Auslandssemester sind eine Erfahrung, von der du persönlich und beruflich lange profitieren wirst. In einigen sprachlichen und politikwissenschaftlichen Studiengängen ist der Auslandsaufenthalt sogar fester Bestandteil des Studiums. Aber auch in allen anderen Studienrichtungen lohnt sich ein Auslandssemester: Programme wie Erasmus+ ebnen für fast alle Studienfelder unkomplizierte Wege in die Welt.

Auslandssemester
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Vorteile eines Auslandssemesters
Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums klingt fast nach Urlaub, oder? Natürlich darf Sightseeing nicht zu kurz kommen. Trotzdem bist du vor allem zum Studieren im Ausland und das ist eben harte Arbeit. Die zahlt sich aus:
- positiv:Du verbesserst deine Kenntnisse in einer anderen Sprache.
- positiv:Du entdeckst neue Aspekte innerhalb deines Studienfachs.
- positiv:Du tauchst tief in eine fremde Kultur ein.
- positiv:Du erweiterst dein Netzwerk.
- positiv:Du stärkst deine Eigenverantwortung.
Tipp:Du fragst dich, was dir ein Auslandsstudium sonst noch bringt oder wie du einen Studienplatz im Ausland bekommst? Nutze das Beratungsangebot der Bundesagentur für Arbeit: Die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) beantworten gerne deine Fragen. Du erreichst sie per Mail zav.outgoing@arbeitsagentur.de oder direkt über das Kontaktformular auf ihrer Webseite.
Wie läuft ein Auslandssemester ab?
In den allermeisten Fällen verläuft das Studium im Ausland ähnlich wie das Studium an deiner Heimat-Hochschule: Du besuchst Kurse und Vorlesungen und schreibst Klausuren. Meist findet der Unterricht in einer anderen Sprache statt – und nicht immer ist das Englisch. Du solltest dich also vorher sehr genau damit befassen, wie das Studium an deiner Wunsch-Partnerhochschule gestaltet ist.
In diesem Podcast lernst du von Katharina Ritz mehr über ein Semester im Ausland während des Studiums, den Ablauf und die Organisation sowie Einblicke von Leonie Oyen über ihr Auslandssemester in Rom.
Jingle: Der Studienwahl-Podcast – Wissenswertes für deinen Weg ins Studium
studienwahl.de: Ein Semester im Ausland: Für viele der Traum im Studium. Neue Städte, neue Menschen, eine neue Sprache. Aber wie fühlt sich das wirklich an? Wie viel Organisation steckt dahinter? Wie läuft das Studieren in einer Fremdsprache? Und lohnt sich der Aufwand? Ich bin Nina und in dieser Folge nehme ich euch mit auf eine kleine Erasmus+-Reise. Leonie berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen in Rom – von Highlights bis zu echten Herausforderungen. Außerdem gibt uns Katharina aus dem International Office an der Uni Tübingen praktische Tipps rund um Bewerbung, Vorbereitung und den richtigen Zeitpunkt.
studienwahl.de: Und damit geht's auch direkt los. Hallo Katharina, hallo Leonie! Schön, dass ihr da seid.
Katharina Ritz: Hallo! Danke für die Einladung.
Leonie Oyen: Hallo!
studienwahl.de: Leonie, meine erste Frage an dich: Was studierst du?
Leonie Oyen: Ich studiere Sozial- und Kulturanthropologie im Hauptfach und Geschichtswissenschaften im Nebenfach.
studienwahl.de: Du bist gerade in Italien. Wie bist du denn eigentlich auf das Erasmus+-Programm aufmerksam geworden? Und warum hast du dich dafür entschieden, ein Auslandssemester zu machen?
Leonie Oyen: Auf das Erasmus+-Programm bin ich gekommen, weil ich davor tatsächlich ein Kurzprogramm gemacht habe. Und zwar habe ich 10 Tage in Bukarest verbracht und danach habe ich einfach geschaut, was es sonst noch so gibt und bin eben auf die Universität Rom gestoßen, also die Sapienza Universität, eben auch im Rahmen von einem CIVIS-Auslandsprogramm. Das hat mich irgendwie gecatcht, dass ich einfach ein halbes Jahr in Rom verbringen kann – also in einer der geschichtsträchtigsten Städte überhaupt. Wunderschön, jede Straße – schon in meiner Vorstellung. Und das hat sich jetzt auch so bestätigt.
studienwahl.de: Katharina, wann ist es denn sinnvoll, ein Erasmus+-Semester zu planen? Gibt es da einen idealen Zeitpunkt im Studienverlauf?
Katharina Ritz: Ja, das ist immer ein bisschen abhängig von dem eigentlichen Studiengang, was in den einzelnen Modulplänen vorgesehen ist. Manchmal ist da schon ein Auslandssemester miteingeplant, ist auch dann verpflichtend und entsprechend können sich dann die Studierenden daran orientieren. Wir merken bei uns, dass die Studierenden meistens im Bachelorstudium im fünften Semester herum ein Auslandssemester bei sich einplanen. Und wir empfehlen auch tatsächlich, dass man, wenn man im Bachelorstudium einsteigt, sich erstmal an der Uni orientiert, ungefähr ein Jahr dort studiert und dann ins Ausland geht. Weil man braucht auch einfach schon für die Vorbereitung von einem Auslandssemester ungefähr ein Jahr Vorlaufzeit bei der Vorbereitung.
studienwahl.de: Gut, also erst mal ein bisschen Studienerfahrung ist sicherlich sinnvoll. Leonie, wie war es jetzt bei dir? Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt organisiert? Also als du dann gesagt hast, aufgrund der Erfahrungen, die du gemacht hast, du möchtest auch unbedingt ein Semester im Ausland verbringen: Was waren die ersten Schritte?
Leonie Oyen: Erstmal würde ich auch damit übereinstimmen, dass man sich das gut überlegen sollte und auch gut im Voraus planen muss. Denn bei so Sachen wie Wohnungssuche, aber auch dieses ganze Bürokratische, da will man sich schon die Zeit nehmen. Vor allem man ist ja mitten im Semester. Deswegen hat das bei mir, glaube ich, ein Dreiviertel Jahr vorher angefangen, dass ich diesen Entschluss gefasst habe und mich dann erstmal mit dem International Office in Verbindung gesetzt habe, mit der Auslandskoordinatorin. Also für jedes Fach gibt es eine Referentin oder einen Referenten, mit dem kann man dann erstmal die Ideen durchsprechen. Passt das überhaupt in mein Studium rein? Was sind die nächsten Schritte, die ich machen muss? Und auch mit den Professoren absprechen, ob das von den Modulen her überhaupt so klappt. Und das ging dann bei mir ganz gut nach einiger Planung. Dann ging es eben schon los mit den Bewerbungen.
studienwahl.de: Also du hast es angesprochen, Leonie, das International Office, das unterstützt da auch auf jeden Fall. Katharina, könntest du noch mal zusammenfassen, welche Unterstützung ihr da bietet, während der Bewerbung und der Vorbereitung und auch dann während des Auslandsaufenthalts?
Katharina Ritz: Es gibt zwei unterstützende Säulen. Einmal die Erasmus-Fachkoordinatoren in den Fachbereichen, die auf der akademischen Seite unterstützen. Das ist so der erste Anlaufpunkt, wo man hingeht, um sich eine Beratung einzuholen. Wo könnte man denn überhaupt hingehen? Welche Partneruniversität ist passend? So wie Leonie das jetzt gerade schon sehr schön beschrieben hat. Und vor allem, wenn es dann auch genau darum geht: Welche Kurse sind denn richtig? Wie läuft denn der ganze Prozess dann auch mit den Noten, wenn ich wieder zurückkomme, mit den Prüfungen, die ich im Ausland belegt habe? Und wir nennen uns immer das „zentrale Erasmusbüro“ hier an der Universität Tübingen. Wir unterstützen dann bei dem ganzen Bewerbungsablauf. Also für das Erasmus-Programm ganz viele Dokumente ausfüllen und während des Aufenthalts sind wir auch da. Wir sind da auch gerne die ersten Ansprechpartner, wenn es irgendwelche Fragen gibt, dann kann man uns da immer gerne kontaktieren. Also ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man weiß, man ist in dieser ganzen Phase, also sobald man sich für einen Auslandsaufenthalt entscheidet und dann auch während des Aufenthaltes, man ist nicht alleine. Wir sind immer da und unterstützen.
studienwahl.de: Das klingt gut! Leonie, gab es bei dir bestimmte Herausforderungen bei der Vorbereitung? Wo du sagst: Oh, das war ein bisschen hakelig. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche?
Leonie Oyen: Oh ja. Also jetzt vor allem, wo du Wohnungssuche sagst. Da kommt ein bisschen dunkle Erinnerung hoch. Aber in Rom ist es natürlich auch besonders schlimm. Es ist hier eine riesige Metropole, und es gibt nicht wie bei vielen anderen Orten Studentenwohnheime, die bereitgestellt werden. Und deshalb muss man halt privat auf Wohnungssuche gehen. Was ich empfehlen kann, ist wirklich mindestens ein halbes Jahr vorher schauen. Es wird einem auch an der Sapienza in Rom selber gesagt, wo man da gucken kann und wirklich einfach sich so ein bisschen in WhatsApp-Gruppen reinkriegen und dann findet man das auch heraus. Also, auf jeden Fall nicht aufgeben und früh genug starten.
studienwahl.de: Leonie, wie erlebst du jetzt das Studium an der ausländischen Hochschule? Welche Unterschiede hast du auch vielleicht zu deiner Heimathochschule in Tübingen festgestellt?
Leonie Oyen: Ja, also schon einige. Ich muss sagen, es ist wirklich ein komplett anderes System hier in Italien. Zum Beispiel die Vorlesungen sind viel frontaler, es gibt keine richtigen Seminare, wo man sich miteinander austauscht und auch bei den Prüfungen. Ich bin gerade in der Prüfungsphase. Es ist ganz anders. Man muss ganz viele Zahlen und Fakten auswendig lernen, die dann abgerufen werden bei der Prüfung. Da muss man sich auch erstmal darauf einstellen, dass man eben nicht mehr Hausarbeiten schreibt, die auf sehr spezifische Themen sich beziehen, sondern dass man zum Beispiel die Geschichte von einer gesamten Epoche wirklich komplett auswendig lernen muss. Aber ich meine, es ist auch eine Erfahrung und super spannend, einfach zu sehen, wie Universität hier gemacht wird. Und beides hat seine Vor- und Nachteile, meiner Meinung nach. Deswegen ist es schön, das mal zu erleben.
studienwahl.de: Wie ist die Unterrichtssprache? Ist es schwierig für dich, in einer Fremdsprache zu studieren?
Leonie Oyen: Weil unsere Universität so groß ist, gibt es auch viele englische Kurse, die wir belegen können. Viel Administratives ist dann doch auf Italienisch und das Englisch der Professoren ist manchmal auch etwas holprig. Aber ich würde sagen, mit so einer Mischung aus Englisch, Italienisch und einem Lächeln kommt man eigentlich ganz gut durch. Also, da muss man sich nicht so viele Sorgen machen, wenn man jetzt auch nicht so gut die Sprache kann.
studienwahl.de: Ja, sehr schön mit dem Lächeln! Freizeit, Kultur und man lernt ja sicherlich auch sehr viele neue Leute und andere Erasmus-Studierende kennen – kannst du das auch gut miteinander verbinden?
Leonie Oyen: Ja, also unterhalb des Semesters, vor allem in der Klausurenphase ist es dann eher das man zusammen lernen geht. Den ganzen Tag in der Bibliothek oder im Café. Aber das ist ja auch schön. Also Erasmus ist wirklich diese Gemeinschaft, von der immer viele schwärmen – das habe ich mir gar nicht vorstellen können, bevor ich selber ins Erasmus gegangen bin. Aber ich finde es wirklich unglaublich, wie sehr und wie schnell man mit allen in Kontakt kommt. Also man geht zu einer Erasmus-Veranstaltung. Es gibt hier nämlich so eine freiwillige Organisation, die heißen Erasmus Student Network und die organisieren jeden Abend eine Party quasi. Und dann gibt es auch sowas wie Pasta-Class oder am Wochenende einen Ausflug und da kann man einfach mit allen quatschen. Und dann hat man sofort gute Leute kennengelernt, mit denen man dann auch was machen kann außerhalb. Deswegen würde ich mir da nicht so viele Sorgen machen. Also es gibt immer wieder neue Chancen, Leute kennenzulernen. Und wenn man sich die Kurse gut legt, hat man auch viel Freizeit. Und es gibt ja auch genügend zu sehen und zu tun in Rom.
studienwahl.de: Ja, auf jeden Fall. Ich fand es damals tatsächlich so aus eigener Erfahrung ein bisschen schwierig, zu den Einheimischen Kontakt zu kriegen. Es war eher immer so diese Erasmus-Bubble, wie ist es da bei dir? Also triffst du auch Römerinnen und Römer? Oder Italienerinnen und Italiener?
Leonie Oyen: Man muss schon ein bisschen aktiver gucken, wenn man Italiener kennenlernen will. Also ich und meine Mitbewohnerin, wir gehen zum Beispiel immer lernen in der Bibliothek hier in der Nähe. Und das ist das philosophische Departement, wo nur Italiener sind. Und da haben wir tatsächlich Leute kennengelernt, die irgendwie immer zur selben Zeit wie wir da waren. Und da kam man halt ins Gespräch. Und dann haben die uns auch eingeladen zu ihrem Filmabend in der Universität. Und das war wirklich so, wie die Leute, die hier leben auch studieren. Also ich denke, wenn man sich da offen zeigt und auch viel unterwegs ist, dann kann man das auf jeden Fall auch schaffen.
studienwahl.de: Reist du auch durch Italien oder was machst du sonst noch so in deiner Freizeit?
Leonie Oyen: Ja, auf jeden Fall. Also ich würde schon sagen, Erasmus macht auch aus, dass man sehr aktiv ist. Es gibt einfach eine riesige Fülle von Aktivitäten. Eigentlich war ich überall. Ich war in Florenz. Ich war in Bologna. Ich war auf Capri. Ich war in Pompeji. Ich war in Neapel. Und die Züge in Italien sind hier wirklich sehr billig. Und wie gesagt, gibt es halt immer vom Erasmus Student Network das Angebot, wenn man mal niemanden hat, der mit einem zusammen fahren will, dann kann man sich da anmelden und dann setzt man sich in den Zug neben jemanden und dann ist es vielleicht schon eine neue Freundin. Also es ist auf jeden Fall sehr aktiv und mit dem Reisen auch schön.
studienwahl.de: Ach, da bekommt man gleich Lust, das selbst noch mal zu machen. Katharina, wie geht es dir damit? Du hast ja täglich mit diesen Themen zu tun. Welche Fragen und Herausforderungen begegnen Erasmus-Studierenden denn und wie werden diese gemeistert? Wie sind da deine Erfahrungen?
Katharina Ritz: Die größten Herausforderungen, denke ich, sind natürlich erst mal im Vorfeld. Wir bekommen natürlich viele Anfragen vor dem Erasmus-Aufenthalt und da ist häufig eine große Sorge der Studierenden der finanzielle Aspekt. Dann natürlich auch das Thema Unterkunft, was wir jetzt schon gehört haben oder auch die Sprachvoraussetzungen. Da bekommen wir immer viele Anfragen dazu.
studienwahl.de: Und da helft ihr dann aber auch ganz konkret weiter.
Katharina Ritz: Ja und nein. Also wir helfen natürlich gerne, wenn es um die Fragen finanzieller Art geht oder auch Sprachvoraussetzungen, wie man sich zum Beispiel noch vorbereiten kann. Aber tatsächlich Thema Wohnraum ist eben so eine Sache, da können wir leider auch nur sehr begrenzt weiterhelfen, gerade jetzt auch in der Situation in Rom. Es gibt andere schöne Beispiele, wo wir auch eben auf unser Partnernetzwerk zurückgreifen können. Die Universität Tübingen ist ja auch Teil einer EU-Allianz. Also Rom ist da zum Beispiel auch eine Partner-Universität in unserer CIVIS-Allianz, nennt sich das Ganze. Und mit anderen Partner-Universitäten gibt es dann Vereinbarungen, dass die Partner-Universitäten ein bestimmtes Kontingent an Wohnheimsplätzen für unsere Tübinger Studierenden reserviert behalten.
studienwahl.de: Könntet ihr beide noch mal was zu dem Thema Finanzen sagen, was ja sicherlich nicht ganz unerheblich ist?
Leonie Oyen: Also jetzt aus der studentischen Perspektive ist das Geld natürlich immer ein bisschen knapp. Man wird schon finanziert vom Erasmus-Stipendium. Für drei Monate bekommt man da 600 Euro pro Monat und das ist schon echt nötig, das Geld. Also allein für die Miete geht hier in Rom das gesamte Geld drauf. Und ich denke, wenn man in einer sehr teuren Stadt lebt, dann sollte man sich vielleicht kümmern, dass man davor noch mal arbeiten geht oder irgendwie ein bisschen Geld anspart. Aber abgesehen davon kann man das auf jeden Fall schaffen, auch dank des Erasmus-Stipendiums, was wirklich richtig cool ist.
Katharina Ritz: Das ist schön zu hören, dass das Geld gut angenommen wird. Aus unserer Perspektive haben wir leider immer zu wenig Geld. Wir haben sehr viele Bewerberinnen an der Universität Tübingen, die ein Auslandssemester machen wollen. Und deshalb ist auch unsere Strategie, dass wir allen Bewerber*innen möglichst einen Auslandsaufenthalt ermöglichen wollen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch für uns, dass wir da leider mit der monatlichen Finanzierung ein bisschen zurückstecken müssen und können dann leider nicht so viele Unterstützungen anbieten, wie wir es gerne möchten und täten. Was vielleicht noch ganz schön ist, was ich auch noch gerne erwähnen würde: Leonie hat schon diese monatliche Rate oder monatlichen Zuschuss angesprochen von 600 Euro. Ich nenne das immer die Basisförderung. Es gibt dann aber jetzt auch noch die sogenannten Top-Ups. Also man kann, wenn man in eine bestimmte Gruppe Studierender gehört, wenn man zum Beispiel mit Kind ins Ausland gehen möchte oder eine chronische Erkrankung hat, nebenher erwerbstätig ist oder Erst-Akademiker, dann kann man noch eine Zusatzförderung beantragen. Das finde ich eine ganz schöne Möglichkeit. Und dann das andere Top-Up, das es auch noch gibt: Ich weiß nicht, Leonie, ob du das gemacht hast, das sogenannte Green-Top-Up.
Leonie Oyen: Ja!
Katharina Ritz: Das bedeutet, wenn man mit einem nachhaltigen Transportmittel angereist ist, bekommt man auch noch mal ein bisschen zusätzliches Geld.
studienwahl.de: Vielleicht nochmal an euch beide: Welche Tipps habt ihr für Studierende, die sich auf einen Erasmus+-Aufenthalt vorbereiten wollen? Und auch: Wie lässt sich die Erfahrung später beruflich nutzen?
Leonie Oyen: Mein Tipp, um sich gut vorzubereiten: Dass man vielleicht versucht, sich eine kleine Gruppe zusammenzustellen. Dass man nicht auf sich alleine gestellt ist und das auch schon bei der Planung. Also eine kleine Gruppe, die alle zusammen dieses Auslandssemester antreten und alle dieselben Probleme haben mit Wohnungssuche, mit Geld. Und dann fühlt man sich einfach nicht so alleine und irgendwie auch ein bisschen sicherer aufgehoben. Das ist auf jeden Fall mein Tipp.
Katharina Ritz: Also meine Tipps wären auf jeden Fall, dass man frühzeitig mit der Planung beginnt, dass man anfängt, sich zu informieren. Einmal in den Fachbereichen, gerne auch einfach mal schauen auf unseren Webseiten vom International Office, was wir anbieten: Infoveranstaltungen, offene Sprechstunden, einfach mal vorbeikommen, Fragen stellen. Und es gibt auch eine Webseite vom DAAD oder auch von studieren weltweit. Da findet man viele Testimonials von Studierenden, die schon im Ausland waren. Das ist immer ganz spannend, da auch die Berichte von den Ehemaligen zu lesen. Ich denke, das Berufliche später dann: Diese Netzwerke sind total wertvoll. Gar nicht nur fürs Berufliche, sondern auch einfach für das Private, Persönliche. Da kann man Jahre später noch davon profitieren und auch einfach dieses neue, die neue Umgebung, das Über-den-Tellerrand-hinausschauen ist einfach das, was das Erasmus-Programm so wertvoll für einen macht.
studienwahl.de: Ja, das ist doch wirklich eine gute Zusammenfassung. Ich kann das nur bestätigen. Also Erasmus war wirklich was fürs Leben. Dann danke ich euch beiden sehr für die Einblicke und für die vielen Infos. Und ich sag Tschüss nach Tübingen und Ciao nach Rom! Und vielen Dank, dass ihr da wart.
Katharina Ritz: Tschüss! Danke!
Leonie Oyen: Danke schön. Tschüss!
studienwahl.de: Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einmal Hörsaal-Luft im Ausland zu schnuppern, dann schau dich unbedingt auf studienwahl.de um. Dort findest du weitere Infos rund um Erasmus+, Auslandssemester sowie internationale Studienmöglichkeiten. Ob ein Semester, ein ganzes Jahr oder vielleicht sogar mehr – Wege ins Ausland gibt es viele. Und vielleicht ist genau dort der Ort, an dem dein Studium eine neue Richtung bekommt. Das war der Podcast von Studienwahl. Redaktion und Produktion: Dr. Nina Röder für den Meramo Verlag, im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung.
Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Auslandssemester?
Wenn ein Auslandssemester oder -praktikum fester Bestandteil deines Bachelor-Studiums ist, findet es meist in den Semestern vor der Bachelor-Arbeit statt. Wenn du das Auslandssemester eigenverantwortlich in dein Studium integrierst, gilt folgende Faustregel: In späteren Semestern ist ein Auslandssemester meist besser platziert als im Grundstudium, wo du wichtiges Grundlagenwissen lernst. Wenn du dir unsicher bist, solltest du dir Hilfe von den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) und der Studienberatung deiner Hochschule holen.
International Office und Akademisches Auslandsamt
In manchen Studiengängen sind die Prozesse für Auslandssemester klar vordefiniert und dein Auslandsaufenthalt wird für dich geplant. In den meisten Fällen musst du aber sehr viel selbst organisieren. Dabei bekommst du Unterstützung vom International Office oder dem Akademischem Auslandsamt deiner Hochschule.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen dich in Kontakt mit Partner-Hochschulen und helfen dir bei Themen wie der Bewerbung oder der Unterkunft im Ausland. Das International Office ist auch deine erste Anlaufstelle an der Austausch-Hochschule; dort werden ausländische Studierende betreut, die ein „semester abroad“ absolvieren. So heißt das Auslandssemester auf Englisch.
Erasmus+ – dein Tor nach Europa
Erasmus+ ist ein Programm der Europäischen Union. Es fördert Praktika und Studienaufenthalte im europäischen Ausland für bis zu 12 Monate. Wenn du ein Auslandssemester in der EU machen möchtest, ist Erasmus+ fast immer die beste Wahl.
Du bekommst einen monatlichen Geldbetrag als Stipendium und Unterstützung bei der Vorbereitung und vor Ort. Erasmus+-Studierende zahlen außerdem keine Studiengebühren an den Partner-Hochschulen, falls welche anfallen würden. Auch die Anrechnung von Studienleistungen ist mit Erasmus+ sehr unkompliziert.
Für das Programm bewirbst du dich beim Akademischen Auslandsamt oder dem International Office deiner Hochschule. Mehr Informationen findest du auf der Webseite von Erasmus+.
Tipp:Gut zu wissen: Deine Hochschule bietet keine passenden Optionen und auch Erasmus+ kommt für dich nicht infrage? Das bedeutet nicht, dass du auf ein Auslandssemester verzichten musst. Als Freemover kümmerst du dich selbst um die Bewerbung an der ausländischen Hochschule, Unterkunft und Finanzierung. Im Gegenzug erhältst du mit etwas Organisationstalent viel Freiraum bei der Gestaltung deines Auslandssemesters. Lass dich als Freemover am besten von den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) unterstützen.
Auslandssemester außerhalb der EU
Ein Auslandssemester außerhalb der Europäischen Union ist meist etwas komplizierter: Das beginnt bei den Einreisebestimmungen – manchmal brauchst du ein Studierendenvisum, für das du zur Botschaft deines Ziellandes musst. Auch die Anrechnung von Prüfungsleistungen von Nicht-EU-Hochschulen ist oft bedeutend schwieriger. Wenn du dich für ein Auslandssemester außerhalb Europas interessierst, solltest du daher auf Partnerprogramme deiner Hochschule zurückgreifen. So kannst du bestehende Strukturen für dich nutzen. Außerdem gibt es auch in einigen Nicht-EU-Ländern die Möglichkeit einer Erasmus+-Förderung. Informationen dazu findest du auf der Webseite von Erasmus+.
Alternative: Grenznahe Kooperationen
Auch an einer deutschen Hochschule kannst du Auslandserfahrung sammeln – etwa durch grenznahe Kooperationen. Das sind besondere Studienangebote grenznaher Hochschulen in Deutschland. Wenn du eine solche Kooperation nutzt, bist du zwar an einer deutschen Hochschule eingeschrieben, absolvierst jedoch Teile des Studiums im Nachbarland. Eine solche Kooperation findest du unter anderem an diesen Hochschulen:
Die fünf Universitäten in Basel, Freiburg, Karlsruhe, Mulhouse/Colmar und Straßburg haben sich zur EUCOR zusammengeschlossen, die grenzüberschreitendes Forschen und Studieren ermöglicht. Mehr Informationen findest du auf der EUCOR-Webseite.
Die DFH bietet ihre Studiengänge in Kooperation mit zahlreichen Mitglieds- und Partnerhochschulen in Deutschland und Frankreich an. Die Studiengänge zeichnen sich dadurch aus, dass deutsche und französische Studierende gemeinsam je einen Teil des Studiums in Deutschland und Frankreich absolvieren. Mehr Informationen findest du auf der Webseite der DFH.
Das DFHI ist ein gemeinsames Institut der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) und der Université de Lorraine in Nancy und Metz. Das Studienangebot umfasst sieben deutsch-französische Bachelor- bzw. fünf Masterstudiengänge. Mehr Informationen findest du auf der Webseite des DFHI.
Verschiedene Hochschulen in Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Belgien haben mit der UGR einen grenzüberschreitenden Universitätsverbund aufgebaut. Gelehrt und geforscht wird in Deutsch, Französisch, Luxemburgisch sowie in Englisch. Mehr Informationen findest du auf der Webseite der UGR.
In der Euroregion Neiße (Deutschland, Polen, Tschechische Republik) bestehen am IHI Studienmöglichkeiten, die auf länderübergreifende Tätigkeiten vorbereiten. Dazu gehören vor allem Masterstudiengänge in Biodiversität, Biotechnologie, Ökosystemare Dienstleistungen und Internationalem Management. Mehr Informationen findest du auf der Webseite des IHI.
Die Europa-Universität zeichnet sich durch die enge Kooperation mit polnischen Hochschulen aus. Angeboten werden Bachelor- und Masterstudiengänge, beispielsweise Kulturwissenschaften, Recht und Politik oder Digital Entrepreneurship. Mehr Informationen findest du auf der Webseite der Europa-Universität.
Im Rahmen des deutsch-niederländischen Gemeinschaftsprojektes European Medical School Oldenburg-Groningen wird hier ein Modellstudiengang Humanmedizin der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen angeboten. Dieser schließt wahlweise mit dem Staatsexamen an der Universität Oldenburg oder dem Bachelor/Master in Groningen ab. Mehr Informationen findest du auf der Webseite der European Medical School.
In der deutsch-dänischen Grenzregion besteht zwischen diesen beiden Hochschulen eine Kooperation in den wirtschafts- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen. Mehr Informationen findest du auf der Webseite der Uni Flensburg.
Wichtig:Tipp:Wichtig: Oft ist die Anerkennung der Auslandsleistungen ohnehin durch das Partnerprogramm deiner Hochschule geregelt – dann gibt es ein standardisiertes Verfahren. Gibt es das nicht, musst du dich unbedingt vor Beginn des Auslandssemesters mit deiner Hochschule und dem Prüfungsamt austauschen. Auf der sicheren Seite bist du nur, wenn du dir schon vorab bestätigen lässt, dass deine gewählten Kurse an der Partnerhochschule anrechenbar sind. Meist geschieht das über ein sogenanntes „Learning Agreement“.
So finanzierst du dein Auslandssemester
Bei der Finanzierung deines Auslandsaufenthalts hast du ähnliche Möglichkeiten wie beim Studium im Inland:
Wenn du mindestens 6 Monate im Ausland studierst, ist eine Förderung über BAföG möglich. Für die Bewilligung und Rückzahlung gelten dieselben Regeln wie für das BAföG im Inland. Informiere dich bei deiner Studienberatung und auf unserer BAföG-Seite.
In EU-Ländern kannst du dir ohne Probleme einen Nebenjob suchen. Außerhalb Europas brauchst du dafür eine Arbeitserlaubnis. Je nach Land kann das kompliziert werden. Einfacher zu realisieren ist oft ein reiner Homeoffice- oder Remote-Job bei einem deutschen Unternehmen. Trotzdem solltest du die Bestimmungen deines Gastlandes dazu recherchieren.
Das wichtigste Stipendium für Auslandssemester ist Erasmus+ – daneben gibt es aber viele weitere. Eine umfangreiche Auflistung findest du auf der Webseite des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes. Vorsicht: Nur Teilstipendien wie Erasmus+ lassen sich mit Nebenjobs und BAföG kombinieren.
Auch ein Studienkredit, etwa von der KfW, ist eine Option zur Finanzierung deines Auslandsstudiums. Mehr Infos zu Studienkrediten findest du auf unserer Seite zum Thema Studieren im Ausland.
Tipp:Tipp: Ein Auslandsstudium reicht dir nicht? Du möchtest dein komplettes Studium im Ausland absolvieren? Auch das ist möglich. Wie, erfährst du auf unserer Seite zum Thema Vollzeitstudium im Ausland.
So bereitest du dich auf dein Auslandssemester vor
Vor deinem Auslandssemester solltest du neben der Finanzierung und der Anrechnung deiner Prüfungsleistungen auch noch diese Dinge im Blick behalten:
Informationen dazu findest du auf der Webseite der Botschaft deines Gastlandes. In der EU benötigst du diese Dokumente nicht.
Wenn dein Auslandsprogramm diesen Punkt nicht für dich regelt, kontaktiere das International Office deiner Gast-Hochschule.
Das akademische Auslandsamt deiner Hochschule kann dir hier weiterhelfen. Du solltest frühzeitig anfragen, da einige Termine bis zu einem Jahr vor Beginn des Semesters liegen können.
Informiere dich bei deiner Krankenversicherung, ob du im Gastland eine zusätzliche Versicherung brauchst.
Mindestens 6 Monate vor deinem Auslandsaufenthalt solltest du mit deinem Hausarzt abklären, ob dein Impfschutz für dein Reiseziel ausreicht.
In einigen Ländern brauchst du außerdem beglaubigte Übersetzungen deiner Dokumente. Häufig gilt das für den Führerschein, medizinische Dokumente oder deine Hochschulreife. Diese Übersetzungen solltest du frühzeitig in Auftrag geben.
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