Ihr Kind befindet sich aktuell in einer Ausbildung und Sie haben das Gefühl, dass etwas nicht stimmt? Wirkt Ihr Kind beispielsweise unmotiviert und geht morgens ungern aus dem Haus? Häufen sich die Fehlzeiten oder verschlechtern sich die Prüfungsergebnisse? Erfahren Sie, woran Sie erkennen, dass Ihr Kind an Abbruch oder Wechsel denkt und wie Sie es dabei unterstützen können.

Ausbildungswechsel oder Abbruch: So können Eltern helfen
Inhalte der Seite:
Unzufrieden mit der Ausbildung – daran erkennen Sie es
Folgende Indizien können dafürsprechen, dass Ihr Kind sich in der Ausbildungsstätte oder in der Berufsschule nicht wohlfühlt:
Ihr Kind
- negativ:ist häufiger krank als früher
- negativ:kommt regelmäßig zu früh nach Hause
- negativ:hat unverhältnismäßig viele freie Tage
- negativ:muss zahlreiche Überstunden leisten und scheint kaum Freizeit zu haben
- negativ:beschwert sich über eine schlechte Arbeitsatmosphäre
- negativ:hat kaum Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen oder anderen Auszubildenden
- negativ:hat mangelhafte Prüfungsergebnisse oder sich generell verschlechtert
Wenn eine oder mehrere dieser Dinge zutreffen, sollten Sie unbedingt den Dialog suchen. Lassen Sie sich erklären, was genau nicht passt. Möchte Ihr Kind nicht reden, kann auch ein Gespräch mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder sowie mit den Lehrkräften in der Berufsschule Aufschluss geben.
Das können Sie als Eltern tun
Wenn es sich bestätigt, dass Ihr Kind wirklich die Ausbildung abbrechen will, können Sie als Eltern bei der Neuorientierung helfen. Je nachdem, ob Ihr Kind schon weiß, was es als nächstes tun möchte oder nicht, können Sie folgende Unterstützung bieten:
Prüfen Sie, ob der Wechselwunsch wirklich an der Ausbildungsstätte liegt. Hier einige Fragen, die Sie Ihrem Kind stellen können:
- Was genau gefällt dir an deinem Ausbildungsbetrieb nicht?
- Fühlst du dich gemobbt von Vorgesetzen im Ausbildungsbetrieb oder anderen Auszubildenden?
- Passen die Arbeitszeiten nicht (Überstunden, Schichtdienst)?
- Wirst du überwiegend für Hilfstätigkeiten eingesetzt?
Wenn sich herausstellt, dass Ihr Kind valide Gründe für seine Unzufriedenheit hat, ermutigen Sie es zu einem Gespräch mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder und begleiten sie es gegebenenfalls.
Oft bleiben im stressigen Arbeitsalltag wichtige Dinge auf der Strecke. Ein Gespräch kann das Bewusstsein dafür erhöhen und im Ausbildungsbetrieb kann stärker darauf geachtet werden. Möglicherweise bekommt Ihr Kind dann andere Aufgaben, die ihm besser gefallen. Oder der Ton ändert sich und Ihr Kind fühlt sich wieder wohl. Auch Arbeitszeiten lassen sich anpassen.
Tipp:Tipp: Wenn Ihr Kind das Gefühl hat, dass es nicht richtig ausgebildet wird, kann es sich an die Ausbildungsberatung der Kammern wenden, beispielsweise bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK) oder der Landwirtschaftskammer (LWK). Für alle weiteren Fragen können Sie sich auch gemeinsam an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit wenden.
Prüfen Sie zunächst, ob der Abbruchwunsch wirklich an der falschen Ausbildung liegt, oder ob Probleme im Ausbildungsbetrieb oder persönliche Probleme dahinterstecken.
Falls Ihr Kind definitiv wechseln will, prüfen Sie gemeinsam, ob das Neue auch wirklich passt. Damit kann ein erneuter Abbruch vermieden werden. Folgende Fragen können dabei helfen:
- Bringt Ihr Kind die nötigen Voraussetzungen mit?
- Ist der Ausbildungs- und Berufsalltag des neuen Berufswunsches klar?
- Ist die Ausbildung logistisch umsetzbar (Ort, Zeit)?
Eventuell ist ein Realitätscheck mit einem Praktikum oder Freiwilligendienst ratsam. Auch die Plattform BERUFENET kann helfen, Voraussetzungen und Tätigkeiten des neuen Wunschberufes genauer zu beleuchten.
Prüfen Sie zunächst, ob der Abbruchwunsch wirklich an der falschen Ausbildung liegt, oder ob Probleme im Ausbildungsbetrieb oder persönliche Probleme dahinterstecken.
Falls sich herausstellt, dass die Ausbildung wirklich nicht das Richtige für Ihr Kind ist und es definitiv abbrechen möchte: Das ist nicht das Ende der Welt. Bewahren Sie Ruhe und versuchen Sie, Ihrem Kind Verständnis entgegen zu bringen. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten für den nächsten Schritt:
- Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, eine neue Ausbildung anzuvisieren, in der vorherige Ausbildungsinhalte von Nutzen sein können oder sogar angerechnet werden. Hier kann die Berufe-Plattform BERUFENET helfen. Auch die Berufsberatung ist hier eine gute Anlaufstelle.
- Kostenlose Tools zur Berufsorientierung wie Check-U oder andere Orientierungstests können bei einer Neuorientierung helfen.
- Ideal für eine Neuorientierung kann auch eine Überbrückungszeit sein. Ob freiwilliges Praktikum, Jobben oder ein Freiwilligendienst – es gibt viele Möglichkeiten für Ihr Kind, sich eine Auszeit zu gönnen und trotzdem wertvolle Fähigkeiten zu erwerben für einen späteren Neuanfang.
Falls sich herausstellt, dass der Ausbildungsbetrieb nicht das Problem ist, sondern Ihr Kind eher persönliche Probleme hat, finden Sie auf der Seite Probleme während der Ausbildung: was jetzt? Tipps und Kontaktadressen, um es auch dabei gut zu unterstützen.
Podcast zum Thema Ausbildungsabbruch
Hinweis: Dieser Podcast wurde aus den eingestellten Portalen abi.de bzw. planet-beruf.de in das neue meinBERUF-Portal übernommen.
planet-beruf.de Sprecherin: Berufswahl begleiten: Der Podcast von planet-beruf.de für Eltern und Erziehungsberechtigte
planet-beruf.de Sprecher: Alles Wichtige zum Ausbildungsabbruch und wie es weiter geht - kurz erklärt
planet-beruf.de Sprecherin: Hallo und herzlich willkommen, liebe Eltern! Heute geht es um das Thema Ausbildungsabbruch. Ein Ausbildungsabbruch ist nie schön - weder für die Betriebe noch für die Auszubildenden. Und auch für die Eltern kann er eine echte Herausforderung sein. Sie fragen sich: Warum bricht mein Kind die Ausbildung ab? Und wie geht es jetzt weiter? Um diese Fragen zu beantworten, freue ich mich, heute eine Expertin bei uns zu haben: Benthe Grundt. Sie ist Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Neumünster.
Hallo Frau Grundt, vielen Dank, dass Sie sich bereiterklären für das Interview.
Benthe Grundt: Hallo! Vielen Dank auch für die Einladung.
planet-beruf-Sprecherin: Wunderbar, dann steigen wir ein ins Thema Ausbildungsabbruch. Was sind denn Ihrer Erfahrung nach typische Gründe, warum Jugendliche ihre Ausbildung abbrechen?
Benthe Grundt: Ja, also bei uns fällt vor allem auf, dass die ersten drei Monate nach Start der Ausbildung häufig entscheidend sind. Was Jugendliche uns in der Berufsberatung häufig erzählen, ist zum Beispiel, dass das Betriebsklima nicht gut ist. Das steht häufig ganz vorne: Dass es beispielsweise Konflikte gibt mit Kolleginnen und Kollegen, dass vielleicht nicht ausreichend auch kommuniziert wird miteinander, was soll wirklich mein Aufgabenbereich sein, in schlimmsten Fällen teilweise auch Mobbing. Es kann auch um die Ausgestaltung der Aufgaben in der Ausbildung gehen, also dass Jugendliche zum Beispiel sagen: Mensch, das sind vielleicht nur Routinetätigkeiten oder Aufgaben, die gar nicht in meine Ausbildung gehören beispielsweise. Was auch Thema sein kann, ist häufig auch ein Leistungsdruck. Es ist ja ein Übergang von der Schule in den Beruf, den die Jugendlichen das erste Mal machen.
planet-beruf-Sprecherin: Wenn jetzt jemand nicht auf Sie zugeht, was wären denn so Indizien für Eltern oder auch für die Kolleginnen und Kollegen, dass man sieht oder erkennt, dass sich da vielleicht so etwas anbahnt?
Benthe Grundt: Also ich denk, ganz wichtig ist der Austausch mit dem Kind oder von Seiten des Betriebes mit dem Jugendlichen. Wirklich zu versuchen, immer im Gespräch zu bleiben.
Ein Indiz für Eltern können zum Beispiel hohe Fehlzeiten sein. Ist mein Kind vielleicht häufiger krank, als mir das sonst auffällt? Wann kommt es nach Hause? Also, müssen zahlreiche Überstunden geleistet werden? Wie fallen vielleicht auch die ersten Prüfungen, Testergebnisse aus? Wie sind die Rückmeldungen vom Ausbilder oder von der Ausbilderin, also seitens des Betriebs?
planet-beruf-Sprecherin: Wenn Eltern jetzt mit ihrem Kind im Austausch sind und merken, dass das Kind über den Ausbildungsabbruch nachdenkt. Wie sollte man denn Ihrer Einschätzung nach als Elternteil oder Erziehungsberechtigter da reagieren?
Benthe Grundt: Ich finde es ganz wichtig, zunächst einfach ein offenes Ohr zu bieten und versuchen, gemeinsam ja über die Gründe zu sprechen und auch versuchen, diese einzuordnen. Dann ist es wichtig, die Unterstützungsmöglichkeiten zu kennen, also zu wissen, an wen kann ich mich wenden. Dann auch als Eltern im Hinterkopf zu haben: Mensch, so ein Abbruch, das ist kein Einzelfall. Das betrifft nicht nur uns als Familie, das geht ganz vielen anderen auch so. Es ist ein Eintritt in eine neue Lebensphase, die auch mal holprig starten kann. Und auf jeden Fall zu wissen, der Weg zu uns, zur Berufsberatung lohnt sich in jedem Fall. Hierzu sehr gerne das Kind auf jeden Fall ermutigen oder gegebenenfalls auch begleiten, wenn es da vielleicht Berührungsängste geben kann.
planet-beruf-Sprecherin: Stichwort Berufsberatung: Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es denn da konkret?
Benthe Grundt: Also, wir bieten zunächst natürlich den großen Bereich der Beratung, die ist immer kostenlos, das finde ich ganz wichtig. Für jeden, der zu uns kommt, auch immer individuell. Wir würden uns anschauen, wo läuft es denn momentan nicht rund, aber natürlich auch, was bringt der Jugendliche an Stärken mit. Wo können wir unterstützen? Manchmal klappt es mit dem Betrieb nicht. Hier helfen wir dann gerne auch dabei, einen Wechsel anzustoßen, also nach Alternativen zu schauen, um die Ausbildung auf jeden Fall fortzuführen. In einigen Fällen erkennen natürlich aber auch junge Menschen, dass sie die für sich falsche Berufswahl getroffen haben und da ist es auch in Ordnung, den Beruf zu wechseln und sich durch uns ausführlich zu Alternativen beraten zu lassen.
Ein Punkt, den ich vorhin ja genannt hatte, waren Leistungen, die vielleicht nachlassen in der Ausbildung, was dann im Betrieb auffällt oder in der Berufsschule, z.B. bei inhaltlicher Überforderung. Und da haben wir auch verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Das Passendste wäre die Assistierte Ausbildung, also eine Maßnahme, die die Berufsberatung für die Jugendlichen, für die Betriebe anbietet, um eine Ausbildung erfolgreich abschließen zu können.
planet-beruf-Sprecherin: Okay. Wie ist das denn mit dem, was quasi schon geleistet wurde? Die Ausbildungsjahre, die man vielleicht schon hinter sich hat, können die angerechnet werden auf eine neue Ausbildung?
Benthe Grundt: Ja, also wenn eine abgebrochene Ausbildung in einem anderen Betrieb fortgesetzt wird, also der gleiche Ausbildungsberuf natürlich, dann kann die bereits absolvierte Zeit häufig angerechnet werden. Also, da muss auf jeden Fall mit dem Betrieb gesprochen werden. Aber grundsätzlich ist das möglich.
planet-beruf-Sprecherin: Alles klar. Wie ist es denn, wenn ich meine Ausbildung abbreche, aber finanzielle Unterstützung bekomme, was muss ich da tun?
Benthe Grundt: Also, finanzielle Unterstützung könnte ja zum Beispiel das Kindergeld über die Familienkasse sein. Da ist es in jedem Fall wichtig, der Familienkasse den Abbruch zu melden und auch ganz wichtig, eine Info, dass das Kind aber weiter ausbildungsplatzsuchend ist. Denn dann kann das Kindergeld weiter gezahlt werden. Und hier hilft es als Nachweis auch immer, wenn das Kind wieder bei uns in der Berufsberatung angemeldet ist.
planet-beruf-Sprecherin: Wie ist das denn, wenn Jugendliche, ja, mehrere Schwierigkeiten hatten, also zum Beispiel schon 2-3 Ausbildungen abgebrochen haben und sich immer wieder versuchen, neu zu orientieren, aber irgendwie klappt es nicht. Gibt es dafür noch spezielle Angebote?
Benthe Grundt: Bei Jugendlichen, die schon mehrere Anläufe hatten, eine Berufsausbildung zu starten und dann doch wieder abgebrochen haben, würde ich über geförderte Ausbildung beraten. Wir haben die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, heißt das bei uns. Das bedeutet, dass ist ein etwas geschützterer Rahmen, in dem die Jugendlichen ihre Ausbildung absolvieren können, haben aber nach den zweieinhalb, drei oder dreieinhalb Jahren Berufsausbildung genau den gleichen Abschluss in der Tasche wie jemand, der das über den regulären Arbeitsmarkt startet.
planet-beruf-Sprecherin: Ja, gut zu wissen. Haben Sie zum Abschluss noch Ergänzungen oder einen Ratschlag, den Sie den Eltern mitgeben wollen?
Benthe Grundt: Ergänzend finde ich es einfach wichtig, dass man als Eltern den Kindern ein offenes Ohr bietet, dort ist, die Angebote kennt und die Kinder motiviert und ermutigt, diese auch wahrzunehmen.
planet-beruf-Sprecherin: Vielen Dank, Frau Grundt, dass sie sich die Zeit genommen haben für das Interview.
Benthe Grundt: Ja, ich danke Ihnen für die Einladung und hoffe, viele Eltern und Jugendliche nutzen unsere Beratungsangebote und finden den Weg zu uns in die Berufsberatung.
planet-beruf-Sprecher: Zusätzliche Informationen und Unterstützungsangebote finden Sie unter diesem Podcast in den Weiterführenden Informationen.
Ausbildung lohnt sich. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, den passenden Beruf zu finden!
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten
Wenn Ihr Kind schon mehrmals gewechselt oder abgebrochen hat und seinen Weg einfach nicht findet, gibt es auch die Möglichkeit einer begleiteten Ausbildung. Schauen Sie sich dazu gern die Seiten Assistierte Ausbildung (AsA) und Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) an.
Außerdem gibt es einige Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung, beispielsweise das Vermittlungsbudget.
Eigene Vorstellungen und Wünsche zurückstellen
Es ist verständlich, dass Sie als Eltern nur das Beste für Ihr Kind wollen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Ihre Vorstellungen und Wünsche bezüglich der Berufswahl ihres Kindes sich nicht unbedingt mit denen Ihres Kindes decken müssen. Es geht um die beste Lösung für den jungen Menschen, auch wenn es nicht die erste Wahl für Sie als Eltern ist.
Falls Sie das Gefühl haben, nicht mehr auf dem neuesten Stand zu sein, was die aktuelle Berufswelt betrifft, kann eine Beratung helfen, geduldiger zu sein und mehr Verständnis aufzubringen. Die Beraterinnern und Berater der Berufsberatung sind eine gute Anlaufstelle bei Fragen und Problemen rund um die Ausbildung und zu Unterstützungsmöglichkeiten.

