusammen. Unsicherheit, Nervosität und die Angst, etwas Falsches zu sagen, sind ganz normal. Umso wertvoller ist es, wenn Sie als Elternteil Ihr Kind dabei praktisch unterstützen und das Bewerbungsgespräch üben. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie typische Fragen aus dem Vorstellungsgespräch mit Ihrem Kind trainieren und ihm helfen können, mit Selbstbewusstsein in das echte Gespräch zu gehen.

Gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch
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Vorbereitung: Die richtige Übungsatmosphäre schaffen
Bevor es losgeht, lohnt es sich, einen festen Rahmen zu setzen.
- Wählen Sie einen ruhigen Ort ohne Ablenkung aus und gehen Sie die Abfolge der Übung in Ruhe mit Ihrem Kind durch: „Zunächst möchte ich typische Bewerbungsfragen mit dir besprechen. Danach können wir das Bewerbungsgespräch üben, indem ich dich interviewe.“
- Legen Sie den zeitlichen Ablauf fest. Für die Besprechung der typischen Bewerbungsfragen sollten 20 bis 30 Minuten ausreichend sein. Für das anschließende Probe-Bewerbungsgespräch können Sie 10 Minuten einplanen.
- Verteilen Sie die Gesprächsrollen. Sie als Elternteil leiten das Interview und stellen die Bewerbungsfragen, während Ihr Kind sich in die Rolle der Bewerberin oder des Bewerbers begibt.
Tipp:Tipp: Sorgen Sie für eine lockere Übungsatmosphäre und machen Sie Ihrem Kind klar, dass Sie ihm etwas beibringen möchten, ihm aber in erster Linie begleitend zur Seite stehen. Fehler sind erlaubt und gehören zum Lernprozess dazu. So sinkt die Nervosität und das Gespräch fühlt sich natürlicher an.
Typische Bewerbungsfragen besprechen
Die Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch gestellt werden können, beziehen sich meistens auf den Lebenslauf, die Berufswahl, das Unternehmen und die Persönlichkeit Ihres Kindes. Gehen Sie diese Fragen der Reihe nach miteinander durch. So kann sich Ihr Kind darauf einstellen und fühlt sich im echten Gespräch besser vorbereitet.
Mit dieser Rückfrage möchte die Personalerin oder der Personaler einen ersten Eindruck gewinnen: Kann sich Ihr Kind verständlich ausdrücken? Kann es Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden? Passt es grundsätzlich zur Stelle?
Worauf Sie bei Ihrem Kind achten sollten:
- klare, strukturierte Antwort
- ruhige Sprache
- Bezug zum Beruf
- selbstsicheres Auftreten
Übung für zu Hause:
- Stellen Sie eine Stoppuhr auf 60 Sekunden. Ihr Kind stellt sich kurz vor: Name, Schule, für welchen Beruf es sich interessiert und ob es schon ein Praktikum gemacht hat.
- Danach besprechen Sie gemeinsam: Was war gut verständlich? Was war zu lang oder unklar?
Worauf Ihr Kind bei der Antwort achten sollte:
- nicht abschweifen
- nur relevante private Details
- Praktika und damit zusammenhängende Berufserfahrung
- Interesse am Beruf nennen
- ruhig sprechen
Beispiel-Antwort:
„Ich bin [Name des Kindes] und gehe in die 9. Klasse. In wenigen Monaten mache ich meinen Schulabschluss und möchte danach meine handwerklichen Fähigkeiten in der Ausbildung zum Schreiner weiter ausbauen. Ich habe bereits ein Schulpraktikum absolviert und konnte so erste Berufserfahrung sammeln.“
Mit dieser Frage möchte die Personalerin oder der Personaler abfragen, ob echtes Interesse vorhanden ist oder ob die Bewerbung zufällig entstanden ist.
Worauf Sie bei Ihrem Kind achten sollten:
- nachvollziehbare Gründe
- eigene Erfahrungen
- ehrliche Motivation
- Begeisterung für den Beruf
Übung für zu Hause:
- Bitten Sie Ihr Kind, drei gute Gründe für die Bewerbung zu nennen.
- Fragen Sie ruhig nach: „Warum genau das?“ oder „Woher weißt du das?“ So helfen Sie Ihrem Kind, sich selbst zu reflektieren und in eigenen Worten passende Argumente zu formulieren.
Worauf Ihr Kind bei der Antwort achten sollte:
- ehrlich bleiben
- Beispiele nennen (relevantes Praktikum, Schulfach, Hobby)
- positiv formulieren
- nicht auf Dritte verweisen („Meine Eltern wollen, dass ich ...“)
Beispiel-Antwort:
„Ich habe gesehen, wie meine Eltern meine Uroma gepflegt haben. Dann habe ich mich für ein Praktikum im Krankenhaus entschieden. Die Arbeit mit Menschen hat mir Spaß gemacht, sodass ich glaube, dass ich richtig in dem Beruf des Krankenpflegers bin.“
Mit dieser Frage möchte die Personalerin oder der Personaler sehen, wie gut Ihr Kind sich selbst einschätzen kann und ob diese Stärken zum Beruf passen.
Worauf Sie bei Ihrem Kind achten sollten:
- realistische Aussagen
- konkrete Beispiele
- Selbstbewusstsein ohne Übertreibung
Übung für zu Hause:
- Schreiben Sie gemeinsam drei Stärken auf.
- Danach kann Ihr Kind zu jeder dieser Stärken ein Beispiel aus Schule, Freizeit oder Praktikum nennen.
Worauf Ihr Kind bei der Antwort achten sollte:
- nicht nur Eigenschaften aufzählen
- jede Stärke begründen
- Bezug zum Beruf herstellen
- nicht angeben
Beispiel-Antwort:
„Ich bin zuverlässig, weil ich meine Aufgaben pünktlich erledige. Wenn ich für ein Vereinsprojekt Geld einsammeln muss, mache ich das sorgfältig und gewissenhaft.“
Mit dieser Frage prüft die Personalerin oder der Personaler, wie reflektiert Ihr Kind ist und wie es mit eigenen Schwächen umgeht.
Worauf Sie bei Ihrem Kind achten sollten:
- Offenheit
- Lernbereitschaft
- ruhiger Umgang mit dem Thema
- gesunde Selbsteinschätzung
- keine Ausreden
Übung für zu Hause:
- Überlegen Sie gemeinsam, was Ihrem Kind schwerfällt.
- Danach formulieren Sie zusammen einen Lösungssatz.
Worauf Ihr Kind bei der Antwort achten sollte:
- keine extrem negativen Aussagen
- konstruktiv bleiben
- zeigen, dass es sich verbessern will
Beispiel-Antwort:
„Manchmal bin ich noch unsicher beim Sprechen vor anderen, aber ich übe das bei Referaten.“
Diese Frage fasst alles zusammen: Auftreten, Stärken und Motivation.
Worauf Sie bei Ihrem Kind achten sollten:
- Selbstvertrauen
- klare Aussagen
- positive Ausstrahlung
- Teamfähigkeit
- Bezug zum Beruf
Übung für zu Hause:
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Wünsche. Stellen Sie konkrete Fragen wie „Was motiviert dich?“, „Welchen Wunsch hast du an das Team?“ oder „In welchem Bereich möchtest du dazulernen?“
- Formulieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind drei kurze Sätze.
Worauf Ihr Kind bei der Antwort achten sollte:
- selbstbewusst, aber nicht überheblich
- bei sich selbst bleiben, nicht mit anderen vergleichen
- freundlich bleiben
Beispiel-Antwort:
„Ich bin freundlich und sehr umgänglich. Ich lerne schnell und interessiere mich sehr für diesen Beruf. Ich möchte gerne im Team arbeiten und Neues lernen.“
Das komplette Bewerbungsgespräch durchspielen
Spielen Sie ein kurzes Vorstellungsgespräch mit allen Fragen durch. Im Anschluss können Sie konstruktives Feedback geben: Geben Sie ehrliches Lob für die Punkte, die Ihr Kind besonders gut gemeistert hat. Berichten Sie von Ihren eigenen Erfahrungen und schlagen Sie Verbesserungspunkte vor, die Ihrem Kind im Gespräch helfen können.
Tipp:Tipp: Ein Bewerbungsgespräch muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass Ihr Kind zeigt, dass es interessiert ist und bereit, Neues zu lernen. Je öfter Sie solche Gesprächssituationen mit Ihrem Kind üben, desto sicherer wird es – und desto selbstbewusster geht es in das echte Bewerbungsgespräch.
Downloads und Links
Ergänzende Downloads
- Öffnet in neuem TabEltern: Checkliste: für die Bewerbung Ihres Kindespdf | 217.18 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabArbeitsblatt: Gut vorbereitet zum Vorstellungsgesprächpdf | 414.76 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabArbeitsblatt (vertiefend): Optimal vorbereitet aufs Vorstellungsgesprächpdf | 164.94 KB | barrierefrei

