Die Berufsorientierung ist ein Prozess, der in der Regel einige Jahre dauert. Die ersten Schritte dazu machen junge Menschen bereits lange, bevor sie sich auf Stellen bewerben müssen. Sie als Eltern können Ihre Kinder bei vielen dieser Schritte tatkräftig unterstützen. Aber welche Angebote sollten wann genutzt werden?

Fahrplan für die Berufswahl: Wann können Eltern helfen?
Inhalte der Seite:
Mehr als 3 Jahre vor dem Schulabschluss
Im ersten Schritt der Berufsorientierung erkunden Schülerinnen und Schüler ihre Interessen und probieren bereits in kurzen Abständen Berufe aus. Es gibt viele Möglichkeiten, die Sie Ihrem Kind anbieten können, um Berufe kennenzulernen und direkt Praxiserfahrung zu sammeln:
Girls’Day und Boys’Day sind Angebote, bei denen junge Menschen Berufe abseits von Klischees kennenlernen können. Unterstützen Sie Ihr Kind bei der Auswahl eines passenden Angebots und bei der Anmeldung.
Podcast: Mit klischeefreiem Blick mehr Berufe entdecken
Hinweis: Dieser Podcast wurde aus den eingestellten Portalen abi.de bzw. planet-beruf.de in das neue meinBERUF-Portal übernommen.
Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)
planet-beruf.de Sprecher/in 1: Berufswahl begleiten - der Podcast von planet-beruf.de für Eltern und Erziehungsberechtigte
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Alles Wichtige zum Girls' und Boys'Day - kurz erklärt
Juliana Groß: Wir wissen, dass Geschlechterklischees einen großen Einfluss auf die Berufswahl junger Menschen haben. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Männer häufig in technischen Berufen zu finden sind und Frauen häufig Berufe in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales wählen.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Juliana Groß ist wissenschaftliche Fachreferentin des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.. Der Verein setzt sich bundesweit für die berufliche Chancengleichheit von Frauen und Männern ein. Zu den wichtigsten Projekten des Vereins zählt neben dem Girls' und Boys'Day auch die Initiative "Klischeefrei".
Wie Frau Groß eingangs sagt, haben Geschlechterklischees noch immer einen großen Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Ein Blick auf die eigenen Interessen und Stärken wäre sehr viel gewinnbringender. Unterstützen Sie als Eltern ihre Kinder dabei, ihren Blickwinkel zu ändern. Zum Beispiel, indem Sie Ihr Kind für den Girls' oder Boys'Day anmelden. Im Interview mit Juliana Groß erfahren Sie, worum es bei den beiden Aktionstagen geht.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Frau Groß, welche Aufgaben hat das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., kurz: Kompetenzz?
Juliana Groß: Kompetenzz ist ein Verein, der sich bundesweit in Gesellschaft, Wirtschaft und technologischer Entwicklung einsetzt. Das heißt, für Technik begeistern, Zukunftsthemen sichtbar machen, Netzwerke ausbauen und Vielfalt fördern. Und das Ziel des Vereins wird mit Projekten und Kampagnen in verschiedenen Themenfeldern, wie zum Beispiel Demografie, digitale Teilhabe, Frauen in MINT oder auch Berufs- und Lebensplanung, umgesetzt.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: In welchem Zusammenhang steht dabei der Girls' und Boys'Day?
Juliana Groß: Im Themenfeld "Berufs- und Lebensplanung" sind die bundesweiten Koordinierungsstellen für den Girls'Day und den Boys'Day sowie auch die Initiative "Klischeefrei" angesiedelt. Ziel dieser Projekte ist, junge Menschen zu ermutigen, einen Beruf zu wählen, der zu ihren individuellen Stärken und Interessen passt. Also ganz unabhängig von einengenden Geschlechterklischees.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Spielen diese Klischees eine große Rolle?
Juliana Groß: Wir wissen, dass Geschlechterklischees einen großen Einfluss auf die Berufswahl junger Menschen haben. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass Männer häufig in handwerklich-technischen Berufen zu finden sind und Frauen häufig Berufe in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales wählen. Am Girls'Day und Boys'Day haben Schülerinnen und Schüler deshalb die Möglichkeit, sich auszuprobieren und einen Beruf kennenzulernen, in dem das eigene Geschlecht noch unterrepräsentiert ist.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, sich unabhängig vom Geschlecht und frei von Klischees für einen Beruf zu entscheiden?
Juliana Groß: Eltern und Erziehungsberechtigte können ihre Kinder auf jeden Fall dazu ermutigen, Neues auszuprobieren. Sie können auch unterstützen, indem sie zum Beispiel die Teilnahme am Girls'Day oder Boys'Day ermöglichen und bei der Suche nach Angeboten auf dem Girls'Day Radar oder Boys'Day Radar auf den jeweiligen Webseiten helfen.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Welchen Gewinn bringt die Teilnahme am Girls' und Boys'Day aus Ihrer Sicht?
Juliana Groß: Der Girls'Day und der Boys'Day schaffen Erfahrungsräume und haben das Potenzial, die Selbstwirksamkeit zu stärken und das Berufswahlspektrum zu erweitern. Die Schülerinnen und Schüler haben viel Freude an dem Tag, lernen interessante Tätigkeiten kennen und viele von ihnen können sich sogar vorstellen, später einmal in dem Beruf, den sie kennengelernt haben, auch zu arbeiten. Aber auch für Unternehmen und Institutionen sind die Aktionstage ein Türöffner, um für Berufe zu begeistern. Gerade in Berufen, die einseitig stark von Männern oder Frauen besetzt sind, ist der Fachkräftemangel besonders hoch. Zum Beispiel in der Pflege oder im Handwerk.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Wo finden Eltern online Beispiele von jungen Menschen, die durch die Aktionstage zu einem Beruf gefunden haben?
Juliana Groß: Wir haben viele gute Beispiele auf den Webseiten des Girls'Day und Boys'Day. Das heißt, Erfahrungsberichte von Vorbildern, die über den Girls'Day und den Boys'Day zu ihrem Traumberuf gekommen sind. Hier können auch Eltern ganz prima mit ihren Kindern gemeinsam recherchieren.
planet-beruf.de Sprecher/in 2: Noch mehr nützliche Tipps, wie Sie Ihr Kind in einer klischeefreien Berufswahl unterstützen können, erhalten Sie auf www.klischee-frei.de.
Messen und Aktionstage in Unternehmen bieten gute Möglichkeiten, um sich über verschiedene Berufsbilder gleichzeitig zu informieren. In der Veranstaltungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit finden Sie aktuelle Veranstaltungen, die für Sie und Ihr Kind interessant sein können.
In einem Schnupperpraktikum können junge Menschen Berufe ausprobieren und so herausfinden, wie diese in der Praxis ablaufen. Dabei haben sie die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten besser kennenzulernen.
Sie können in dieser Phase beginnen, mit Ihrem Kind über dessen Stärken und Interessen zu sprechen und es ermutigen, erste Orientierungstests durchzuführen. Sprechen Sie über Ihre eigene Berufswahl, wo Ihre Unsicherheiten lagen und wie Sie sich am Ende entschieden haben, in welche Richtung es gehen soll. Wann Kinder die ersten Ideen für ihre zukünftige Berufswahl haben, variiert von Person zu Person. Unterstützen Sie Ihr Kind mit Ideen auch schon in jungen Jahren, wenn es beginnt, sich für Berufe zu interessieren.
3 Jahre vor dem Schulabschluss
Ab dem dritten Jahr vor dem Schulabschluss wird die Notwendigkeit zur Berufsorientierung größer und Sie können Ihr Kind intensiv unterstützen. Auch zu diesem Zeitpunkt kann Ihr Kind am Girls’Day und Boys’Day teilnehmen, sowie Messen, Aktionstage oder anderweitige Infoveranstaltungen besuchen. Statt eines Schnupperpraktikums steht in diesem Schuljahr meist auch ein Betriebspraktikum an. Infos zu Praktika finden Sie auf der Seite „Praktikum: Alles, was du wissen musst“. Sie können Ihr Kind dabei unterstützen, indem Sie ihm oder ihr helfen, nach Stellen zu suchen, zum Beispiel:
- im Internet
- in Inseraten
- über Kontakte
- über die Berufsberatung an der Schule Ihres Kindes
Alternativ können Sie mit Ihrem Kind nach Unternehmen suchen, um sich dort initiativ zu bewerben. Einen Termin mit der Berufsberatung an der Schule Ihres Kindes können Sie auch zusammen mit Ihrem Kind wahrnehmen und dabei fragen, wie Sie weiter unterstützen können.
In den Sommerferien gibt es außerdem Angebote wie Schnuppertage an Universitäten, MINT-Camps oder Summerschools, bei denen junge Menschen ihre Interessen erkunden und ausbauen können.
Vorletztes Schuljahr
Im vorletzten Schuljahr ist es sinnvoll, dass Ihr Kind einen Wunschberuf anstrebt und sich mindestens für ein Berufsfeld entscheidet. Sie können mit ihm oder ihr über die Erfahrungen aus Praktika, Aktionstagen und Messen sprechen und gemeinsam reflektieren, welche Stellen am interessantesten waren.
Berufsorientierungstests wie Check-U, der Berufswahltest (BWT) oder der Studienfeldbezogene Beratungstest (SFBT) können bei der Entscheidung hilfreich sein. Um an einem Studienfeldbezogenen Beratungstest teilzunehmen, wenden Sie sich an die Berufsberatung. Durch diese erfolgt die Anmeldung beim Berufspsychologischen Service und Ihr Kind erhält anschließend die Einladung zum Test per Post.
Sobald eine Richtung feststeht, können Sie Ihr Kind bei der Recherche nach Ausbildungsstellen und Unternehmen oder bei der Suche nach einer passenden Hochschule unterstützen.
Danach ist es an der Zeit, Bewerbungen zu schreiben. Für einige Studiengänge und Ausbildungen kann man sich bereits 1,5 Jahre vor dem Schulabschluss bewerben. Informieren Sie sich bei den Ausbildungsbetrieben und über die Studiensuche, bei welchen dies der Fall ist. Sie können Ihr Kind unterstützen, sollten aber nicht das Schreiben der Bewerbung übernehmen. Am besten helfen Sie, indem Sie die Bewerbung gegenlesen und Tipps zu Formulierungen geben.
Tipp:Tipp: Ein Termin bei der Berufsberatung hilft bei der beruflichen Orientierung. Die Berufsberatung kann auch Fragen zu finanzieller Unterstützung während der Ausbildung oder des Studiums beantworten.
Termin vereinbaren
Letztes Schuljahr
Im letzten Schuljahr vor dem Abschluss beginnt die wichtigste Phase. Bewerbungen sollten spätestens im ersten Halbjahr versendet werden. In manchen Fällen läuft der Bewerbungszeitraum länger oder fängt erst später an. Zum Beispiel Banken, Versicherungen, große Betriebe und der öffentliche Dienst haben ihre Bewerbungsverfahren zu Beginn des letzten Schuljahres meistens bereits abgeschlossen. Es ist wichtig, dass Ihr Kind Anmelde- und Bewerbungsfristen einhält, darum informieren Sie sich rechtzeitig, welche Fristen es gibt. Wenn es an Bewerbungsgespräche geht, können Sie Ihr Kind unterstützen, indem Sie mit Rollenspielen helfen, um für die Gespräche zu üben.
Falls Ihr Kind nicht direkt nach der Schule eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium aufnehmen kann oder will, kann es stattdessen eine kurze oder längere Übergangszeit im In- oder Ausland einlegen. Sie können bei der Suche und Auswahl von Angeboten helfen. Weitere Informationen dazu finden Sie in der Rubrik Übergangszeit.
Downloads und Links
Ergänzende Downloads
- Öffnet in neuem Tababi Heft für Elternpdf | 4.66 MB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabEltern: Checkliste: Berufsorientierungpdf | 529.90 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabEltern: Checkliste: Berufsberatungpdf | 438.87 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabEltern: Checkliste: Studium, Ausbildung – oder beides?pdf | 836.31 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabEltern: Checkliste: Ausbildung oder weiterführende Schule?pdf | 233.12 KB | barrierefrei
- Öffnet in neuem TabErfolgreiche Berufswahl. So unterstützen Sie Ihr Kindpdf | 6.15 MB | barrierefrei

