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In diesem Video erfährst du alles rund ums Studium in Deutschland. Du bekommst Einblicke in die verschiedenen Studienformen, die Voraussetzungen und wie du einen passenden Studienplatz findest.

Anna, Max und Johannes erzählen von ihrem Orientierungsstudium an der TH Nürnberg. Dabei können die 3 verschiedene Studiengänge ausprobieren. Danach können sie entscheiden, ob ein Studium das Richtige für sie ist und welche Fachrichtung am besten zu ihnen passt.

In diesem Video lernst du, mit welchen Kosten du während eines Studiums rechnen kannst und welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt.

In diesem Video erfährst du, welche Anlaufstellen es gibt, wenn du über einen Studienwechsel oder -abbruch nachdenkst. Je nach Situation stehen dir verschiedene Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Möchtest du mehr über das Masterstudium erfahren? In diesem Video erzählen dir Studierende, warum sie sich für den Master entschieden haben.

Erfahre hier, was vier junge Menschen bei ihrer Hochschulwahl motiviert hat.

Schau dir an, welche Beratungsangebote es für Studierende an Hochschulen gibt. Das Studierendenwerk Erlangen-Nürnberg gibt dir einen Einblick in die Beratungsarten und das Vorgehen.

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In diesem Podcast sprechen Nina und Veronika Riedl, Referentin von hochschule dual, über das duale Studium, welche Vorteile und Herausforderungen es bietet und wie man den Einstieg erfolgreich meistert.

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Jingle: abi», dein Podcast für die Berufsorientierung,

abi»: Theorie und Praxis, Studium und Berufserfahrung, das Beste aus zwei Welten in einem Paket – klingt gut, dann bleib dran, denn unser Thema heute ist das duale Studium. Egal, ob du einen technischen, wirtschaftlichen oder sozialen Beruf im Blick hast, das duale Studium bietet dir ein gutes Gleichgewicht aus Lernen und Arbeiten. Ich bin Nina und spreche heute mit Veronika Riedl, Referentin von hochschule dual im bayerischen Zentrum für innovative Lehre, über das duale Studium, darüber, was es ausmacht, welche Vorteile und Herausforderungen es bietet und wie man den Einstieg erfolgreich meistert. Hallo, Frau Riedl, schön, dass Sie da sind. Wir wollen uns ja heute über das duale Studium unterhalten und können Sie vielleicht zunächst mal erklären, was genau ein duales Studium ist und wie es abläuft.

Veronika Riedl: Ja, also auch herzlichen Dank für die Einladung heute. Also, das duale Studium bedeutet, dass man studiert und gleichzeitig auch bei einem Unternehmen Praxiszeiten hat, wie diese Praxiszeiten sich gestalten oder wie, sagen wir mal, wie der Ablauf ist, wie viele Tage man an der Hochschule ist und wie viele Tage man die Praxis hat beim Unternehmen, das ist relativ unterschiedlich, und das kann unterschiedlich auch gestaltet werden. Bei uns ist es überwiegend an den bayerischen Hochschulen so, dass man da immer die Vorlesungszeit an der Hochschule ist, also da wirklich regulär mit allen anderen Studierenden studiert und dann in den Semesterferien, also in den vorlesungsfreien Zeiten, beim Unternehmen ist und dort seine Praxisphase hat.

Es gibt auch die Modelle, dass man das in drei Monatszyklen abwechselt, drei Monate da, drei Monate da, das gibt es auch; es gibt auch tagesweise Wechsel oder genau in der Woche. So läuft es eigentlich ab, und der große Mehrwert, der Inhalt ist beim dualen Studium, dass man eben Studium und Praxis miteinander verbindet, und zwar auch so, dass man natürlich die Zeiten verbindet, dass man auch vertragliche Regelungen hat miteinander, wie die Hochschule und das Unternehmen zusammenarbeitet, und auch, wie man es inhaltlich gut verzahnt, dass das, was man an der Hochschule lernt, auch reflektierenderweise oder einfach gucken kann, wie man das umsetzt im Unternehmen, und das, was man im Unternehmen lernt, wie kann man das wiederum in die Hochschule tragen. Also dieser Theorie-Praxis-Transfer, diese Reflexion zwischen diesen beiden Lernorten, das ist, so glaube ich, der Kern des dualen Studiums.

Genau also, es gibt das praxisintegrierende und das ausbildungsintegrierende. Das ausbildungsintegrierende hat es ja schon im Namen, da ist eine Berufsausbildung mit integriert, das heißt, man studiert im Bachelor, man macht nebenbei oder integriert eben auch eine duale Berufsausbildung, wo man auch die Prüfung dann bei den entsprechenden Berufskammern ablegt, und hat am Ende zwei Abschlüsse – also einmal einen Studienabschluss, den Bachelor, und einmal den von der Berufsausbildung. Dann gibt es noch das praxisintegrierende Studium, und das ist inhaltlich eigentlich gleich aufgesetzt. Also, man hat auch Praxis, und man hat Studium. Die Praxiszeiten sind jetzt nicht auf eine Berufsausbildung ausgelegt.

abi»: Das duale Studium birgt viele Vorteile, aber sicherlich auch die eine oder andere Herausforderung, gerade vielleicht auch zum klassischen Hochschulstudium. Können Sie uns dazu noch was erläutern?

Veronika Riedl: Ja, gerne. Also Vorteile gibt es natürlich auch viele, also gerade im dualen Studium. Ich würde mal sagen, der größte Vorteil, der manchmal auch wirklich vergessen wird, ist, dass man einfach dadurch, dass man einen Praxispartner hat und auch die Praxis erlebt und auch lernt, für was man lernt, also man setzt es gleich um, gibt es einen wahnsinnigen Motivationsschub. Man lernt viel leichter, das ist dieses Learning by Doing. Durch die Praxis lernt sich einfach viel leichter, und man weiß auch, für was man lernt, und bekommt einfach auch schon mit, wie es denn läuft im Unternehmen. Und das ist einfach diese Kompetenzentwicklung, die man einfach da hat durchs duales Studium; die ist immens und unterscheidet sich einfach stark als wenn man nur immer dieses Wissen aufbaut. Es ist einfach so, dass man natürlich auch in die Praxis geht. Also, das ist ein großer, großer Vorteil.

Und dann gibt es natürlich auch noch so Vorteile wie, dass man finanzielle Sicherheit hat, also man bekommt jeden Monat Vergütung, egal ob man an der Hochschule ist oder direkt im Betrieb ist. Ein großer Vorteil, gibt einem Sicherheit. Man hat natürlich unglaublich gute Karrierechancen, weil man einfach die Arbeitswelt schon kennt, weil man auch ganz anders studiert. Also, man weiß einfach, wenn man da wählt, welchen Schwerpunkt man möchte, dann kennt man die Arbeitswelt schon und weiß, ah, da will ich hin, den Schwerpunkt nehme ich, da bin ich gut drin. Man kann ganz anders agieren als Studierender und hat natürlich auch schon innerhalb seine Netzwerke, bekommt Unterstützung vom Betrieb. Und das ist einfach alles, was sehr stark auch die Motivation fördert und die Freude am Studium.

Natürlich ist der Nachteil, dass eine sehr hohe Belastung da ist durchs duale Studium. Natürlich ist es auch so, dass man gebundener ist. Man sagt, man geht mit einem Praxispartner dreieinhalb Jahre lang oder viereinhalb Jahre gemeinsam den Weg. Im besten Fall gibt's noch die Übernahme, und dann bleibt man länger miteinander zusammen. Also, man kann nicht jede Semesterferien woanders ein Praktikum machen, sondern ist natürlich immer bei einem. Das kann man natürlich auch als Nachteil sehen. Und natürlich ist man dann, wenn man in den vorlesungsfreien Zeiten beim Unternehmen ist, um dort seine Praxisphasen zu machen, kann man natürlich nicht dann die Semesterferien hat man dann einfach nur, sind auf die Urlaubstage beschränkt und sind dann nicht, keine Ahnung, die drei Monate voll, sondern man hat halt dann die Urlaubstage von zwei, drei Wochen, die man dann da nur nehmen kann. Also ich denke, das sind die zwei Sachen, die man so ein bisschen, diese Vor- und Nachteile, die man miteinander ein bisschen abwägen muss.

abi»: Und können Sie noch was zum Bewerbungsprozess sagen? Was gibt's da zu beachten?

Veronika Riedl: Ja, der Bewerbungsprozess. Es ist natürlich wichtig, dass man frühzeitig beginnt. Die Unternehmen suchen wirklich ein Jahr vorher, also das ist wirklich auch so wie bei der dualen Berufsausbildung. Man sollte gut ein Jahr vorher starten und sich halt Überlegungen machen. Dann gilt es natürlich, sich zu überlegen, welchen Studiengang, welche Hochschule einem gefällt und auch, in welches Unternehmen man gern gehen möchte. Das gilt es einfach, auch zu überlegen und auszusuchen und auch, welches Modell man möchte, ob man lieber das ausbildungsintegrierte Studium machen möchte, also das Verbundstudium, so nennen wir es in Bayern, oder eben das praxisintegrierte Studium, das ist das Studium mit vertiefter Praxis, nennen wir's, das muss man halt vorher, das sind diese Überlegungen, die vorher zu treffen sind.

Und wenn man die Entscheidung dann getroffen hat, dann gilt es, sich einmal bei der Hochschule zu bewerben, also für den Studiengang und auch dort mitzuteilen, dass es dual stattfinden soll, und dann auf der anderen Seite sich ein Unternehmen auch zu suchen, mit dem man das duale Studium gemeinsam machen kann – das ist sozusagen ein paralleler Weg.

abi»: Aber ist es nicht oft auch so, dass man sich erst das Unternehmen sucht und sich dann da direkt bewirbt und dann dieses Auswahlverfahren und so weiter durchläuft und man sich dann einfach nur noch in der Hochschule einschreiben muss?

Veronika Riedl: Sowohl als auch, also das ist der Weg. Es ist schon ein paralleler Weg, aber natürlich liegt man den Fokus. Wenn ich jetzt zum Beispiel sage, ich möchte unbedingt an die Hochschule München und den und den Studiengang, und ich möchte in München bleiben, dann bewerbe ich mich an der Hochschule und suche mir ein Unternehmen, das in München mit mir das duale Studium macht. Also dann ist es schon der Fokus auf der Hochschule und auf den Ort. Und wenn ich ziemlich frei bin, weil ich sage, ich möchte bei einem sehr großen Unternehmen sein, hab da so einen Favoriten, dann kann man sich beim Unternehmen bewerben, und dann sagen die meistens, wir kooperieren mit der Hochschule xy und dass man sich dort eben einschreiben muss.

abi»: Also, ich habe jetzt herausgehört, wichtig ist auf jeden Fall, sich frühzeitig zu bewerben. Und was würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus jetzt Abiturientinnen, Abiturienten noch raten, die ein duales Studium in Erwägung ziehen?

Veronika Riedl: Ich würde ihnen auf jeden Fall raten, wenn sie im Freundeskreis jemanden haben, der dual studiert, einfach mit dem auch ins Gespräch zu gehen und sich da zu informieren. Und wirklich, wirklich würde ich ihnen empfehlen, sich die Hochschulen anzugucken.

abi»: Und Sie haben es vorhin anklingen lassen: Das duale Studium ist nicht für jede oder jeden was. Also ist auch so eine realistische Selbsteinschätzung wichtig, dass man die eigene Belastbarkeit hinterfragt und natürlich immer praktische Erfahrungen sammelt. Das hilft auch weiter.

Veronika Riedl: Genau, man sollte es mit der Praxis sehr mögen. Man sollte sich nicht so schwer tun mit dem Lernen. Man sollte auch zielorientiert sein, genau, und auch diese Neugierde und sollte einfach auch dieses auf Praxis-Lust-Haben, das ist einfach darauf bezogen, dass man natürlich einen Preis bezahlt, und der ist, dass man natürlich in den Semesterferien im Unternehmen ist.

abi»: Wie können sich Interessierte informieren?

Veronika Riedl: Man muss jetzt zum einen ja die Hochschule finden und zum anderen den Praxispartner, und das Herzstück jetzt von Hochschul Dual ist natürlich unsere Datenbank. Also da kann man sich sehr gut informieren in unserem Studienplatzportal, unter www.hochschule-dual.de. Da findet man alle Hochschulen, und dann findet man auch Praxispartner; und darüber hinaus kann man natürlich auf anderen Webseiten ganz gut gucken. Studysmarter gibt's ja auch. Also, da gibt es verschiedene Webseiten, wo man schauen kann. Man kann auch direkt auf die Webseiten der Hochschulen, kann auch direkt dort an den Hochschulen anrufen und sich beraten lassen.

abi»: Herzlichen Dank, Frau Riedl, für Ihre Zeit und die informativen Ausführungen. Das war's für heute mit unserer Folge zum Thema duales Studium. Ich hoffe, du hast viele interessante Einblicke gewonnen und vielleicht sogar eine neue Perspektive auf deine berufliche Zukunft. Wenn du dich für ein duales Studium interessierst, findest du weitere Beiträge zum Thema auf abi.de > Orientieren und ganz besonders im Topthema „Studium oder Ausbildung – oder beides?". Weitere Podcasts findest du auf abi.de > Interaktives > Podcasts. Das war dein abi» Podcast. Redaktion und Produktion: Dr. Nina Röder für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit.

In diesem Podcast unterhalten sich Corinna und Dr. Michael Lindner, Coach und Dozent an der TH Köln, über gutes Zeitmanagement im Studium sowie Möglichkeiten, wie man die Zeit besonders sinnvoll nutzen kann.

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Jingle: abi» – dein Podcast für die Berufsorientierung

abi»: Nur mal schnell auf TikTok, und schon sind die Minuten und Stunden dahingeflogen, während die lange Aufgabenliste immer noch wartet. Dir kommt das bekannt vor? Dann bist du jetzt genau richtig bei dieser Folge des abi» Podcasts, in der ich, Corinna, mich mit Dr. Michael Lindner über gutes Zeitmanagement im Studium unterhalte. Herr Dr. Lindner ist aktuell Coach und Dozent an der TH Köln und in der Vergangenheit auch schon an weiteren Hochschulen in Nordrhein-Westfalen gewesen. Er bietet regelmäßig Seminare für Studierende zum Thema Zeit- und Selbstmanagement an. Ihr dürft euch auf Tipps und Hintergründe zu diesem Thema freuen, und ich sage herzlich willkommen, Herr Dr. Lindner! Schön, dass Sie heute dabei sind!

Dr. Michael Lindner: Ja, danke auch von meiner Seite.

abi»: Das große Thema Zeitmanagement im Studium: Was ist das eigentlich, und wozu brauche ich als Studentin oder Student ein gutes Zeitmanagement?

Dr. Michael Lindner: Zeitmanagement heißt ganz einfach gesprochen, dass ich bewusst mit meiner Zeit umgehe, dass ich also in der Lage bin, meine Zeit zu strukturieren, und dass ich auch dann natürlich Zeit finde für das, was wirklich wichtig ist. Warum brauche ich das als Student oder als Studentin? Das ist für viele, die jetzt am Anfang des Studiums stehen, erst mal noch nicht so ganz klar. Ich erlebe das immer selbst. Ich arbeite als Dozent an Hochschulen. Ich erlebe das mit Erstsemestern, Zweitsemestern. Da ist für viele das Studium so ein kleiner Schock. Es wird plötzlich sehr viel mehr, es wird anspruchsvoller, man muss die Zeit selbst strukturieren, man ist nicht mehr so in einem Korsett wie in der Schule, und das ist eine große Umstellung. Deswegen ist Zeitmanagement wichtig, dass ich in der Lage bin, mein Studium auch auf eine effiziente Art und Weise zu absolvieren, dass ich in der Lage bin, mein Studium auch voranzubringen, und nicht das Gefühl habe, dass ich allen Sachen hinterherlaufen muss.

abi»: Okay, und jetzt, wenn Sie sagen, es ist gerade zu Beginn des Studiums erst mal relativ schwierig, mit all diesen neuen Dingen zurechtzukommen, und vielleicht auch mit den Eindrücken, die man da hat, und dem Workload, wie viel Planung und vor allem, welche Form der Planung ist denn sinnvoll im Studium und dann auch darüber hinaus?

Dr. Michael Lindner: Es gibt für mich sozusagen zwei große Themen beim Zeitmanagement. Wir haben das Thema Planung, und wir haben das ganze Thema Motivation/Psychologie. Die hängen ein bisschen miteinander zusammen. Aber es sind zwei verschiedene Töpfe, wenn man so will. Beim Thema Planung... Wir werden noch zur Prokrastination kommen. Das hat ja viel mit Motivation zu tun.

Aber jetzt erst mal zum Thema Planung, was auf jeden Fall sinnvoll ist, ist sowas wie ein einfaches Zeitmanagement im Sinne von Timeboxing, dass ich mir also im Studium so einen Stundenplan mache, dass ich nicht nur im Blick habe, was muss ich denn an Vorlesungen machen, sondern zum Beispiel mir auch bestimmte Lernzeiten plane. Diese Planung kann sehr unterschiedlich aussehen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Menschen das sehr unterschiedlich ausfüllen, und das ist auch vollkommen okay. Es gibt Leute, die sehr detailliert planen und für die das total super ist, und es gibt andere, die eher eine gröbere Planung bevorzugen, und beides kann funktionieren.

Also, wie viel Planung ist notwendig im Studium, um darauf zu antworten, ich würde immer vorschlagen, dass es sinnvoll ist, gerade Fächer, die ein bisschen schwieriger sind oder wo ich mich als Student so ein bisschen schwer tue, die frühzeitig auch planerisch zu erfassen, in dem Sinne, dass ich mir zum Beispiel dann Zeiten nehme, wann ich diese Fächer wiederhole, wann ich mich vorbereite, dass ich gerade diese Fächer dann im Blick halte.

Also Timeboxing ist für mich eine der der Techniken. Eine andere Technik, die ich auch sehr schätze, die im Studium auch sehr wichtig ist, sind so einfache Fokussierungstechniken. Pomodoro ist eine Technik, die sehr häufig eingesetzt wird, die ich auch immer wieder empfehle. Pomodoro bedeutet arbeiten in kleinen Zeitabschnitten, 25 Minuten fokussiertes Arbeiten, fünf Minuten Pause, wieder 25 Minuten arbeiten und fünf Minuten Pause. Dieses kleinschrittige Vorgehen hat den Vorteil, dass man die Hürde für den Einstieg herabsetzt. Ich muss jetzt nicht sagen „Oh Gott, jetzt muss ich zwei Stunden lernen“, sondern sind es erst mal nur 25, und da setze ich mich dran, und dann geht das weiter.

abi»: Da sind Sie jetzt auch gleich schon auf Methoden eingegangen, die man gerade als Studentin, als Student anwenden könnte und was ich nochmal mitgenommen habe für das Thema Planung, was ich jetzt sehr, sehr wichtig finde: Es ist einfach sehr individuell, und man sollte sich vielleicht auch von der Planung gar nicht so sehr stressen lassen, weil man sich die Dinge anschauen muss, für die man selbst eben die Planung braucht.

Dr. Michael Lindner: Also ich empfehle immer eine Minimalplanung, für viele Studierende ist es einfach schon so ein kleiner Aha-Effekt. Die haben hier einen Kalender, da einen Kalender, und da sind die Geburtstage drin, und da sind meine Arzttermine drin, und was weiß ich, und ich empfehle einfach, diese Kalender mal zusammenzufügen. Also das kann ich in Form eines klassischen analogen Buchkalenders machen, oder ich arbeite digital mit dem Apple-Kalender, mit dem Google-Kalender oder was auch immer.

abi»: Jetzt haben wir über Möglichkeiten gesprochen, die Zeit besonders sinnvoll zu nutzen. Was halten Sie denn für den Zeitfresser, und wie kann ich das als Studentin oder Student vielleicht vermeiden, diesen Zeitfresser in meinem Leben zu haben?

Dr. Michael Lindner: Das ist keine große Überraschung. Der größte Zeitfresser ist Social Media und Internet. Da sind so diese kleinen Unterbrechungen, die sich einschleichen. Computer spielen kommt dann auf den zweiten Platz. Das sind so die typischen Zeitfresser. Das hat sehr viel mit Aufschiebeverhalten zu tun, also Social Media, online shoppen oder was auch immer, diese kleinen Ablenkungen sind Zeitfüller, wenn ich eigentlich was anderes machen sollte, und dann lande ich dann doch irgendwo auf meiner Lieblingsseite, anstatt mich dann mit dem Stoff zu beschäftigen. Und das hat sehr viel mit Prokrastination zu tun.

Was hilft dagegen? Was hilft gegen diese Zeitfresser? Ein planerisches Vorgehen kann helfen. Das ist das eine, was ich schon gesagt habe. Was ich auch auf jeden Fall empfehle ist sowas wie Pomodoro, diese Arbeitszeiten ganz bewusst mal klein zu setzen, so in kleinen Sequenzen zu arbeiten. Es gibt noch eine dritte Technik: Gewohnheiten aufbauen, also Lerngewohnheiten aufbauen, das heißt, dass ich zum Beispiel mir angewöhne, zu ein und derselben Zeit auch aufzustehen unter der Woche. Wir brauchen es nicht übertreiben: Unter der Woche zur selben Zeit aufzustehen und vielleicht zur selben Zeit auch lernen. Dass ich bestimmte kleine Rituale einsetze, um das Lernen zu starten. Ich lerne immer in der Bibliothek oder ich habe ein bestimmtes Setting, wo ich lerne, oder dass ich zum Beispiel mir so kleine Lerngewohnheiten mache.

Was ganz hilfreich sein kann, ist, dass ich sage, ich lerne jeden Tag 15 Minuten an einem Thema und ich mache konkret: „Das muss ich dann ausfüllen“, „Ich fasse Folien zusammen“, „Ich löse eine Aufgabe“ und so weiter und baue damit eine Gewohnheit auf, und das ist eine Lerngewohnheit, und das hilft vielen Studierenden sehr, dann dieses Aufschieben und diese Zeitfresser zu unterbinden.

abi»: Ja, das klingt doch schon mal nach einem ganz guten Tipp, und ich glaube, es ist auch nochmal wichtig zu sagen an der Stelle, dass diese Zeitfresser nicht nur Studierende betreffen, sondern natürlich auch alle anderen. Also wir sind da auch nicht vor gefeit. Deswegen kann ich da jetzt auch was mitnehmen, und vielleicht auch der eine oder andere Hörer, die Hörerin.

Sie haben schon einige Male jetzt das Wort prokrastinieren erwähnt, und ich würde jetzt gerne in aller Kürze - Sie haben es auch schon angerissen – aber ich würde gerne in aller Kürze wissen, warum prokrastinieren Menschen, und was hilft ganz konkret dagegen?

Dr. Michael Lindner: Also prokrastinieren, also das Aufschieben, „pro cras“, also „für morgen“, das Aufschieben von Aufgaben auf morgen, und morgen wird es dann wieder auf morgen verschoben. Also das chronische oder gewohnheitsmäßige Aufschieben, das ist das, was mit prokrastinieren gemeint ist.

Woran liegt's? Es gibt ganz interessante psychologische Forschung dazu. Also das Thema ist ganz gut verstanden, und es lässt sich ganz grob so zusammenfassen: Prokrastinieren ist häufig eine Reaktion auf Unlust und Frustrationsgefühle: Ich bin mit einem Thema beschäftigt, was mir keine Lust macht, weil es vielleicht irgendwie besonders langweilig ist oder wo ich andere Arten von Frustrationsgefühlen habe. Also, es ist ein Thema, wo ich weiß, dass ich in der Prüfung nicht besonders glänzen werde. Das ist sind so Klassiker, dass ich diese Unlustgefühle, wenn ich mich dann damit beschäftigen soll oder möchte, versuche zu vermeiden, indem ich etwas anderes tue. Und das kann alles Mögliche sein.

Ja, früher, ich habe mit meiner Mutter gesprochen, die hat mal gesagt, ich habe früher vor der Prüfung war meine Studentenbude war immer total geputzt. Der Klassiker, es ist Aufschiebeverhalten. Ich mache was, was mir so einen kleinen Push gibt. Die Wohnung ist sauber, ich fühle mich besser, und heute haben wir natürlich alle Möglichkeiten, uns abzulenken. Die sind einen Klick einfach entfernt, und diese Ablenkung, Prokrastination hängt dann eben auch mit bestimmten Gewohnheiten auch zusammen. Ich mache dann halt etwas anderes. Ich fange an zu surfen, Computerspielen, Social Media oder whatever. Also das ist so der psychologische Hintergrund.

Das Ganze kann auch noch mal chronisch gehen. Also, das kann auch chronisch sein. Das kann sich psychologisch in einer Art sich ausprägen, wenn es Richtung Depression geht, dass da auch Prokastinationsverhalten mit verbunden ist. Aber es gibt auch die, sagen wir mal, nicht klinische Form. Das ist diese Reaktion auf Unlusterfahrung.

abi»: Das steckt dahinter, und Sie haben jetzt Techniken natürlich schon genannt, aber gibt es da auch eine Abhilfe?

Dr. Michael Lindner: Also, was ich jetzt aus meinen Kursen kenne, das sind sehr simple Lerngewohnheiten, die da sehr gut helfen, dass ich zum Beispiel in dem schwierigen Fach, in dem ich bin, wirklich was ganz Kleines mache. Ich hatte mal eine Studierende, die hatte eine sehr umfangreiche Prüfung, wo sie Wissen reproduzieren musste. Klassischer Prokrastinationsfall. Es macht einfach keinen Spaß, sie musste viel Wissen reproduzieren. Es ging nicht darum, das zu verstehen, und die Abhilfe, die wir gefunden haben, war, wir haben eine Gewohnheit aufgebaut, nämlich, dass sie pro Tag zwei Seiten in dem großen, umfangreichen Lehrbuch liest einfach. Diese Gewohnheit erst mal etablieren, also wirklich jeden Tag zu machen. Okay, und die Beobachtung ist, dass es dann häufig mehr wird. Aber der der Witz dabei ist, wenn ich so eine Gewohnheit aufbaue, kann ich dieses Unlustgefühl überwinden dadurch, dass ich plötzlich so kleine Erfolgserlebnisse habe. Ich lese, mehr als ich mir vorgenommen habe. Ich verstehe plötzlich etwas. Diese positiven Gefühle, die ich dann habe, diese kleinen Erfolgserlebnisse, die können einen dann dazu führen, das Prokrastinationsverhalten zu überwinden.

Gewohnheitsaufbau ist eines, das Thema Pomodoro, ich komme wieder zurück, ist für mich so eine Erste-Hilfe-Kit gegen Prokrastination. Ich setze das auch manchmal ein, ganz gerne. Auch das würde ich einfach mal so empfehlen, das mal probieren, mit Gewohnheiten arbeiten, und das wären so meine beiden Tipps gegen Prokrastination.

abi»: Ja, dann vielen Dank, dass Sie einen Teil dieses großen Wissens rund ums Zeitmanagement mit uns und den Hörerinnen und Hörern geteilt haben. Ich bedanke mich für ihre Zeit.

Dr. Michael Lindner: Danke auch.

abi»: Weitere Tipps, die dir dein Studium erleichtern, beispielsweise Checklisten zu Lernmethoden oder einem optimalen Studienstart, findest du auf abi.de, insbesondere in der Rubrik „Ausbildungs- und Studienstart“. Weitere Podcasts findest du auf abi.de „Interaktiv > Podcasts“. Das war dein abi» Podcast. Redaktion und Produktion, Corinna Grümpel für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit.

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Jingle: abi» - dein Podcast für die Berufsorientierung.

abi»: Was erwartet dich, wenn du ein Studium beginnst? In dieser Folge des abi» Podcasts spreche ich mit Ricardo über seine ersten Tage an der Hochschule. Er studiert Lateinamerikanische Betriebswirtschaftslehre mit Doppelabschluss an der Münster School of Business der FH Münster und befindet sich im zweiten Semester. Sein Studienstart ist also noch gar nicht so lange her und war ein, wie er es nennt, großer Schritt. Über seine ersten Eindrücke an der Hochschule, was er unterschätzt hat und was ihm zum Studienstart leichtgefallen ist und warum er alles für grundsätzlich machbar hält, erzählt er in dieser abi» Podcast-Folge. Lieber Ricardo, herzlich willkommen, schön, dich heute begrüßen zu dürfen!

Ricardo: Danke!

abi»: Wie hast du denn deine ersten Tage an der Hochschule noch in Erinnerung?

Ricardo: Natürlich waren die ersten Tage sehr, sehr aufregend. Bei mir war es ja auch verbunden mit einem Umzug, also ich komme ja ursprünglich aus der Gegend von München. Und dann natürlich die ersten Tage an der Hochschule, wo man natürlich erst mal das Gebäude kennenlernt, die ganzen Lehrkräfte und die Leute, die involviert sind, und so weiter. Dann auch die Kommilitonen, natürlich, das war auch sehr interessant. Und da kennt man natürlich keine Leute, und da ist man sehr gespannt natürlich, auf was für Leute man dann hier trifft. Dann gab es ja die Orientierungswoche, die ja auch bei den meisten sehr begehrt ist, sehr beliebt ist. Da haben wir dann auch viele coole Aktivitäten gemacht, um sich natürlich besser kennenzulernen, um die Uni kennenzulernen und die Stadt und so weiter. Ich habe es sehr, sehr gut in Erinnerung, ein sehr guter Empfang hier in Münster. War eine coole Woche, ein cooler Start!

abi»: Sehr cool! Dann hast du jetzt schon die zweite Frage, die ich an dich hätte, fast vorweggenommen. Ich wollte dich nämlich jetzt fragen, oder, ich frage dich jetzt auch direkt: Was war die erste Veranstaltung an der Hochschule, die du besucht hast?

Ricardo: Es ging los mit der Orientierungswoche, die ja vier bis fünf Tage ging, ungefähr. Die erste Veranstaltung an sich war eine Infoveranstaltung, wo es allgemein nochmal darum ging, was den Studiengang noch mal ausmacht. Dann auch die ganzen Lehrkräfte, die vorgestellt wurden und, genau, einfach noch mal so organisatorische Dinge, die vorab geklärt werden mussten. Und danach wurde eigentlich recht viel unter uns Kommilitonen selber gemacht, sodass wir uns besser kennenlernen konnten. Und nach der ersten Woche ging es dann auch schon mit den ersten Vorlesungen los.

abi»: Was fandest du denn zu Beginn deines Studiums besonders herausfordernd?

Ricardo: Also jetzt aus persönlicher Sicht würde ich sagen, besonders herausfordernd war auf jeden Fall die Wohnungssuche. Ich glaube, das habe ich vielleicht zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Ich war nämlich noch ein halbes Jahr im Ausland davor unterwegs, und die Wohnungssuche, auch aus dem Ausland dann, gestaltet sich ja dann doch ein bisschen schwieriger. Und ich habe tatsächlich den ersten Monat hier bei einer Freundin von meiner Mutter gewohnt. Und ich musste dann während dieses ersten Monats noch eine Wohnung suchen hier in Münster. Und das parallel zu den ganzen neuen Eindrücken und zu dem Studienstart et cetera. Das war wahrscheinlich so die größte Herausforderung damals. Aber hat letzten Endes auch alles geklappt. Jetzt bin ich super angekommen hier, passt alles perfekt.

abi»: Okay, und hast du jetzt dann eine Wohnung gefunden oder eine WG? Wie hat sich das dann geklärt?

Ricardo: Mittlerweile wohne ich in einem Studentenapartment hier, also alleine auch.

abi»: Okay, hast du denn da Unterstützung bekommen bei der Wohnungssuche?

Ricardo: Ja, also, es gibt ja diverse Plattformen und auch Ansprechpartner. Aber letzten Endes geht dann auch viel über Kontakte. Natürlich, man braucht auch ein bisschen Glück und Geduld, vor allem, also, das habe ich gelernt. Also, ich habe tatsächlich, glaube ich, ein, zwei Monate dann schon hier gebraucht, bis ich dann eine Wohnung gefunden hab. Aber ja, wie gesagt, es gibt immer Lösungen, und letzten Endes findet man dann auch welche.

abi»: Okay gut. Jetzt haben wir die Herausforderungen direkt schon mal zu Beginn gehabt. Schönere Frage gleich: Was fiel dir denn leichter als erwartet?

Ricardo: Puh, leichter als erwartet. Ich denke, das ist ja schon noch mal ein großer Schritt, alleine in der fremden Stadt, bisschen weiter weg von zu Hause, hier das ganze neue Umfeld und das auch alleine zu bewerkstelligen, ist ja auch kein Selbstläufer, sag ich mal. Aber es ist dann doch recht einfach gelaufen. Also, ich denke, all die Bedenken, die man sich vorab macht, lösen sich mehr oder weniger dann schon in Luft auf. Es ist alles machbar, wirklich. Und es gibt einem natürlich auch Mut, vielleicht auch Selbstbewusstsein, dass man die Dinge ja auch alle bewerkstelligen kann. Insofern, das ist mir echt leichtgefallen, dann auch neue Kontakte hier zu knüpfen.

abi»: Okay, also, das heißt das Ankommen vor Ort und die Kontakte zu knüpfen, war leicht.

Ricardo: Genau richtig!

abi»: Sehr schön. Wenn du dich an die Zeit kurz vor deinem Studienstart erinnerst: Hattest du konkrete Erwartungen an die ersten Tage, und wenn ja, könntest du sagen, dass sie zutrafen?

Ricardo: Also, ich würde sagen, an die ersten Tage jetzt nicht konkret. Also Erwartungen insgesamt an die Stadt, an die Uni, an das Studienprogramm an sich – das auf jeden Fall. Ähm, das ist aber, denke ich, ein längerfristiger Prozess, wo sich dann herauskristallisiert, ob die Erwartungen eben zutreffen oder nicht. Und aber, da kann ich sagen, nach zwei Semestern auf jeden Fall. Die meisten Erwartungen wurden so erfüllt. Ich wurde jetzt nicht großartig überrascht bei bestimmten Inhalten, also passt alles perfekt. Für mich hätte es wirklich nicht besser laufen können, jetzt auch nach zwei Semestern.

abi»: Gibt es denn etwas, was du vor dem Studienstart gerne gewusst hättest?

Ricardo: Ja, gute Frage. Also, bei mir war der Fall ein bisschen anders: Und zwar, ich habe ja nach meinem Abitur erst mal eine Ausbildung gemacht, zweieinhalb Jahre als Bankkaufmann. Insofern habe ich da vielleicht auch noch mal andere Voraussetzungen gehabt als Leute, die direkt jetzt von der Schule kommen. Prinzipiell ist natürlich immer zu beachten, beim Studium an sich ist einfach viel mehr Eigenverantwortung gefragt. Das heißt, du musst einfach dich selbst, also dir deiner Verantwortung bewusst sein, diese auch wahrnehmen, und dann eben auch entsprechend dich um die ganzen Sachen kümmern. Also seien es jetzt so Sachen wie zum Beispiel, ja, du meldest dich für alle Vorlesungen an, du meldest dich für alle Prüfungen an. Du hast halt keinen, der dir über die Schulter schaut und der dich dann ständig darauf hinweist, ob du die ganzen Sachen gemacht hast, ob du auch in der Deadline bist und so weiter. Da ist schon wirklich Eigenverantwortung gefragt und auch vorausgesetzt. Aber auch da, also, wenn man sich dessen bewusst ist und, ich sage mal, sich die Sachen aufschreibt und auch im Kopf hat, dann ist es alles machbar. Da werden dann auch keine Hindernisse auftreten.

abi»: Du machst den Eindruck, als wären die Dinge grundsätzlich machbar.

Ricardo: Ja, das ist schon eine Sache, die ich auch gelernt habe. Ich meine, wahrscheinlich würde jeder, der in der Entscheidungsphase ist, gerade nach dem Abitur, nach der Schule damit konfrontiert, welche Bedenken man auch hat in Zukunft. Aber letzten Endes ist es wirklich so: Also, die meisten Bedenken, die man hat, die sind, sind alle umzusetzen, sag ich mal, und viele lösen sich auch in Luft auf. Deswegen finde ich schon, man muss auch Mut machen, auch sich zu trauen, sage ich mal, gerade im jungen Alter rauszugehen, sag ich mal, auch neue Sachen zu machen, auch aus dem Elternhaus mal rauszugehen, den nächsten Schritt zu machen, alleine auszuziehen, in eine fremde Stadt zu gehen. Also, das sind alles Sachen, die ich, wo ich jetzt im Nachhinein erst merke: Okay, das hat mir so viel gebracht und wird mir wahrscheinlich auch in Zukunft viel bringen. Ja, genau. Wahrscheinlich deswegen sage ich das immer mit dem „machbar“.

abi»: Ja, aber das ist doch cool! Du hast auch schon direkt die letzte Frage, die ich habe – ich stelle sie dir trotzdem –, fast schon beantwortet, und zwar: Welchen Tipp kannst du künftigen Erstsemestern mitgeben?
Ricardo: Gut recherchieren, vor allem auch Kontakt aufnehmen. Also das war auch eine Sache, die mir damals sehr geholfen hat: Ich habe wirklich Kontakt schon mit Professoren im Vorfeld aufgenommen, aber auch mit bereits Studierenden. Und dann, wenn man die Entscheidung getroffen hat – wie soll ich sagen: durchziehen. Die ersten paar Tage oder auch Wochen, ist es, finde ich, enorm wichtig, den Mut zu haben, aus sich rauszugehen und auch auf Leute zuzugehen, also sowohl auf Professoren als auch auf Studierende als auch auf Kommilitonen, und da schon die ersten Kontakte zu knüpfen. Weil, das wird später sehr, sehr viel Wert sein im weiteren Verlauf des Studiums. Aber auch da, wie gesagt, das wird sich alles von alleine ergeben, und da würde ich mir keinen großen Kopf machen.

abi»: Sehr cool! Ich nehme das jetzt als dein Schlusswort.

Ricardo: Perfekt.

abi»: Vielen herzlichen Dank, Ricardo, fürs Mitmachen.

Ricardo: Ja, danke dir, Corinna.

In diesem Podcast informieren Corinna Grümpel und Matthias Nowak vom Studentenwerk Würzburg über Finanzierungsmöglichkeiten im Studium.

Textversion des Podcast zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: abi» - dein Podcast für die Berufsorientierung.

abi»: Ich will studieren. Bei den einen ist es dieser feste Wunsch, der die jungen Menschen dazu bewegt, sich mit den Finanzierungsmöglichkeiten für ihr Vorhaben auseinanderzusetzen. Bei den anderen steht der Entscheidung für ein Studium möglicherweise die Sorge vor nicht stemmbaren Kosten im Weg. Aber welche Kosten kommen in einem Studium überhaupt auf zukünftige Studierende zu? Welche Möglichkeiten gibt es, ein Studium zu finanzieren, und wo finden Studieninteressierte Unterstützung zu diesem Thema? Für die heutige Folge des abi» Podcasts habe ich mich mit Matthias Nowak vom Studentenwerk Würzburg unterhalten. Herr Nowak schön, dass Sie da sind!

Matthias Nowak: Ja, herzlich willkommen, gerne!

abi»: Das große Thema Studienfinanzierung, gleich die erste Frage. Was bedeutet das eigentlich? Was muss in einem Studium überhaupt finanziert werden?

Matthias Nowak: Vordergründig geht es natürlich bei dem Thema Studienfinanzierung zunächst mal um die Lebenshaltungskosten, die ein Student monatlich hat. Wie kann ich meine Lebenshaltungskosten im Studium bestreiten, und was kommt da tatsächlich auf mich zu?

abi»: Ja, genau darauf werden wir heute eingehen. Was kommt auf Studierende zu? Jetzt habe ich aber erst mal eine Nachfrage. Könnten sie bitte noch mal den Unterschied zwischen einem Studium und einer Ausbildung beziehungsweise einem dualen Studium mit Hinblick auf die Finanzierung darstellen?

Matthias Nowak: Jemand, der eine normale Berufsausbildung aufnimmt, wird in der Regel ja für diese Ausbildung bezahlt. Bei einem dualen Studium ist das ähnlich, denn das ist in der Regel eine Kombination aus einem Studium und einer beruflichen Ausbildung beziehungsweise einem Studium und einer Erwerbstätigkeit für eine Firma. Auch hier wird man entsprechend bezahlt, während tatsächlich der normale Student, der an einer Hochschule studiert, selber gucken muss, wie er seinen Lebensunterhalt finanziert.

abi»: Danke, dass sie diesen Unterschied noch mal herausgestellt haben. Nun stellen sich, die Hörerinnen und Hörer ja die Frage, wie teuer kann denn jetzt so ein Studium werden?

Matthias Nowak: Das wird tatsächlich ermittelt, in regelmäßigen Abständen von der Bundesregierung zusammen mit dem deutschen Studierendenwerk, und die letzte dieser Erhebungen hat 2021 stattgefunden. Die durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten eines Studenten betragen circa 842 Euro im Monat. Wenn man das dann hochrechnet auf ein Bachelorstudium mit sechs Semestern, dann ist man bei über 31.000 Euro. Wenn man dann nach dem Bachelor noch ein Masterstudium absolviert, dann ist man bei mindestens zehn Semestern in der Regel und bei Kosten von über 52.000 Euro.

abi»: Eine ganze Menge Geld erst mal. Vielleicht haben sie noch ein paar Beispiele. Sie haben jetzt gesagt Lebenshaltungskosten, aber was genau zählt denn da alles so rein? Was kann sich ein Hörer/eine Hörerin darunter vorstellen?

Matthias Nowak: Der größte Posten, der da reinfällt, sind tatsächlich die Mieten, dann natürlich der tägliche Einkauf, Verpflegung, auch mal das Ausgehen. Dazu gehören natürlich auch Studienmittel, die man kaufen muss. All das fällt in diese Lebenshaltungskosten mit rein.

abi»: Ja, jetzt weiß ich, was da in etwa auf mich zukommt als angehender Studi, und jetzt frage ich mich natürlich, welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es da?

Matthias Nowak: Die wichtigste Finanzierungsquelle sind, das wird niemanden wundern, nach wie vor die Eltern. Zweitwichtigste Finanzierungsquelle ist die eigene Arbeit. Das kann sinnvoll sein, während des Studiums neben dem Studium zu arbeiten. Man wird nur nie in der Lage sein, alleine aus eigener Arbeit ein Studium zu finanzieren und gleichzeitig dieses Studium halbwegs in einer vernünftigen Zeit zu Ende zu bringen. Nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle ist eigentlich das BAföG, also die staatliche Unterstützung während des Studiums. Es gibt die Möglichkeit, auf Studiendarlehen zurückzugreifen, Stipendien in Anspruch zu nehmen, und einen Punkt hatten wir schon angesprochen: das duale Studium, bei dem man sich eben für die Dauer des Studiums an einen Betrieb bindet und von diesem dann finanziert wird.

abi»: Also verschiedene Möglichkeiten. Wie finde ich denn heraus, welche Form der Studienfinanzierung jetzt für mich ganz konkret passt?

Matthias Nowak: Man sollte tatsächlich den Blick mal auf alle Möglichkeiten werfen, wobei ich eines immer vorneweg sagen würde: Studiendarlehen sind momentan relativ leicht in Anspruch zu nehmen, aber man sollte tatsächlich ein solches Darlehen immer erst als allerletzte Finanzierungsmöglichkeit in Betracht ziehen, weil diese Darlehen eben immer die teuerste Form der Studienfinanzierung sind. Ich würde grundsätzlich jedem empfehlen, in jedem Fall einen BAföG-Antrag zu stellen, denn nur so weiß man tatsächlich verlässlich schwarz auf weiß: „Ja, ich habe einen Anspruch“ oder „Nein, ich habe keinen Anspruch“. Ansonsten Stipendien: Wenn man tatsächlich von den Studienleistungen her, ich sag mal, über dem Durchschnitt liegt, dann macht es auch Sinn, sich mit dem Thema Stipendien zu beschäftigen.

abi»: Genau das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Sie sind schon darauf eingegangen, welche Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung, beispielsweise eben Stipendien oder BAföG, gibt es für Studieninteressierte und Studierende? Und jetzt noch ein Nachtrag. Was müssen junge Menschen tun, um diese Unterstützung zu bekommen? Vielleicht können sie dazu noch was sagen.

Matthias Nowak: Also, man muss einen entsprechenden BAföG-Antrag stellen. Da eine ganz wichtige Sache vorne weg, man sollte sich sehr frühzeitig um diesen BAföG-Antrag kümmern. Sobald man weiß, wo man studieren wird, sollte man beim zuständigen Studentenwerk, das für den BAföG-Vollzug zuständig ist, den Antrag stellen. Denn die Bearbeitung gerade eines ersten BAföG-Antrages dauert relativ lange, und je früher man den Antrag stellt, umso eher ist der Antrag bearbeitet und die Gelder fließen. Bei Stipendien ist es so, dass es hier die verschiedensten Möglichkeiten gibt. Es gibt Stipendien, wo man sich selber bewerben kann. Es gibt Stipendien, wo man vorgeschlagen werden muss. Da sollte man tatsächlich mal gucken, welche Stipendienorganisationen an der Hochschule jeweils vertreten sind. Das kann man sehr schön meistens über die Webseite herausfinden. Vor allem steht dort auch zu den einzelnen Stipendienorganisationen jeweils, wer der zuständige Vertrauensdozent ist, an den man sich mit seinen Fragen wenden kann und der einen dann auch unterstützt bei dem Verfahren, um in den Genuss eines Stipendiums zu kommen.

abi»: Okay, vielen Dank. Haben sie noch weitere Anlaufstellen für Unterstützung? Also wo ich mir jetzt eine Beratung holen kann, wenn ich sage, ich weiß jetzt gar nicht, wie ich das angehen soll, wie ich zum Beispiel mit so einem BAföG-Antrag umgehen soll?

Matthias Nowak: Also grundsätzlich empfehlen wir immer – und das gibt es an nahezu allen Hochschulen im Rahmen der Erstsemestereinführungstage – Veranstaltungen zum Thema Studienfinanzierung, die wir selber betreiben, beziehungsweise häufig schon im Vorfeld des Studiums auch an den einzelnen Schulen oder für die Schulen gesammelt, entsprechende Veranstaltungen. Die sollte man in jedem Fall mal wahrnehmen und sich da anhören, was so alles für Möglichkeiten bestehen. Ansonsten tatsächlich immer die Empfehlung, vor Ort beim zuständigen BAföG-Amt beraten lassen. Wir verstehen uns insoweit auch als Studienfinanzierungsberater und versuchen auch bei denen, die vielleicht keinen BAföG-Anspruch haben, ihnen den Weg zu einer anderen Finanzierungsmöglichkeit zu weisen. Und es gibt ja durchaus, sage ich mal, manchmal Möglichkeiten, die nur sehr wenigen Studenten zur Verfügung stehen, häufig dann Studenten, die in besonderen Lagen sind, die eventuell eine Behinderung haben oder Studenten mit Kind. Auch hier haben wir entsprechend erfahrene Berater, die hier Wege in die Studienfinanzierung weisen können.

abi»: Also man bekommt Unterstützung, wenn man sie möchte ...

Matthias Nowak: Richtig.

abi»: Herr Nowak. Wir sind schon durch mit den Fragen. Haben sie denn noch irgendwas, was sie jungen Menschen in Sachen Studienfinanzierung mitgeben möchten?

Matthias Nowak: Eine wichtige Sache. Ich möchte an der Stelle noch mal wirklich Werbung machen für das BAföG. Das BAföG ist kompliziert. Ja, das Verfahren kann langwierig sein, ja, aber es ist nach wie vor die beste Fremdfinanzierung. Das, was man an BAföG-Finanzierung bekommt, ist zur Hälfte geschenkt, nur die andere Hälfte muss zurückgezahlt werden, und auch hier gibt es eine entsprechende Obergrenze. Niemand muss mehr als 10.010 zurückzahlen, egal wie viel er tatsächlich an BAföG-Darlehen erhalten hat, also auch das, was bei einem Studiendarlehen zum Beispiel das Problem ist. Eine mögliche Überschuldung kann im Rahmen des BAföG nicht funktionieren oder kann nicht vorkommen im Rahmen des BAföG. Von daher meine Empfehlung: immer in jedem Fall einen Antrag stellen.

abi»: Das nehme ich jetzt einfach mal mit als Ihr Schlusswort. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unseren Hörerinnen und Hörern einiges zum Thema Studienfinanzierung zu erklären. Dankeschön dafür!

Matthias Nowak: Dankeschön.

abi»: Weitere Beiträge zum Thema Studienfinanzierung findest du auf abi.de > Ausbildungs- und Studienstart > Studienfinanzierung. Schau hier auch mal unter Stipendium nach, denn hier erfährst du auch von Stipendien, die nicht nur nach guten Noten, sondern persönlichem Engagement vergeben werden. Weitere Podcasts findest du auf abi.de > Interaktiv > Podcasts. Das war dein abi» Podcast. Redaktion und Produktion Corinna Grümpel für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit.

In diesem Podcast erzählen die Medizinstudentinnen Olivia und ihre Mentorin Sarina von ihren Erfahrung mit dem Mentoring im Studium an der Universität des Saarlandes, geben Einblicke in den Ablauf des Programms und zeigen, wie beide Seiten davon profitieren können.

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Jingle: Der Studienwahl-Podcast. Wissenswertes für deinen Weg ins Studium.

studienwahl.de: Willkommen zum Studienwahl-Podcast. Schön, dass du dabei bist. Der Start ins Studium ist aufregend, aber oft auch ganz schön überwältigend: neue Stadt, neuer Campus, neue Abläufe. Damit du dich schneller zurechtfindest, setzen viele Hochschulen auf sogenannte Mentoring-Programme. Dabei stehen dir erfahrene Studierende als Mentorinnen und Mentoren zur Seite, als Unterstützung, Orientierungshilfe und manchmal einfach als erste Anlaufstelle bei Fragen rund ums Studium. Ich bin Nina und in dieser Folge spreche ich mit Olivia und ihrer Mentorin Sarina. Beide studieren Medizin an der Universität des Saarlandes. Wir schauen gemeinsam darauf, wie das Mentoring-Programm dort abläuft, wo konkret geholfen wird und warum Mentoring für beide Seiten spannend ist. Hallo, Olivia. Hallo, Sarina. Schön, dass ihr da seid.

Sarina: Hi.

Olivia: Hallo.

studienwahl.de: Olivia, wie hast du denn von der Möglichkeit eines Mentoring-Programms erfahren? Du studierst ja Medizin. Und wie kam es dazu, dass Sarina dich unterstützt?

Olivia: Als ich die Zusage bekommen habe für meinen Studienplatz an der Uni, habe ich E-Mails bekommen und unter anderem dann auch die E-Mail, dass ich mich zu einem Mentoring-Programm anmelden kann. Und letztendlich habe ich das dann einfach gemacht und irgendwann kam dann die E-Mail von Sarina und sie hat mich gefragt, ob es auch okay ist, wenn wir anderweitig als über E-Mail kommunizieren. Und dann letztendlich hat es so seinen Lauf genommen.

studienwahl.de: Also war es relativ einfach, daran teilzunehmen. Gab es eine Art Bewerbungsverfahren oder irgendwelche Hürden, die es zu überwinden galt?

Olivia: Nein, überhaupt nicht. Also ich habe mich da einfach nur angemeldet und das war's dann eigentlich auch schon.

studienwahl.de: Und Sarina, du warst ja zu Beginn selbst Teilnehmerin an diesem Mentoringprogramm. Wie war dein Erstkontakt dazu und wie wurdest du darauf aufmerksam?

Sarina: Das war bei mir tatsächlich ziemlich ähnlich wie bei Olivia. Wenn man sich immatrikuliert, bekommt man eine E-Mail und in der E-Mail steht dann seitens der Uni, dass sie sich erstmal freuen, dass man jetzt an der Universität des Saarlandes eingeschrieben ist. Und dann haben sie da halt auf das Mentoring-Programm aufmerksam gemacht, und ich habe mich dann auch einfach angemeldet. Ich musste da, glaube ich, auch nur meine Kontaktdaten angeben, mehr auch gar nicht. Und dann hat sich später auch eine Mentorin bei mir gemeldet.

studienwahl.de: Und ist das Programm jetzt ausschließlich für Studierende der Medizin?

Sarina: Genau, das ist ein fachspezifisches Mentoring. Das bedeutet, dass jeder Studiengang mitmachen kann und es wird immer versucht, dann auch jemanden zu finden, der im eigenen Studiengang ist, weil das natürlich einfach deutlich sinnvoller ist, als wenn das jetzt Leute aus einem anderen Studiengang sind.

Olivia: Genau. Einfach auch, weil da natürlich auch die Expertise da ist und die bestmöglichste Unterstützung.

Sarina: Und man ist dann in kleinen Gruppen. Also es ist nicht eine Eins-zu-eins-Betreuung. Meistens so eins zu vier. Also ein Mentor und circa 4 Mentees.

studienwahl.de: Kannst du noch ein bisschen von deinen eigenen Erfahrungen berichten? Also anscheinend hat dir dieses Mentoring-Programm als Mentorin sehr weitergeholfen. Und was hat dich dann letztlich dazu bewogen, selbst Mentorin zu werden?

Sarina: Bei mir war das so, ich habe das als sehr positiv wahrgenommen, das eigene Mentoring. Und da wurde dann auch Werbung gemacht, dass man im nächsten Jahr selbst Mentor oder Mentorin werden kann. Und das habe ich eigentlich für mich dann direkt schon mit Ja beantwortet, dass ich das gerne machen würde. Also erstmal fand ich das eine total schöne Möglichkeit, dass man an der Universität ankommt und direkt so jemanden an der Hand hat, der schon deutlich weiter ist – einfach wie so ein Pate sozusagen, der ein bisschen hilft und ein paar Dinge durchspricht, die vielleicht anfangs noch ein bisschen überfordernd wirken dürften. Und deshalb fand ich das dann schön, dass ich dann im nächsten Jahr die Hilfe auch an neue Erstis weitergeben konnte.

studienwahl.de: Du sagtest jetzt: im ersten Jahr. Also läuft dieses Programm dann über zwei Semester?

Sarina: Das ist eigentlich sehr individuell. Generell wird uns da sehr viel Freiheit gelassen bei dem Mentoring. Also es gibt vorher eben einen Workshop, an dem man teilnehmen muss. Da wird man auf alles vorbereitet und wenn man den dann absolviert hat und die Kontaktdaten der Mentees bekommt, ist man in der Gestaltung sehr frei. Also wir haben das zum Beispiel so gemacht, dass wir unsere Mentees dann angeschrieben haben und eine Gruppe erstellt haben. Also eine Freundin von mir und ich hatten unsere Vierergruppen zusammengelegt, waren also 2 Mentorinnen und circa 8 Mentees. Wir haben uns online getroffen per Videochat, wo dann schon mal die ersten Fragen geklärt werden konnten. Und kurz vor Semesterstart sind wir dann auch mal zusammen auf dem Campus gewesen, haben uns den angeguckt. Und bei uns war das tatsächlich so, dass wir uns mit den Mentees so gut verstanden haben, dass daraus auch Freundschaften entstanden sind und wir uns dann auch die nächsten Semester immer mal wieder getroffen haben. Natürlich mit allen, um zu gucken, wie geht es allen? Und gibt es noch irgendwelchen Klärungsbedarf? Wie gesagt, da sind Freundschaften daraus entstanden, die jetzt auch noch bis heute halten.

studienwahl.de: Das ist sehr toll.

Sarina: Das muss natürlich auch sowohl von der Mentorenseite als auch von der Mentee-Seite passen, dass man sagt: Hey, wir verstehen uns gut, lass doch noch mal was zusammen machen. Aber es ist natürlich keine Pflicht.

studienwahl.de: Du hast es gerade schon angedeutet. Du hast vorher den Vorbereitungsworkshop durchlaufen. Kannst du zu dieser Vorbereitung noch was sagen?

Sarina: Also bei uns an der Uni ist es so: Man kann entscheiden, ob man an einem Online- oder an einem Präsenz-Workshop teilnehmen kann. Im September findet der statt und der Workshop bestand daraus, dass wir anfangs erstmal allgemeine Infos durchgegangen sind und darüber geredet haben: Was sind unsere Aufgaben als Mentoren und welche Voraussetzungen gibt es? Also es würde keinen Sinn machen, bei so einem Mentoring mitzumachen, wenn man kein Interesse an sozialer Interaktion hat. Das wurde uns einfach vorher noch mal mitgeteilt, dass wir uns selbst dazu entschieden haben sollten und ob wir denken, dass wir den Anforderungen entsprechen. 

Und dann haben wir uns 2 wichtige Fragen gestellt. Und zwar: Welche Grenzen könnte es beim Mentoring geben und wie gehen wir damit um? Also zum Beispiel, wenn wir selbst uns überfordert fühlen, weil wir eigenen Unistress haben oder vielleicht auch, weil Mentees sich unangemessen uns gegenüber verhalten. Zum Beispiel wenn es Grenzüberschreitungen zwischen dem privaten und dem studentischen Leben gibt, die halt nicht gewünscht sind. Aber es kann ja zum Beispiel auch passieren, dass manche Mentees einfach nicht erreichbar sind, warum auch immer. Vielleicht, weil sie nicht zu Hause sind, im Urlaub oder kein Internet haben und einfach nicht antworten. Oder es vielleicht auch Fragen gibt zu formalen Abläufen, wo wir gar nicht die richtigen Ansprechpartner sind. Und da zum Beispiel, wenn man jetzt einen Fachwechsel gemacht hat, oder zu Prüfungsordnungen, wo wir uns auch nicht mit auskennen. Das haben wir einfach vorher besprochen. Und dann haben wir uns noch die Frage gestellt: Wer hilft uns denn bei bestimmten Anliegen, wenn wir mal nicht die richtigen Ansprechpartner sind? Und da haben wir dann noch mal eine Liste an die Hand bekommen mit ganz vielen wichtigen Ansprechpersonen, zum Beispiel in der Zentralen Studienberatung für formale Probleme oder auch den Prüfungssekretariat usw. Und das hat mir persönlich schon viel geholfen. Dann gab es noch eine Gruppenarbeit. Da haben wir uns so mit fünf, sechs Leuten ungefähr zusammengesetzt und besprochen, was wir denn alles in unseren Mentorings an Themen vermitteln wollen, was ich auch sehr gut fand, weil dann konnte man sich noch mal mit anderen Leuten austauschen. Und dann haben wir noch mal abschließend darüber geredet, wie man die Inhalte gut vermitteln kann.

Und es wurde ja generell sehr viel Freiheit gelassen. Es ging halt eher darum, wie man zum Beispiel in einer neuen Gruppe das Eis bricht, zum Beispiel durch eine Vorstellungsrunde oder so und wie man das Treffen gestaltet, um möglichst viele Informationen zu vermitteln. Auch wenn manche vielleicht anfangs ein bisschen schüchterner sind oder so, zum Beispiel indem man dann eine gezielte Frage-Antwort-Runde macht. Also da wurden uns einfach ein paar Tipps und Tricks mit an die Hand gegeben und dann haben wir uns gut vorbereitet gefühlt. Circa 2 Wochen später, Ende September, haben wir dann die Kontaktdaten von den Mentees bekommen.

studienwahl.de: Danke dir. Das klingt nach einer umfassenden Vorbereitung. Ja. Und Olivia, in welchen Bereichen kann dich denn Sarina besonders unterstützen? Wo hat es dir bislang am meisten gebracht? Kannst du da konkrete Beispiele nennen?

Olivia: Ja, also am Anfang. Vor allem dadurch, dass man natürlich gerade von der Schule kommt oder vielleicht auch ein Gap Year gemacht hat, aber im Prinzip das ganze Unileben noch gar nicht so richtig kannte, dann auch in eine neue Stadt gezogen ist, noch den Campus nicht kannte und noch niemanden auch an Menschen hatte in der neuen Umgebung. Praktisch hat mir persönlich das Mentoring-Programm bzw. dann auch Sarina explizit dabei geholfen, erste Kontakte zu knüpfen. Wie sie gerade auch schon angesprochen hat, haben wir eine Campus Tour gemacht und da hat man dann den Campus schon kennengelernt. Man wusste: Okay, hier ist die Bibliothek, hier ist die Mensa, was davor halt einfach noch nicht so richtig klar war. Außerdem, was mir auch sehr geholfen hat, ist einfach die ganzen Erfahrungsberichte auch zu bestimmten Kursen in der Uni, zu Professoren. Welche Vorlesungen sich lohnen oder auch nicht. Genau dann aber auch in Richtung Lerntechniken, was man anwenden kann oder was wenig Sinn macht. Und dann natürlich auch die ganze Gruppe an sich hat einem auch schon so erste soziale Kontakte in der neuen Umgebung. Das tat auch sehr gut, sich da auch auszutauschen und auch direkt. Wenn man dann den ersten Tag wirklich Uni hatte, dann stand man auch nicht ganz alleine da und kannte zumindest jemanden, an den man sich irgendwie wenden kann oder mit dem man sich austauschen kann. Dann direkt, was mir auch sehr positiv in Erinnerung ist: Sie hat uns auch immer geschrieben und noch viel Erfolg für Klausuren gewünscht. Also da war einfach immer so eine Unterstützung da und man hat gemerkt, dass man irgendwie immer jemanden im Rücken hatte, sag ich mal. Also dahingehend einfach sehr, sehr viel Unterstützung gehabt bzw. einfach den Start sehr erleichtert.

studienwahl.de: Das hilft da natürlich gerade am Anfang gewaltig und es bezieht sich auch nicht nur jetzt auf das soziale Umfeld, sondern auch auf fachliche Aspekte, oder? Ihr könnt euch auch über medizinische Fragen aus dem Studium austauschen.

Olivia: Ja, genau.

Sarina: Ja, auf jeden Fall.

studienwahl.de: Sarina, wie empfindest du euer Tandem? Läuft es so, wie du dir das vorgestellt hast? Was nimmst du daraus Positives mit? Auch vielleicht in Bezug auf dein Studium selbst.

Sarina: Also ich finde es eigentlich sehr gut, so wie das alles gelaufen ist. Natürlich weiß man vorher ja auch nicht, welche Leute man zugeteilt bekommt bei dem Mentoring. Und ich würde sagen, die Leute, die die Freundin von mir und ich zugeteilt bekommen haben, waren super. Es hat echt super gut gepasst. Und das ist natürlich auch schön, wenn man dann so lange noch gut miteinander klarkommt und sich trifft, sich austauscht, unterstützt. Genau da habe ich anfangs auch nicht so richtig damit gerechnet. Aber umso schöner ist es natürlich, wenn das dann klappt.

studienwahl.de: Also profitieren beide Seiten.

Sarina: Doch auf jeden Fall. Ich denke auch, dass generell bei diesen Mentoring-Programmen sowohl die Mentees als auch die Mentoren eigentlich einen enormen Nutzen daran haben, weil man lernt ja auch als Mentor vielleicht eine Gruppe zu leiten, was man vielleicht vorher noch nicht so gemacht hat. Man kann die sozialen und persönlichen Kompetenzen ja stärken. Sei es jetzt zum Beispiel Empathie zu zeigen, wirklich aktiv mal zuzuhören, Feedbackfähigkeit auch zu entwickeln. Und irgendwie hat man ja vielleicht auch eine kleine Vorbildfunktion für die Erstis, weil man ja schon weiter ist und einfach auch viel Fachwissen hat. Und was natürlich auch einfach schön ist: Wir sind alle in einem ähnlichen Alter. Dadurch, dass ich ja auch im dritten Semester direkt daran teilgenommen habe und da ist ja auch die Distanz viel kleiner, Fragen zu stellen jetzt seitens der Mentees, weil man einfach vermutlich nicht so viel Angst hat, als wenn das jetzt eine ältere Person wäre, vor der eben deutlich mehr Respekt da ist. Genau. Und was für uns auch schön war, dass eigentlich auch die Mentoren uns alle widergespiegelt haben, dass es ihnen Spaß gemacht hat. Es gab halt so einen Feedbackbogen und der wurde nachher ausgewertet und da war eigentlich das Feedback von beiden Seiten durchweg positiv.

Olivia: Ich finde auf beiden Seiten ist es ein sehr, sehr tolles Programm und würde es immer wieder machen.

Sarina: Genau. Und für uns ist es ja auch schön. Später im Berufsleben arbeiten wir ja sehr viel im Patientenkontakt und das ist natürlich dann auch gut, wenn man eben die sozialen Kompetenzen fördert, aber gleichzeitig auch berufliche Kompetenzen wie zum Beispiel die Organisationsfähigkeit weiterzuentwickeln, weil man Termine plant, Treffen plant. Und wir erhalten nachher auch ein Zertifikat über unser Ehrenamt. Und das können wir dann ja auch Bewerbungen beilegen, was ja auch eigentlich immer gut ankommt, wenn man so was mal gemacht hat.

studienwahl.de: Ja, dann danke ich euch sehr für eure Einblicke und dass ihr eure Erfahrungen so weitergebt und uns daran teilhaben habt lassen. Vielen Dank.

Olivia: Gerne.

Sarina: Gerne doch.

studienwahl.de: Das war unser Einblick in Mentoring im Studium. Wir haben gehört, wie wertvoll es sein kann, jemanden an der Seite zu haben, der den Studienalltag schon kennt. Sei es bei der Organisation, bei ersten Unsicherheiten oder einfach beim Ankommen im Studium. Gleichzeitig wurde deutlich: Auch Mentorinnen und Mentoren profitieren von dieser Rolle und wachsen daran. Wenn du jetzt neugierig geworden bist, wie Mentoring-Programme an Hochschulen noch aussehen können, dann schau dir gerne die weiteren Beiträge zum Topthema Mentoring im Studium an. Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge. Das war der Podcast von studienwahl.de. Redaktion und Produktion: Dr. Nina Röder für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.

In diesem Podcast lernst du von Katharina Ritz mehr über ein Semester im Ausland während des Studiums, den Ablauf und die Organisation sowie Einblicke von Leonie Oyen über ihr Auslandssemester in Rom.

Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: Der Studienwahl-Podcast – Wissenswertes für deinen Weg ins Studium

studienwahl.de: Ein Semester im Ausland: Für viele der Traum im Studium. Neue Städte, neue Menschen, eine neue Sprache. Aber wie fühlt sich das wirklich an? Wie viel Organisation steckt dahinter? Wie läuft das Studieren in einer Fremdsprache? Und lohnt sich der Aufwand? Ich bin Nina und in dieser Folge nehme ich euch mit auf eine kleine Erasmus+-Reise. Leonie berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen in Rom – von Highlights bis zu echten Herausforderungen. Außerdem gibt uns Katharina aus dem International Office an der Uni Tübingen praktische Tipps rund um Bewerbung, Vorbereitung und den richtigen Zeitpunkt.

studienwahl.de: Und damit geht's auch direkt los. Hallo Katharina, hallo Leonie! Schön, dass ihr da seid.

Katharina Ritz: Hallo! Danke für die Einladung.

Leonie Oyen: Hallo!

studienwahl.de: Leonie, meine erste Frage an dich: Was studierst du?

Leonie Oyen: Ich studiere Sozial- und Kulturanthropologie im Hauptfach und Geschichtswissenschaften im Nebenfach.

studienwahl.de: Du bist gerade in Italien. Wie bist du denn eigentlich auf das Erasmus+-Programm aufmerksam geworden? Und warum hast du dich dafür entschieden, ein Auslandssemester zu machen?

Leonie Oyen: Auf das Erasmus+-Programm bin ich gekommen, weil ich davor tatsächlich ein Kurzprogramm gemacht habe. Und zwar habe ich 10 Tage in Bukarest verbracht und danach habe ich einfach geschaut, was es sonst noch so gibt und bin eben auf die Universität Rom gestoßen, also die Sapienza Universität, eben auch im Rahmen von einem CIVIS-Auslandsprogramm. Das hat mich irgendwie gecatcht, dass ich einfach ein halbes Jahr in Rom verbringen kann – also in einer der geschichtsträchtigsten Städte überhaupt. Wunderschön, jede Straße – schon in meiner Vorstellung. Und das hat sich jetzt auch so bestätigt.

studienwahl.de: Katharina, wann ist es denn sinnvoll, ein Erasmus+-Semester zu planen? Gibt es da einen idealen Zeitpunkt im Studienverlauf?

Katharina Ritz: Ja, das ist immer ein bisschen abhängig von dem eigentlichen Studiengang, was in den einzelnen Modulplänen vorgesehen ist. Manchmal ist da schon ein Auslandssemester miteingeplant, ist auch dann verpflichtend und entsprechend können sich dann die Studierenden daran orientieren. Wir merken bei uns, dass die Studierenden meistens im Bachelorstudium im fünften Semester herum ein Auslandssemester bei sich einplanen. Und wir empfehlen auch tatsächlich, dass man, wenn man im Bachelorstudium einsteigt, sich erstmal an der Uni orientiert, ungefähr ein Jahr dort studiert und dann ins Ausland geht. Weil man braucht auch einfach schon für die Vorbereitung von einem Auslandssemester ungefähr ein Jahr Vorlaufzeit bei der Vorbereitung.

studienwahl.de: Gut, also erst mal ein bisschen Studienerfahrung ist sicherlich sinnvoll. Leonie, wie war es jetzt bei dir? Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt organisiert? Also als du dann gesagt hast, aufgrund der Erfahrungen, die du gemacht hast, du möchtest auch unbedingt ein Semester im Ausland verbringen: Was waren die ersten Schritte?

Leonie Oyen: Erstmal würde ich auch damit übereinstimmen, dass man sich das gut überlegen sollte und auch gut im Voraus planen muss. Denn bei so Sachen wie Wohnungssuche, aber auch dieses ganze Bürokratische, da will man sich schon die Zeit nehmen. Vor allem man ist ja mitten im Semester. Deswegen hat das bei mir, glaube ich, ein Dreiviertel Jahr vorher angefangen, dass ich diesen Entschluss gefasst habe und mich dann erstmal mit dem International Office in Verbindung gesetzt habe, mit der Auslandskoordinatorin. Also für jedes Fach gibt es eine Referentin oder einen Referenten, mit dem kann man dann erstmal die Ideen durchsprechen. Passt das überhaupt in mein Studium rein? Was sind die nächsten Schritte, die ich machen muss? Und auch mit den Professoren absprechen, ob das von den Modulen her überhaupt so klappt. Und das ging dann bei mir ganz gut nach einiger Planung. Dann ging es eben schon los mit den Bewerbungen.

studienwahl.de: Also du hast es angesprochen, Leonie, das International Office, das unterstützt da auch auf jeden Fall. Katharina, könntest du noch mal zusammenfassen, welche Unterstützung ihr da bietet, während der Bewerbung und der Vorbereitung und auch dann während des Auslandsaufenthalts?

Katharina Ritz: Es gibt zwei unterstützende Säulen. Einmal die Erasmus-Fachkoordinatoren in den Fachbereichen, die auf der akademischen Seite unterstützen. Das ist so der erste Anlaufpunkt, wo man hingeht, um sich eine Beratung einzuholen. Wo könnte man denn überhaupt hingehen? Welche Partneruniversität ist passend? So wie Leonie das jetzt gerade schon sehr schön beschrieben hat. Und vor allem, wenn es dann auch genau darum geht: Welche Kurse sind denn richtig? Wie läuft denn der ganze Prozess dann auch mit den Noten, wenn ich wieder zurückkomme, mit den Prüfungen, die ich im Ausland belegt habe? Und wir nennen uns immer das „zentrale Erasmusbüro“ hier an der Universität Tübingen. Wir unterstützen dann bei dem ganzen Bewerbungsablauf. Also für das Erasmus-Programm ganz viele Dokumente ausfüllen und während des Aufenthalts sind wir auch da. Wir sind da auch gerne die ersten Ansprechpartner, wenn es irgendwelche Fragen gibt, dann kann man uns da immer gerne kontaktieren. Also ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man weiß, man ist in dieser ganzen Phase, also sobald man sich für einen Auslandsaufenthalt entscheidet und dann auch während des Aufenthaltes, man ist nicht alleine. Wir sind immer da und unterstützen.

studienwahl.de: Das klingt gut! Leonie, gab es bei dir bestimmte Herausforderungen bei der Vorbereitung? Wo du sagst: Oh, das war ein bisschen hakelig. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche?

Leonie Oyen: Oh ja. Also jetzt vor allem, wo du Wohnungssuche sagst. Da kommt ein bisschen dunkle Erinnerung hoch. Aber in Rom ist es natürlich auch besonders schlimm. Es ist hier eine riesige Metropole, und es gibt nicht wie bei vielen anderen Orten Studentenwohnheime, die bereitgestellt werden. Und deshalb muss man halt privat auf Wohnungssuche gehen. Was ich empfehlen kann, ist wirklich mindestens ein halbes Jahr vorher schauen. Es wird einem auch an der Sapienza in Rom selber gesagt, wo man da gucken kann und wirklich einfach sich so ein bisschen in WhatsApp-Gruppen reinkriegen und dann findet man das auch heraus. Also, auf jeden Fall nicht aufgeben und früh genug starten.

studienwahl.de: Leonie, wie erlebst du jetzt das Studium an der ausländischen Hochschule? Welche Unterschiede hast du auch vielleicht zu deiner Heimathochschule in Tübingen festgestellt?

Leonie Oyen: Ja, also schon einige. Ich muss sagen, es ist wirklich ein komplett anderes System hier in Italien. Zum Beispiel die Vorlesungen sind viel frontaler, es gibt keine richtigen Seminare, wo man sich miteinander austauscht und auch bei den Prüfungen. Ich bin gerade in der Prüfungsphase. Es ist ganz anders. Man muss ganz viele Zahlen und Fakten auswendig lernen, die dann abgerufen werden bei der Prüfung. Da muss man sich auch erstmal darauf einstellen, dass man eben nicht mehr Hausarbeiten schreibt, die auf sehr spezifische Themen sich beziehen, sondern dass man zum Beispiel die Geschichte von einer gesamten Epoche wirklich komplett auswendig lernen muss. Aber ich meine, es ist auch eine Erfahrung und super spannend, einfach zu sehen, wie Universität hier gemacht wird. Und beides hat seine Vor- und Nachteile, meiner Meinung nach. Deswegen ist es schön, das mal zu erleben.

studienwahl.de: Wie ist die Unterrichtssprache? Ist es schwierig für dich, in einer Fremdsprache zu studieren?

Leonie Oyen: Weil unsere Universität so groß ist, gibt es auch viele englische Kurse, die wir belegen können. Viel Administratives ist dann doch auf Italienisch und das Englisch der Professoren ist manchmal auch etwas holprig. Aber ich würde sagen, mit so einer Mischung aus Englisch, Italienisch und einem Lächeln kommt man eigentlich ganz gut durch. Also, da muss man sich nicht so viele Sorgen machen, wenn man jetzt auch nicht so gut die Sprache kann.

studienwahl.de: Ja, sehr schön mit dem Lächeln! Freizeit, Kultur und man lernt ja sicherlich auch sehr viele neue Leute und andere Erasmus-Studierende kennen – kannst du das auch gut miteinander verbinden?

Leonie Oyen: Ja, also unterhalb des Semesters, vor allem in der Klausurenphase ist es dann eher das man zusammen lernen geht. Den ganzen Tag in der Bibliothek oder im Café. Aber das ist ja auch schön. Also Erasmus ist wirklich diese Gemeinschaft, von der immer viele schwärmen – das habe ich mir gar nicht vorstellen können, bevor ich selber ins Erasmus gegangen bin. Aber ich finde es wirklich unglaublich, wie sehr und wie schnell man mit allen in Kontakt kommt. Also man geht zu einer Erasmus-Veranstaltung. Es gibt hier nämlich so eine freiwillige Organisation, die heißen Erasmus Student Network und die organisieren jeden Abend eine Party quasi. Und dann gibt es auch sowas wie Pasta-Class oder am Wochenende einen Ausflug und da kann man einfach mit allen quatschen. Und dann hat man sofort gute Leute kennengelernt, mit denen man dann auch was machen kann außerhalb. Deswegen würde ich mir da nicht so viele Sorgen machen. Also es gibt immer wieder neue Chancen, Leute kennenzulernen. Und wenn man sich die Kurse gut legt, hat man auch viel Freizeit. Und es gibt ja auch genügend zu sehen und zu tun in Rom.

studienwahl.de: Ja, auf jeden Fall. Ich fand es damals tatsächlich so aus eigener Erfahrung ein bisschen schwierig, zu den Einheimischen Kontakt zu kriegen. Es war eher immer so diese Erasmus-Bubble, wie ist es da bei dir? Also triffst du auch Römerinnen und Römer? Oder Italienerinnen und Italiener?

Leonie Oyen: Man muss schon ein bisschen aktiver gucken, wenn man Italiener kennenlernen will. Also ich und meine Mitbewohnerin, wir gehen zum Beispiel immer lernen in der Bibliothek hier in der Nähe. Und das ist das philosophische Departement, wo nur Italiener sind. Und da haben wir tatsächlich Leute kennengelernt, die irgendwie immer zur selben Zeit wie wir da waren. Und da kam man halt ins Gespräch. Und dann haben die uns auch eingeladen zu ihrem Filmabend in der Universität. Und das war wirklich so, wie die Leute, die hier leben auch studieren. Also ich denke, wenn man sich da offen zeigt und auch viel unterwegs ist, dann kann man das auf jeden Fall auch schaffen.

studienwahl.de: Reist du auch durch Italien oder was machst du sonst noch so in deiner Freizeit?

Leonie Oyen: Ja, auf jeden Fall. Also ich würde schon sagen, Erasmus macht auch aus, dass man sehr aktiv ist. Es gibt einfach eine riesige Fülle von Aktivitäten. Eigentlich war ich überall. Ich war in Florenz. Ich war in Bologna. Ich war auf Capri. Ich war in Pompeji. Ich war in Neapel. Und die Züge in Italien sind hier wirklich sehr billig. Und wie gesagt, gibt es halt immer vom Erasmus Student Network das Angebot, wenn man mal niemanden hat, der mit einem zusammen fahren will, dann kann man sich da anmelden und dann setzt man sich in den Zug neben jemanden und dann ist es vielleicht schon eine neue Freundin. Also es ist auf jeden Fall sehr aktiv und mit dem Reisen auch schön.

studienwahl.de: Ach, da bekommt man gleich Lust, das selbst noch mal zu machen. Katharina, wie geht es dir damit? Du hast ja täglich mit diesen Themen zu tun. Welche Fragen und Herausforderungen begegnen Erasmus-Studierenden denn und wie werden diese gemeistert? Wie sind da deine Erfahrungen?

Katharina Ritz: Die größten Herausforderungen, denke ich, sind natürlich erst mal im Vorfeld. Wir bekommen natürlich viele Anfragen vor dem Erasmus-Aufenthalt und da ist häufig eine große Sorge der Studierenden der finanzielle Aspekt. Dann natürlich auch das Thema Unterkunft, was wir jetzt schon gehört haben oder auch die Sprachvoraussetzungen. Da bekommen wir immer viele Anfragen dazu.

studienwahl.de: Und da helft ihr dann aber auch ganz konkret weiter.

Katharina Ritz: Ja und nein. Also wir helfen natürlich gerne, wenn es um die Fragen finanzieller Art geht oder auch Sprachvoraussetzungen, wie man sich zum Beispiel noch vorbereiten kann. Aber tatsächlich Thema Wohnraum ist eben so eine Sache, da können wir leider auch nur sehr begrenzt weiterhelfen, gerade jetzt auch in der Situation in Rom. Es gibt andere schöne Beispiele, wo wir auch eben auf unser Partnernetzwerk zurückgreifen können. Die Universität Tübingen ist ja auch Teil einer EU-Allianz. Also Rom ist da zum Beispiel auch eine Partner-Universität in unserer CIVIS-Allianz, nennt sich das Ganze. Und mit anderen Partner-Universitäten gibt es dann Vereinbarungen, dass die Partner-Universitäten ein bestimmtes Kontingent an Wohnheimsplätzen für unsere Tübinger Studierenden reserviert behalten.

studienwahl.de: Könntet ihr beide noch mal was zu dem Thema Finanzen sagen, was ja sicherlich nicht ganz unerheblich ist?

Leonie Oyen: Also jetzt aus der studentischen Perspektive ist das Geld natürlich immer ein bisschen knapp. Man wird schon finanziert vom Erasmus-Stipendium. Für drei Monate bekommt man da 600 Euro pro Monat und das ist schon echt nötig, das Geld. Also allein für die Miete geht hier in Rom das gesamte Geld drauf. Und ich denke, wenn man in einer sehr teuren Stadt lebt, dann sollte man sich vielleicht kümmern, dass man davor noch mal arbeiten geht oder irgendwie ein bisschen Geld anspart. Aber abgesehen davon kann man das auf jeden Fall schaffen, auch dank des Erasmus-Stipendiums, was wirklich richtig cool ist.

Katharina Ritz: Das ist schön zu hören, dass das Geld gut angenommen wird. Aus unserer Perspektive haben wir leider immer zu wenig Geld. Wir haben sehr viele Bewerberinnen an der Universität Tübingen, die ein Auslandssemester machen wollen. Und deshalb ist auch unsere Strategie, dass wir allen Bewerber*innen möglichst einen Auslandsaufenthalt ermöglichen wollen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch für uns, dass wir da leider mit der monatlichen Finanzierung ein bisschen zurückstecken müssen und können dann leider nicht so viele Unterstützungen anbieten, wie wir es gerne möchten und täten. Was vielleicht noch ganz schön ist, was ich auch noch gerne erwähnen würde: Leonie hat schon diese monatliche Rate oder monatlichen Zuschuss angesprochen von 600 Euro. Ich nenne das immer die Basisförderung. Es gibt dann aber jetzt auch noch die sogenannten Top-Ups. Also man kann, wenn man in eine bestimmte Gruppe Studierender gehört, wenn man zum Beispiel mit Kind ins Ausland gehen möchte oder eine chronische Erkrankung hat, nebenher erwerbstätig ist oder Erst-Akademiker, dann kann man noch eine Zusatzförderung beantragen. Das finde ich eine ganz schöne Möglichkeit. Und dann das andere Top-Up, das es auch noch gibt: Ich weiß nicht, Leonie, ob du das gemacht hast, das sogenannte Green-Top-Up.

Leonie Oyen: Ja!

Katharina Ritz: Das bedeutet, wenn man mit einem nachhaltigen Transportmittel angereist ist, bekommt man auch noch mal ein bisschen zusätzliches Geld.

studienwahl.de: Vielleicht nochmal an euch beide: Welche Tipps habt ihr für Studierende, die sich auf einen Erasmus+-Aufenthalt vorbereiten wollen? Und auch: Wie lässt sich die Erfahrung später beruflich nutzen?

Leonie Oyen: Mein Tipp, um sich gut vorzubereiten: Dass man vielleicht versucht, sich eine kleine Gruppe zusammenzustellen. Dass man nicht auf sich alleine gestellt ist und das auch schon bei der Planung. Also eine kleine Gruppe, die alle zusammen dieses Auslandssemester antreten und alle dieselben Probleme haben mit Wohnungssuche, mit Geld. Und dann fühlt man sich einfach nicht so alleine und irgendwie auch ein bisschen sicherer aufgehoben. Das ist auf jeden Fall mein Tipp.

Katharina Ritz: Also meine Tipps wären auf jeden Fall, dass man frühzeitig mit der Planung beginnt, dass man anfängt, sich zu informieren. Einmal in den Fachbereichen, gerne auch einfach mal schauen auf unseren Webseiten vom International Office, was wir anbieten: Infoveranstaltungen, offene Sprechstunden, einfach mal vorbeikommen, Fragen stellen. Und es gibt auch eine Webseite vom DAAD oder auch von studieren weltweit. Da findet man viele Testimonials von Studierenden, die schon im Ausland waren. Das ist immer ganz spannend, da auch die Berichte von den Ehemaligen zu lesen. Ich denke, das Berufliche später dann: Diese Netzwerke sind total wertvoll. Gar nicht nur fürs Berufliche, sondern auch einfach für das Private, Persönliche. Da kann man Jahre später noch davon profitieren und auch einfach dieses neue, die neue Umgebung, das Über-den-Tellerrand-hinausschauen ist einfach das, was das Erasmus-Programm so wertvoll für einen macht.

studienwahl.de: Ja, das ist doch wirklich eine gute Zusammenfassung. Ich kann das nur bestätigen. Also Erasmus war wirklich was fürs Leben. Dann danke ich euch beiden sehr für die Einblicke und für die vielen Infos. Und ich sag Tschüss nach Tübingen und Ciao nach Rom! Und vielen Dank, dass ihr da wart.

Katharina Ritz: Tschüss! Danke!

Leonie Oyen: Danke schön. Tschüss!

studienwahl.de: Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einmal Hörsaal-Luft im Ausland zu schnuppern, dann schau dich unbedingt auf studienwahl.de um. Dort findest du weitere Infos rund um Erasmus+, Auslandssemester sowie internationale Studienmöglichkeiten. Ob ein Semester, ein ganzes Jahr oder vielleicht sogar mehr – Wege ins Ausland gibt es viele. Und vielleicht ist genau dort der Ort, an dem dein Studium eine neue Richtung bekommt. Das war der Podcast von Studienwahl. Redaktion und Produktion: Dr. Nina Röder für den Meramo Verlag, im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.

In diesem Podcast bekommst du Einblicke in die Finanzierung von einem Studium und die verschiedenen Möglichkeiten wie BAföG, Nebenjobs, Stipendien und Studiendarlehen. Dazu geben Psychologiestudent Felix und Matthias Nowak vom Studierendenwerk Würzburg praktische Tipps.

Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: Der Studienwahl-Podcast – Wissenswertes für deinen Weg ins Studium

studienwahl.de: Hallo und herzlich willkommen zum Studienwahl-Podcast. Ein Studium eröffnet viele Möglichkeiten: mehr Freiheit, neue Erfahrungen und interessante Perspektiven. Doch eine wichtige Frage taucht dabei fast immer auf: Wie funktioniert das eigentlich mit der Studienfinanzierung? Ich bin Nina und in dieser Folge dreht sich alles ums liebe Geld. Wie lässt sich Studium und Job gut miteinander vereinbaren? Darüber spreche ich mit Felix, der Psychologie studiert, BAföG erhält und nebenbei jobbt. Außerdem zu Gast: Matthias Nowak vom Studierendenwerk Würzburg. Er gibt einen Überblick über die verschiedenen Wege der Studienfinanzierung. Hallo Felix, hallo Herr Nowak, schön, dass Sie da sind. Wir wollen uns ja heute zum Thema Studienfinanzierung unterhalten. Herr Nowak, vielleicht mal ganz grundsätzlich: Welche Möglichkeiten gibt es denn überhaupt, ein Studium zu finanzieren? Können Sie uns da einen kurzen Überblick geben?

Matthias Nowak: Ja, wenn man mal die Eltern weglässt, die natürlich in der Regel, wenn sie das können, zur Finanzierung beitragen, bleibt eigene Arbeit. Also ein Nebenjob, was sehr viele Studierende machen. Man kann BAföG beantragen, was leider relativ wenig Studierende tun, auch weil sie häufig falsch informiert sind. Es gibt noch die Möglichkeit, Studiendarlehen in Anspruch zu nehmen. Das ist aber tatsächlich etwas, was man nur dann empfehlen kann, wenn es wirklich gar keine andere Finanzierungsmöglichkeit mehr gibt. Und last but not least: Stipendien. Auch hier gilt: Viele machen sich darüber überhaupt keine Gedanken, obwohl sie vielleicht sogar infrage kämen.

studienwahl.de: Sie meinten jetzt auch, viele sind gar nicht gut informiert zum Thema BAföG, vielleicht auch abgeschreckt von diesem doch, glaube ich, langwierigen Prozedere.

Matthias Nowak: Na ja, man muss, wie mal ein Vater geschrieben hat, doch einige bunte Blätter ausfüllen, bis man mal einen BAföG-Bescheid kriegt. Aber es gibt eine gerade veröffentlichte interessante Studie des Fraunhofer Instituts, die also mal geguckt haben, was sind so die Hauptgründe, einen BAföG-Antrag nicht zu stellen. Und das ist zum einen Mal: Sie halten sich für nicht berechtigt, überhaupt BAföG zu bekommen. Das ist eine tatsächliche Fehleinschätzung, denn über 60 Prozent der Studierenden, die glauben, sie könnten wegen zu hohen Elterneinkommens kein BAföG bekommen, haben tatsächlich einen Anspruch. Und ein zweiter Punkt, der sehr wichtig ist: Viele haben Angst vor Verschuldung durch das BAföG, wissen aber dann tatsächlich nicht, dass zum einen nur die Hälfte des BAföG zurückgezahlt werden muss, die andere Hälfte ist geschenkt. Und dass es eine Darlehensobergrenze gibt. Niemand muss mehr als 10.010 Euro tatsächlich zurückzahlen.

studienwahl.de: Ja, Sie haben es jetzt schon angedeutet. Wer kann denn dann eigentlich BAföG bekommen und was sollte man dabei beachten?

Matthias Nowak: Also grundsätzlich würde ich jedem empfehlen, mal sich im Internet ganz kurz etwas schlau zu machen über die Grundvoraussetzungen. Also in der Regel kann jeder, der ein erstes Studium oder der im Anschluss an ein Bachelorstudium ein Masterstudium absolviert, BAföG bekommen. Die Berechnung selber ist relativ kompliziert. Insofern würde ich hier tatsächlich jedem empfehlen, einmal den Antrag zu stellen, sich einmal die Mühe zu machen, denn so kann man am einfachsten rausfinden, ob ein Anspruch besteht oder nicht. Und selbst wenn am Ende nur 150 oder 200 Euro monatlich rauskommen, das ist das doch auch ein Betrag, der helfen kann, ein Studium mitzufinanzieren. Und er ist zur Hälfte geschenkt und das vielleicht auch noch als eines der Ergebnisse dieser Untersuchung des Fraunhofer Instituts: Viele Studierende, der Großteil der Studierenden schätzt tatsächlich auch ihren eigenen BAföG-Anspruch viel zu niedrig ein. Das heißt, häufig kriegt man mehr, als man tatsächlich erwartet hat.

studienwahl.de: Danke für die Einordnung und für diese spannenden Erkenntnisse. Felix, Wie finanzierst du denn jetzt dein Studium?

Felix: Ich kriege, seitdem ich studiere, auch BAföG, und das war am Anfang ein bisschen weniger. Und auch diese 100 Euro, von denen so ein bisschen gesprochen wurde, die haben auch schon richtig viel geholfen. Dann bin ich aber umgezogen und zurzeit sieht es so aus, dass ich halt BAföG erhalte und auch tatsächlich relativ viel, also so, dass ich auch davon gut leben kann. Und ich habe on top halt auch noch diesen Minijob, den ich dazu haben kann, dass ich einfach so ein bisschen noch mal mehr Geld dazu kriege.

studienwahl.de: Was machst du da für einen Job?

Felix: Ich arbeite bei Aldi. Also ich räume die Regale ein und aus und da gefällt es mir momentan am besten.

studienwahl.de: Und was sind denn deine monatlichen Fixkosten?

Felix: Also ich wohne in Gießen und meine Miete beträgt so 350 Euro. Dann zahle ich ungefähr so 200 € fürs Essen pro Monat. Ich habe auch ein eigenes Auto, also ich habe so ungefähr 800 Euro Fixkosten und dann, wenn ich vielleicht mal irgendwie ins Kino oder so gehe, das kostet dann auch noch was. Aber das passt. Also ich kriege vom BAföG zurzeit um die 650 Euro plus meine 500 Euro von diesem Minijob. Das heißt, ich bin so bei 1.150 Euro. Also ich habe auf jeden Fall einen Überschuss und das hilft auch gerade in Monaten, wo ich irgendwie mal eine Durststrecke oder so habe.

studienwahl.de: Herr Nowak, was ist denn beim Thema Nebenjob wichtig, etwa in Bezug auf Arbeitszeit oder Verdienstgrenzen?

Matthias Nowak: Fürs BAföG ist eigentlich nur die Verdienstgrenze relevant. Da hat man jetzt bei der letzten Gesetzesänderung einen Automatismus ins Gesetz übernommen, der dafür sorgt, dass letztendlich ein Verdienst innerhalb der Minijobgrenzen im BAföG immer anrechnungsfrei bleibt. Das Schöne daran ist: Im Rahmen des BAföG spielt es keine Rolle, wie sich das Geld oder das Einkommen über die einzelnen Monate verteilt, sondern es wird immer für den sogenannten Bewilligungszeitraum, also den Zeitraum, für den ein BAföG-Bescheid Geltung hat, die Gesamtsumme genommen. Und solange die eben den Betrag, der sich aus dem Minijob ergibt, nicht übersteigt. Im Moment sind das, glaube ich, 6.672 Euro. Solange der nicht überstiegen wird, ergibt sich auch keine Anrechnung.

studienwahl.de: Und Felix, du hast es jetzt schon ein bisschen angesprochen. Das klingt so, dass du mit deinem Geld ganz gut auskommst oder musst du sehr sparsam leben?

Felix: Also, es kommt so ein bisschen darauf an, ohne BAföG, muss ich sagen, könnte ich gar nicht jetzt irgendwie von zu Hause ausgezogen sein und das Traumstudium machen, was ich will. Aber ich muss tatsächlich schon sehr auf das Geld achten und vor allem – und das ist echt schwierig – irgendwie halt langfristig planen, weil wenn irgendwie zum Beispiel das BAföG-Amt mir das Geld nicht rechtzeitig zahlt und ich dann so ein paar Monate in Verzug komme, dann muss ich ja weiterhin leider halt Essen holen und auch meine Wohnung bezahlen. Das muss man so ein bisschen leider mit einkalkulieren.

studienwahl.de: Aber wie kommt es da zu dem Verzug? Noch mal zum Verständnis: Also wird es nicht immer zu einem bestimmten Fixtermin überwiesen oder resultiert es daraus, dass man das immer wieder neu beantragen muss?

Felix: Also sobald dieser Bewilligungszeitraum akzeptiert wurde, klappt es auch wunderbar. Also, dann schickt das BAföG-Amt auch immer zu einem festen Termin. Ich glaube das ist immer Ende des Monats, und dann hat man sozusagen keine Sorgen für diesen Zeitraum. Problem sind nur immer die Zwischenzeiten. Also, ich glaube auf den Homepages wird auch immer geschrieben, man soll sich so zwei, drei Monate vorher melden, dass das bündig mit einhergeht. Aber sobald man irgendwie da ein paar Probleme hat oder Dokumente noch mal erneut hochladen muss, kann es sein, dass dieser Bewilligungszeitraum sich super verspätet und das kann dann auch echt mal Monate sein. Was ich dazu sagen muss: Wenn dann der Bewilligungszeitraum akzeptiert wurde, zahlt BAföG auch das Geld rückwirkend. Also, das finde ich echt richtig, richtig gut.

studienwahl.de: Kennen Sie diese Problematik auch, Herr Nowak, aus Ihrer Beratungstätigkeit oder haben Sie da noch was zu ergänzen?

Matthias Nowak: Da könnte man stundenlang erzählen. Also Fakt ist: Tatsächlich BAföG wird in der Regel immer für 2 Semester, also 1 Jahr bewilligt, in der Regel eben von Oktober bis September des Folgejahres beziehungsweise von April bis März des Folgejahres. Das sind die Termine der Semesterzeiten bei uns in Bayern. Das hat natürlich zur Folge, weil ein Großteil der Studierenden im Herbst mit dem Studium beginnt, dass wir gerade eben im Oktober dann auch in Richtung Weihnachten 80 Prozent unserer Arbeit kriegen oder 80 Prozent der Anträge, die wir dann abarbeiten müssen. Und das ist natürlich ein Problem. Der Gesetzgeber kennt dieses Problem. Deswegen gibt es im Rahmen des BAföG die sogenannte Weiterleistung. Das heißt, es gibt einen Passus im Gesetz, der festlegt, wenn ein Bewilligungszeitraum endet. Und der Studierende hat 2 Monate vor dem Ende dieses Bewilligungszeitraums einen – und das ist häufig das Problem, im Wesentlichen – vollständigen Antrag eingereicht, dann hat er Anspruch darauf, dass die Zahlungen nahtlos weiterlaufen. In der Regel, wenn der neue Bescheid noch nicht erstellt werden kann, zahlen wir einfach den alten Bewilligungsbetrag unter Vorbehalt weiter und sorgen damit dafür, dass zumindest Geld fließt und rechnen das dann, wenn der neue Bescheid erstellt wurde, einfach miteinander ab. Kleiner Tipp: Es gibt häufig auch die Möglichkeit – zumindest wir in Würzburg haben das und ich weiß, dass auch andere Studierendenwerke das haben –, wenn es zu Verzögerungen kommt, beim BAföG kurzfristige Darlehen in Anspruch zu nehmen, die bei uns in Würzburg tatsächlich auch kostenfrei sind. Das heißt, wir zahlen aus Studentenwerks-Mitteln dann mal einen Betrag als Abschlag, bis die reguläre BAföG-Zahlung eintrifft. Wichtig ist: grundsätzlich möglichst frühzeitig immer um den Antrag kümmern, damit es eben solche Verzögerungen nicht gibt.

studienwahl.de: Ja, vielleicht war das ja ein ganz guter Tipp für dich auch, Felix, und für alle, die uns zuhören. Noch mal zu einer anderen Möglichkeit, die Sie angesprochen haben, Herr Nowak, das Thema Stipendien. Für wen kommen denn Stipendien infrage und wo kann man sich da bewerben?

Matthias Nowak: Das ist ein sehr vielfältiges Feld. Stipendien gibt es von nahezu allen gesellschaftlichen Gruppen. Das fängt an bei den Stipendienorganisationen der Parteien. Jede Partei hat ihre parteinahe Studienstiftung – das geht über die Kirchen, über die Gewerkschaften bis hin zu einzelnen Industrieunternehmen, die Stipendien vergeben. Je nachdem, wer hinter einem solchen Stipendium steht, hängt es auch immer davon ab, was so die Voraussetzungen sind, um das Stipendium zu bekommen. Natürlich sollte man gute Studienleistungen haben, aber genauso wichtig wie die Studienleistungen ist auch, ob der Student ein gesellschaftliches, politisches, soziales Engagement zeigt. Und diese Dinge spielen eine genauso große Rolle wie die Studienleistungen. Und das übersehen viele und machen sich da tatsächlich keine Gedanken darüber, sich mal umzusehen, ob ein Stipendium infrage kommt. Für die Informationen bezüglich der Stipendien sollte man am besten schauen auf der Webseite der Hochschulen, denn da sind die Organisationen aufgelistet mit den jeweiligen Vertrauensdozenten. Und die können dann genauer Auskunft darüber geben: Was sind die Voraussetzungen? Wie läuft das Bewerbungsverfahren?

studienwahl.de: Danke für die Einordnung. Wäre das, Felix, für dich vielleicht auch eine Möglichkeit? Hattest du schon mal über ein Stipendium nachgedacht?

Felix: Also nachgedacht habe ich schon mal über ein Stipendium. Aber es war dann immer, dass ich mir unsicher war, wo ich mich überhaupt melden kann. Deswegen fand ich, war der Tipp jetzt ganz gut, dass man zu Dozenten hingehen kann, dass man da so die Infos herkriegt. Aber ich glaube tatsächlich, dass ich nicht ganz von den Studienleistungen da reinpasse. Ich glaube, das wäre leider keine Möglichkeit, aber ich glaube, es bringt immer was, wenn man sich trotzdem einliest und es wenigstens probiert. Weil so war das beim BAföG bei mir auch. Am Anfang dachte ich, ich kriege kein BAföG, was ja auch so ein bisschen am Anfang angeklungen ist, und schlussendlich kriege ich ja BAföG.

studienwahl.de: Ja, also wir haben bisher schon gemerkt, das Thema Studienfinanzierung ist ein vielschichtiges Feld und es lohnt sich, da tiefer einzusteigen. Sicherlich ist auch ein wichtiges Thema: Ressourcen. Also du musst ja auch Studium und Nebenjob gut vereinbaren können. Wie gelingt es dir, Studium und Nebenjob unter einen Hut zu bringen? Hast du vielleicht Tipps für gutes Zeitmanagement oder Stressvermeidung?

Felix: Oh, das ist sehr schwierig. Also, ich habe mehrere Jobs jetzt schon gehabt. Man muss halt ein bisschen gucken, dass man irgendwie natürlich das Studium unter einen Hut kriegt und dann halt auch noch irgendwie auf der Arbeit abklären kann, dass man an gewissen Tagen halt nicht kann aufgrund des Studiums oder dass man dann auch nicht zu spät arbeitet. Also ich kenne viele Freunde, die auch in der Gastronomie arbeiten und dann abends kellnern, und das wäre irgendwie gar nicht so was für mich. Also ich glaube, man muss einfach relativ offen mit seinem Arbeitgeber darüber reden. Ich finde, es erzeugt auch irgendwie total Stress und das zieht auch Nerven, wenn man irgendwie kein Geld hat oder Geldnöte. Und dann hilft es mir eher, halt noch einen Nebenjob zu machen, dass ich die Sorge praktisch nicht habe und das dann versuchen, irgendwie zu managen, dass das doch unter einem Hut halt funktioniert.

studienwahl.de: Ja, Herr Nowak, haben Sie dem noch was hinzuzufügen? Oder allgemein, wie sich Studierende oder Studieninteressierte beraten lassen können, wenn sie Fragen zum Thema Studienfinanzierung haben?

Matthias Nowak: Erst mal zu dem, was gerade angeklungen ist. Ich habe tatsächlich mein Studium zum Teil in der Gastronomie in der Nacht hinter der Theke verdient. Ja, es ist stressig, aber ich glaube, es zeigt auch oder es hilft, mit jedem Nebenjob neben dem Studium etwas zu lernen, nämlich seine Zeit richtig einzuteilen. Das ist ein Soft Skill und derjenige, der vielleicht nicht jobben muss neben dem Studium, dem entgeht dieser Erwerb dieser Soft Skills. Ansonsten kann man immer nur raten, wer jobben will: Wenn es eine Möglichkeit gibt, sollte man versuchen, sich einen Nebenjob zu suchen, der vielleicht irgendwo mit dem Studium zu tun hat. Im Idealfall vielleicht tatsächlich ein Hiwi-Job an der Uni an einem Lehrstuhl. Da ergeben sich auch entsprechende Synergien. Wer sich generell zum Thema Studienfinanzierung informieren will: Ansprechpartner sind die Studierendenwerke mit Ausnahme des Landes Rheinland-Pfalz. Da sind die BAföG-Ämter direkt bei den Universitäten beheimatet. Wir versuchen auch gerade im Rahmen der Erstsemester-Einführungsveranstaltungen, präsent zu sein auf den entsprechenden Messen mit Ständen, wo man uns ansprechen kann. Ansonsten gilt immer: Fragen kostet nichts. Die Studierendenwerke sind eben genau dafür da, um den Studierenden in allen sozialen Fragen zu helfen. Und wer bei uns anfragt, der kriegt eine Antwort.

studienwahl.de: Das ist doch ein wunderbares Schlusswort. Ich danke Ihnen sehr für die Zeit. Vielen Dank fürs Mitmachen und die Einblicke, doch auch sehr privaten Einblicke rund ums Thema Finanzierungsmöglichkeiten im Studium. Vielen Dank.

Matthias Nowak: Ja, gerne geschehen.

Felix: Ja, danke.

studienwahl.de: Das war's für heute mit unserer Folge zum Thema Studienfinanzierung – So klappt's mit dem Geld im Studium. Ich hoffe, du konntest hilfreiche Tipps für deinen eigenen Weg mitnehmen. Denk dran, wer frühzeitig plant, sich über verschiedene Optionen informiert und sich bei Unsicherheiten Unterstützung holt, ist klar im Vorteil. Wenn du noch mehr wissen möchtest: auf studienwahl.de findest du zahlreiche Infos rund um BAföG, Stipendien, Nebenjobs und andere Wege, dein Studium zu finanzieren. Zum Beispiel im Beitrag Finanzierungsmöglichkeiten. Das war der Podcast von studienwahl de. Redaktion und Produktion: Dr. Nina Röder für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.

In diesem Podcast hörst du von Studentin Anne Kochs, inwiefern KI Teil des Studienalltags und Studiengangs ist. Dazu berichtet Ricardo Knauer aus Sicht eines Lehrenden, wie KI im Studium unterstützen kann und wo ihr Einsatz sinnvoll ist.

Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: Der Studienwahl Podcast – Wissenswertes für deinen Weg ins Studium.

studienwahl.de: Das Thema KI ist in aller Munde. Künstliche Intelligenz – sie begegnet uns inzwischen allen im Alltag. In sozialen Medien, Messenger-Apps, aber auch in der Schule oder im Beruf. Und natürlich gibt es sie auch an Hochschulen und Universitäten. Deshalb beleuchten wir bei Studienwahl in diesem Monat das Thema „KI im Studium“. Ich heiße Anne und möchte heute erfahren, welche Rolle die KI dort inzwischen spielt. Darüber spreche ich mit der Studentin Anne Kochs von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. An der HTW Berlin gibt es seit einigen Jahren im Rahmen eines Forschungsprojekts auch eine sogenannte KI-Lehrwerkstatt. Ricardo Knauer ist als Lehrender Teil dieses Projekts und wird uns erklären, was das überhaupt ist.

studienwahl.de: Hallo Anne, hallo Ricardo, schön, dass ihr dabei seid! Anne, was studierst du denn genau?

Anne Kochs: Ich studiere ein Fach, das nennt sich Ingenieurinformatik, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin wird das angeboten, und ist quasi so ein Mix aus Informatik und Maschinenbau.

studienwahl.de: Und wieso hast du dich für diesen Studiengang entschieden?

Anne Kochs: Ich glaube, es war vor allem die Mischung. Ich habe davor was ganz anderes studiert – Psychologie. Habe aber während Corona dann gemerkt, meine Interessen liegen woanders und mich dann informiert und den Studiengang Ingenieurinformatik gefunden und fand es super spannend, dass ich in dem Studiengang mich erst mal nicht so richtig entscheiden muss, ob es jetzt Maschinenbau oder Informatik wird, sondern einen sehr schönen Einblick in beides bekomme.

studienwahl.de: Welche Rolle spielt denn KI jetzt in deinem Studium?

Anne Kochs: Ich würde sagen, in den Grundlagenfächern noch keine so große Rolle, weil man gerade in den ersten Semestern im Studium schon erst mal vor allen Dingen lernt: Wie programmiere ich eigentlich, wie berechne ich überhaupt irgendwelche Statiken oder so? Aber dadurch, dass es jetzt generative KI gibt, die ja auch für jeden zugänglich ist, spielt es eine immer größere Rolle. Also ich merke auch, ich habe das Tutorium geleitet für Programmierung 1 und 2, also für die Studentinnen die gerade erst ganz neu anfangen, auch mit der Programmierung zu tun zu haben. Und für die ist das mittlerweile gang und gäbe, KI zu nutzen. Also zum Beispiel ChatGPT, das was, sage ich mal, jede oder jeder kennt, um die Studieninhalte zu lernen. Das heißt, es ist eigentlich mittlerweile von Anfang an großer Bestandteil im Studium, wenn auch nicht direkt im Lehrplan. Sondern es wird eher genutzt, um Aufgaben zu lösen, um zu lernen. Und ein guter Umgang damit wird auch von vornherein beigebracht. Und in den höheren Semestern hat man dann die Möglichkeit, sich zu vertiefen und da spielt KI eine sehr viel größere Rolle. Also da gibt es Vertiefungsmodule, in denen man zum Beispiel Bildverarbeitung mit KI, mit Machine Learning und so weiter und so fort lernen kann, die Modelle lernen kann, lernen kann, wie das überhaupt funktioniert. Das ist ja oft immer so ein bisschen eine Blackbox, man nutzt es und weiß gar nicht, wie kommt es eigentlich zustande und wie funktioniert es? Und im weiteren Verlauf des Studiums gibt es viele Möglichkeiten, sich da zu spezialisieren oder das Wissen zu vertiefen.

studienwahl.de: Und nutzt du jetzt für deine Abschlussarbeit auch in irgendeiner Form KI?

Anne Kochs: Absolut. Ja. Also natürlich nutze ich auch KI, um Fragen zu stellen. Das ist oft eine sehr schnelle Variante, aber ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit über die Anwendung von KI-Modellen, die Zellen segmentieren. Das bedeutet: Zellen erkennen und bestimmen können. Das ist Zelle A, das ist Zelle B und da ist der Zellkern von Zelle A und da ist der Zellkern von Zelle B und da gibt es unterschiedliche Modelle und die untersuche ich gerade.

studienwahl.de: Sehr spannend. Ricardo Wie kann denn aus deiner Sicht KI im Studium unterstützen?

Ricardo Knauer: Ja, ich denke, Anne hat da schon sehr schöne Beispiele genannt. Also ich sehe auch, dass KI immer mehr wirklich von Studierenden genutzt wird – auf ganz verschiedene Arten und Weisen. Ich glaube, KI kann eine sehr tolle Lernhilfe zum Beispiel sein, bei komplexen Rückfragen, bei Themen, die man in der Vorlesung noch mehr vertiefen wollen würde. Da kann KI quasi als eine Art Tutor agieren und Fragen zu Inhalten beantworten. Es kann schwere Inhalte relativ einfach zusammenfassen. Komplexe Studien zum Beispiel in Literaturrecherche kann es helfen, wenn Studierende quasi Inhalte suchen zu spezifischen Themen, liefert KI wahrscheinlich nicht den finalen Überblick, aber einen ersten Überblick über das Feld. Und ich denke auch, in Bereichen wie der Ingenieurinformatik, was auch Anne gemeint hatte, kann es natürlich auch bei dem Programmieren helfen, bei dem Lösen oder zumindest bei anderen Blickwinkel auf mathematische Aufgaben usw. Also ich glaube gerade durch das Aufkommen der generativen KI, so seit 2022, hat sich glaube ich extrem viel getan. Da sehe ich ganz, ganz tolle Entwicklungen.

studienwahl.de: Aber siehst du es auch kritisch?

Ricardo Knauer: Ja, auf jeden Fall. Also ich denke es bilden sich durch KI ganz, ganz tolle Möglichkeiten heutzutage. Aber KI hat natürlich auch Limitierungen und Schwächen und da kennt man natürlich auch schon viele. Also KI-Systeme können sich einfach Sachen ausdenken, zum Beispiel wenn sie gewisse Dinge nicht wissen. Früher war das noch ein großes Problem, wenn man zum Beispiel Literatur gesucht hat und sich die KI-Systeme einfach irgendwelche Quellen ausgedacht hat, die es eigentlich gar nicht gab. Andere Beispiele sind zum Beispiel die Privatsphäre. Man sollte wissen, dass gewisse KI Systeme von kommerziellen Anbietern natürlich nicht Privatsphäre garantieren, also man keine sensiblen Daten hochladen sollte, usw. Da gibt es ganz, ganz viele Schwächen und Limitierungen der Systeme. Ich bin Teil der KI-Werkstatt einer HTW Berlin und wir entwickeln, sage ich mal, auch Lehrkonzepte, um KI wirklich in die Breite zu tragen, weil wir eben denken, dass KI wirklich eine extrem wichtige Kompetenz ist und bei dem, was wir auch anbieten als Module, Bausteine und so weiter ist aber auch ein ganz großes Anliegen zu zeigen, wo eben diese Limitierungen liegen, dass man die Systeme auch wirklich gut und reflektiert nutzen kann. Das ist, glaube ich ganz, ganz wichtig.

studienwahl.de: Du sprichst sie selbst gerade an? Was ist denn eine KI-Lehrwerkstatt? Was kann ich mir darunter vorstellen? Eine Werkstatt im klassischen Sinne wahrscheinlich nicht, oder?

Ricardo Knauer: Also es ist keine Werkstatt im eigentlichen Sinne. Wir sehen uns eigentlich so, dass wir die KI-Nutzung an der HTW Berlin wirklich fördern und begleiten wollen, bei ganz vielen verschiedenen Projekten in allen möglichen Studiengängen. Und dazu haben wir eigentlich verschiedene Angebote, die wir bereitstellen. Unser erstes Angebot ist: Wir bieten eine Infrastruktur. Das heißt, bei verschiedenen KI-Projekten wie dem, was Anne zum Beispiel gerade macht, stellen wir einfach Möglichkeiten bereit, dass Studierende Infrastruktur von uns nutzen können. Das kann sowas sein wie Laptops, das kann Zugang zu unserem Hochleistungsrechen-Cluster sein. Das kann Zugang zu Sprachmodellen sein, die bei uns auch lokal an der HTW laufen, die von Studierenden auch genutzt werden können. Das ist so der eine große Faktor. Andererseits erforschen wir auch KI für die Lehre. Das heißt, wir haben zum Beispiel in Forschungsgebiet an der KI-Werkstatt, wo wir KI-Anwendungen entwickeln, die personalisierte Lernpfade in Selbstlernblöcken für Studierende vorschlagen. Wir haben auch einen Chatbot bereitgestellt für das Studierenden-Service-Center zum Beispiel, also KI für die Lehre ist so ein anderer großer Block. Und ein 3. großer Block ist eigentlich, dass wir KI in der Lehre anwenden wollen oder KI in die Lehre bringen wollen. Und da bieten wir eben Module an, wir bieten Lehrbausteine an, wir haben ABEs zum Datenverständnis angeboten und bieten natürlich auch Konsultationen an für auch Lehrende, sind quasi Anlaufstelle, dass Leute auch zu uns kommen können und Rückfragen zu KI bezogenen Fragestellungen an uns weiterleiten können.

studienwahl.de: Wie ist denn die Resonanz zu diesem Projekt bisher?

Ricardo Knauer: Also der Bedarf ist gerade sehr, sehr hoch, haben wir das Gefühl. Also seit Projektbeginn, wenn wir jetzt nur auf diese kleinen Lehrbausteine gucken, die wir entwickelt haben, konnten wir die zum Beispiel in über 50 Veranstaltungen anbringen. Das heißt, wir sind wirklich ganz groß in den Austausch mit Lehrenden gegangen, haben uns zusammengesetzt, geguckt, wo sind Bedarfe, also was macht wirklich Sinn zu entwickeln mit Bezug zu KI? Ja und sind dann zu ganz vielen Lehrveranstaltungen gegangen, waren quasi Gastdozenten und haben wirklich versucht, KI in der Breite zu verankern. Und der Bedarf ist riesig aus meiner Sicht. Wir bieten auch regelmäßig jetzt andere Workshops an, also haben quasi auch gewisse Sachen schon fest etabliert, zum Beispiel am Berliner Zentrum für Hochschullehre, wo wir auch direkt Dozierende, Lehrende begleiten, selber KI in ihre eigene Lehre zu implementieren.

studienwahl.de: Anne, wie sehen denn deine Berührungspunkte zur KI-Lehrwerkstatt aus?

Anne Kochs: Ich habe im 5. Semester das Modul Bildverarbeitung belegt, von dem ich auch eben gesprochen hatte und habe da ein Projekt umgesetzt, was aus meinen eigenen Interessen kam. Und zwar reite ich schon, seitdem ich klein bin und wollte herausfinden, ob so aktuelle Modelle in der Bildverarbeitung eigentlich in der Lage sind, Pferde zu unterscheiden und konnte da die KI-Werkstatt nutzen. Das hat mir sehr geholfen, Datenaustausch zu haben, innerhalb der Werkstatt auch einfach einen Raum zu haben, in den wir reingehen können. Orte, wo man weiß, ich kann mir auch einen Laptop ausleihen, es gibt Bildschirme, es gibt Stehschreibtische, genau. Ein Austauschort. Und da habe ich das Projekt durchgesetzt und konnte ganz gut nachweisen, dass KI schon in der Lage ist, Pferde zu unterscheiden. Es hat sehr viel Spaß gemacht und das war einer der Berührungspunkte. Und jetzt in der Bachelorarbeit natürlich auch.

studienwahl.de: Was würdet ihr denn Interessierten jetzt mitgeben? Also ich habe schon herausgehört, für Studierende: Die Tools immer mit Bedacht nutzen, aber gerne nutzen, reflektiert darauf gucken, welche Gefahren sie vielleicht auch beinhalten. Was würdet ihr noch sagen?

Ricardo Knauer: Ja, ich glaube, das sind schon 2 sehr gute Punkte. Ich sehe eigentlich auch 2 große Gruppen: von Studierenden und von Lehrenden. Also ich glaube, für die eine Gruppe ist es ganz wichtig, einfach die Tools wirklich zu nutzen. Es gibt glaube ich, immer noch eine relativ große Gruppe an Personen, die vielleicht noch Bedenken hat, die Tools zu nutzen oder einfach noch nicht dazu gekommen ist oder vielleicht denkt, dass es für sie gar nicht relevant ist. Also ich glaube, für ganz viele ist es wichtig, einfach das mal zu versuchen, weil es kann im Grunde nicht viel schiefgehen, wenn man es für einfache Fragestellungen benutzt. Ich glaube, der Schritt, es einfach mal für sich zu testen. Der ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, weil für einige Fragestellungen wird KI vielleicht nicht die beste Lösung sein, aber für sehr viele eben schon. Und ich denke, das zu testen, das lohnt sich auf jeden Fall. Und wie du auch schon richtig gesagt hast, ich glaube, der andere Punkt ist eben dann, sich bewusst zu machen, dass es eben wirklich auch Limitierungen gibt. Also wirklich immer kritisch zu hinterfragen: Kann ich Daten mit KI-Anwendungen teilen, zum Beispiel? Sollte ich persönliche Sachen hochladen zu KI-Anwendungen und auch ist der Auftritt, also die Ausgabe dieser KI Systeme wirklich immer das, wie ich es auch haben möchte und erwarten würde? Und da einfach einen kritischen Blick drauf zu haben, weil wir wissen aus der Praxis, dass das nicht immer der Fall sein muss. Die Systeme können manchmal falschliegen, sie können sich manchmal Sachen ausdenken, sie können manchmal Stereotype wiedergeben, also Vorurteile, die wir auch in der Gesellschaft haben usw. Also ich glaube, der kritische Blick, aber auch das Trauen ist ganz, ganz wichtig.

studienwahl.de: Anne, möchtest du noch was ergänzen?

Anne Kochs: Ja, sehr gerne. Ich glaube, aus so einer Studentinnenperspektive finde ich vor allen Dingen das gute alte Mittelmaß sehr wichtig. Also gerade im Lernen der Grundlagen sollte man keinen falschen Stolz oder auch keine falsche Angst davor haben, das zu benutzen und als Unterstützung zu nutzen, aber gleichzeitig sich auch nicht zu sehr darauf zu verlassen, weil gerade im Lernen der eigenen Fähigkeiten es doch sehr wichtig ist, auch manche Fehler selbst zu machen. Sonst fragt man bei den immer gleichen Fragen auch immer wieder die KI für dieselben Themen. Zum Beispiel gibt es sowas wie Github Copilot, also eine Assistenz beim Programmieren, die automatisch Programmcode erweitert. Also sie erkennt schon innerhalb der ersten 2 geschriebenen Wörter meistens, was man eigentlich schreiben will und man muss nur zweimal die Tab-Taste drücken, damit der ganze Programmcode steht. Und gerade am Anfang, wenn man die kompletten Basics quasi in der Programmierung lernt, ist das natürlich in der Abgabe der Übung eine sehr schnelle Lösung. Aber häufig fehlen diese Kenntnisse dann später im weiteren Verlauf und auch die Übung und das sehe ich als eine Gefahr im Lernprozess an sich. Und darauf sollte man auf jeden Fall achten. Und noch so 2, 3 kleine Tipps im Umgang mit generativer KI wie ChatGPT oder auch Claude oder so immer wieder zu erinnern, kurze Antworten zu geben. Weil häufig kriegt man sehr viele Informationen, nach denen man gar nicht gefragt hat. Und dass man auch nicht verlernt, selber zu lesen. Also auch selber mal Paper durchzulesen, auch selber zu versuchen, Texte zu übersetzen. Es gibt mittlerweile KI, wo man einfach Texte reinkopieren kann und man hat es komplett auf Deutsch übersetzt oder halt auch auf die Muttersprache. Und trotzdem finde ich sehr wichtig, das selber zu lernen, in einer anderen Sprache auch zu lesen und auch zu schreiben und das nicht eine KI komplett machen zu lassen.

studienwahl.de: Ja, gerade weil dann ja auch Übersetzungsfehler entstehen können.

Anne Kochs: Absolut.

Ricardo Knauer: Ich denke, das ist auch ein sehr guter Punkt, was Anne gerade noch mal gemeint hat. Es gibt ja auch manchmal die Diskussion: Fallen jetzt Kompetenzen weg für uns, wo es jetzt diese tollen Tools gibt, die wir wirklich nutzen können. Und ich glaube, die Antwort ist ganz oft: nicht wirklich. Weil es braucht halt wirklich die Fachkenntnis, um auch die Ausgaben der KI einschätzen zu können. Wenn ich mir Code generieren lasse zum Beispiel oder Programmiercode generieren lasse, muss ich zumindest auch wissen: Ist der Code so plausibel? Gibt es da vielleicht Fehler drin, die bedenklich sein könnten? Ist der Code sicher? Usw. Also ich glaube ganz viele Kompetenzen fallen gar nicht weg, auch wenn es manchmal diskutiert wird. Und wie Anne auch gemeint hat, es bleibt halt ganz, ganz wichtig, selber auch den Prozess zu durchlaufen, glaube ich, selber auch eine sehr große Fachkenntnis aufzubauen, um die KI wirklich bestmöglich nutzen zu können. Also ich glaube, das fällt nicht weg. Auch wenn es oft in der Diskussion ist.

studienwahl.de: Dann bedanke ich mich recht herzlich.

Ricardo Knauer: Ich glaube, wir haben zu danken. Vielen Dank für die Einladung.

Anne Kochs: Vielen Dank!

studienwahl.de: Wenn ihr noch mehr zum Thema KI im Studium erfahren wollt, findet ihr neben dieser Podcastfolge noch weitere spannende Beiträge auf studienwahl.de. Ein Professor, der in einer deutschlandweiten Studie zur Nutzung von KI-Tools im Studium geforscht hat, beantwortet beispielsweise im neuen Studienwahl-Interview unsere Fragen. In der Studienreportage erfahrt ihr etwas über den Studiengang "Künstliche Intelligenz und Data Science" an der Uni Würzburg. Das war der Podcast von studienwahl.de. Redaktion und Produktion: Anne Kreitlein für den Meramo Verlag, im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.

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