Die Berufs- und Studienwahl ist für junge Menschen eine aufregende und spannende Zeit. Nicht immer läuft alles glatt: Absagen oder Rückschläge gehören oft zum Bewerbungsprozess dazu. Das können Eltern tun, um ihre Kinder optimal zu begleiten.

So unterstützen Eltern bei Absagen und Rückschlägen
Inhalte der Seite:
Emotionale Unterstützung: Junge Menschen stärken
Nach einer Absage benötigen viele Kinder ihre Eltern als emotionale Stütze. Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst und fragen Sie, was es braucht. Manche wünschen sich zum Beispiel ein offenes Ohr, andere freuen sich über Ratschläge oder eine gemeinsame Aktivität, um sich abzulenken.
Wichtig:Gut zu wissen: Junge Menschen stehen in dieser Lebensphase oft unter Druck, der nach einer Absage zusätzlich steigen kann. Geben Sie Ihrem Kind den nötigen Raum, die Absage zu verarbeiten. Achten Sie darauf, den Druck nicht zusätzlich zu erhöhen.
Unterstützen Sie Ihr Kind durch eine wertschätzende Gesprächskultur.
Vermeiden Sie in der Erstreaktion Sätze wie:
- negativ:„Das ist doch nicht so schlimm.“ (macht Gefühle klein)
- negativ:„Jeder kriegt mal eine Absage.“ (macht eigene Erfahrung klein)
- negativ:„Das ist doch kein Grund, traurig zu sein.“ (bewertet die emotionale Reaktion)
- negativ:„Ich finde sowieso, dass dieser Job/dieses Studium nicht zu dir passt.“ (stellt eigene Erwartungen über die des Kindes)
Besser sind Aussagen wie:
- positiv:„Ich verstehe, dass dich das enttäuscht.“ (zeigt Empathie)
- positiv:„Wir haben genug Zeit, einen anderen Ausbildungsplatz zu finden.“ (reduziert den terminlichen Druck)
- positiv:„Sag mir gern, wie ich dir helfen kann.“ (bietet Unterstützung an)
- positiv:„Wenn du diesen Job/dieses Studium wirklich willst, finden wir gemeinsam einen Weg.“ (stellt eigene Erwartungen zurück)
Ausbildungsplatz abgesagt: So unterstützen Sie Ihr Kind
Ihr Kind findet keinen Ausbildungsplatz und bekommt Absagen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um für einen jungen Menschen aktiv zu werden.
Wichtig:Wichtig: Die folgenden Punkte sind Angebote, die Sie Ihrem Kind machen können. Nehmen Sie hier die beratende Rolle ein – die Entscheidungshoheit sollte immer beim Kind liegen.
Vor allem Unternehmen weisen eine Bewerbung oft mit Standardaussagen oder -formulierungen ab. Ermutigen Sie Ihr Kind, bei der Ansprechperson nachzufragen: Eventuell teilen Mitarbeitende aus der Personalabteilung einen konkreteren Grund mit oder haben persönliches Feedback. Solche Infos helfen, die Absage einzuschätzen und die Bewerbung zu verbessern.
Eine Absage bietet die Chance, den aktuellen Stand zu hinterfragen. Auch eine Neuausrichtung des Bewerbungsprozesses kann sinnvoll sein. Diese Fragen helfen Ihnen und Ihrem Kind in dieser Phase weiter:
- Müssen wir die Bewerbungsmappe überarbeiten?
- Suchen wir nach weiteren Ausbildungsstellen?
- Ist Praxiserfahrung aktuell wichtiger?
- Ist die Berufsrichtung weiterhin das, was du willst?
Stellen Sie zusammen einen Plan auf und ordnen Sie die nächsten Schritte nach Priorität. Das erleichtert den Überblick und macht die unsichere Bewerbungsphase nach einer Absage planbarer.
Bieten Sie an, die Bewerbungsmappe Ihres Kindes zu sichten. Oft sind formale Fehler der Grund, wieso Unternehmen Bewerbungen ablehnen.
- Gibt es Rechtschreibfehler?
- Ist das persönliche Anschreiben zu lang oder zu kurz?
- Ist der Textfluss gut und die Satzstruktur verständlich?
- Befinden sich Lücken im Lebenslauf?
- Fehlen wichtige Anlagen wie Zeugnisse oder Textproben?
Weitere Tipps für die Gestaltung einer ansprechende Bewerbungsmappe finden sich auf der Seite Bewerbungsunterlagen: Das gehört rein.
Tipp:Gut zu wissen: Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hilft jungen Menschen bei Bewerbungsfragen weiter – zum Beispiel im Rahmen von Trainings. Jetzt Kontakt aufnehmen!
Eine erfolgreiche Bewerbungsphase hängt mit einer guten Strategie zusammen. Das sind Don’ts in der Bewerbungsphase:
- negativ:nur vereinzelt Bewerbungen verschicken
- negativ:nur beliebte oder bekannte Unternehmen kontaktieren
- negativ:Ausbildungsberuf passt nicht zum Profil der bewerbenden Person
Diese Dos bringen den Bewerbungsprozess nach einer Absage voran:
- positiv:mehr Bewerbungen verschicken (aber dabei immer auf Qualität achten)
- positiv:auch kleinere Unternehmen berücksichtigen
- positiv:über verwandte Berufsfelder informieren
- positiv:weitere Informationsquellen für Stellenausschreibungen nutzen (beispielsweise Annoncen in Tageszeitungen)
Manchmal erhalten junge Bewerberinnen und Bewerber eine Absage, weil die Praxiserfahrung noch nicht ausreicht. Ein passendes Praktikum wertet den Lebenslauf auf und erhöht die Chance auf einen Ausbildungsplatz.
Tipp:Tipp: Praktika bieten auch die Möglichkeit, neue Berufsfelder kennenzulernen. Damit stellt ein Praktikum eine tolle Alternative dar, wenn es mit der Wunschausbildung nicht (gleich) klappt.
Weitere Wege, um Praxiserfahrung zu sammeln, sind:
- Einstiegsqualifizierung (EQ): ein betriebliches Langzeitpraktikum, oft mit Übernahmemöglichkeit in einem Betrieb
- Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ): Mitarbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung (zum Beispiel im Krankenhaus, in Kindertagesstätten oder im Kulturbereich)
- Au-pair: Kinderbetreuung in einer Gastfamilie (fördert kulturelle Skills und Sprachkenntnisse)
- Minijob oder kurzfristige Beschäftigung/Saisonarbeit: Nebenjob, auch nur 3 Monate oder insgesamt 70 Tage lang möglich
Nach einer Absage kann es auch der richtige Schritt sein, die bisherigen Ziele gemeinsam zu überdenken. Vielleicht passt ein Beruf aus einer anderen Branche besser zu Ihrem Kind? Diese Alternativen sind möglich:
- Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB): Angebot der Agentur für Arbeit, das bei der Berufsorientierung unterstützt
- Berufsfachschulen: Vollzeitschulen für berufliche Grundbildung
- Fachoberschule (FOS): Abschluss mit Fachhochschulreife, ermöglicht Zugang zu vielen Studiengängen
Diese Checkliste für Eltern und junge Menschen hilft bei der Entscheidungsfindung: „Studium, Ausbildung – oder beides?“. Wie es ohne Ausbildungsplatz weitergeht, kann Ihr Kind in diesem Beitrag genauer nachlesen: „Kein Ausbildungsplatz? So geht es weiter“.
Studienplatz abgesagt: So geht es weiter
Auch bei der Studienplatzbewerbung gehören Absagen dazu. Ob es klappt oder nicht, hängt bei Studiengängen mit Numerus clausus meist von der Abiturnote ab. Hier hat Ihr Kind verschiedene Möglichkeiten, doch das Wunsch-Studium anzutreten:
- Wartesemester anrechnen lassen
- Nachrücken im zweiten Auswahlverfahren
- Im Ausland studieren
- Alternativen nutzen (zum Beispiel Gap Year oder Ausbildung in einem fachverwandten Beruf)
Weitere hilfreiche Infos können Sie und Ihr Kind in diesem Beitrag nachlesen: „Keinen Studienplatz gefunden? Tipps und Alternativen“
Mit Rückschlägen umgehen: Das hilft Ihrem Kind
Neben Absagen sind auch Rückschläge für Ihr Kind eine Belastung. Das betrifft nicht nur die Bewerbungsphase: Probleme zu Beginn der Ausbildung oder eines Studiums zehren schnell am Selbstbewusstsein. Je nach Rückschlag können Sie Ihr Kind passend unterstützen:
Je nach Ausbildungsweg (Lehrstelle oder Studium) gibt es verschiedene Hilfsangebote, auf die Sie Ihr Kind hinweisen können:´
Ausbildung:
- Berufseinstiegsbegleitung (BerEb): unter anderem Lernhilfe, wenn die Noten für einen Schulabschluss nicht reichen
- Assistierte Ausbildung (AsA): unter anderem Unterstützung beim Lernen auf Prüfungen
- Digitale Helfer in der Ausbildung: zum Beispiel Tools und Programme für besseres Lernen und konzentriertes Arbeiten
Studium:
- Lernangebote an Universitäten: beispielsweise Lerngruppen, Tutorien oder Tandem-Programme
- Psychologische Beratungsstellen: Hilfe speziell für Studierende
- Tipps gegen Prüfungsangst: um Blockaden zu überwinden
- Digitale Helfer im Studium: Tools und Programme für besseres Lernen und konzentriertes Arbeiten
Hier können Sie Ihrem Kind dabei helfen, seine Gedanken zu strukturieren. Folgende Fragen sind möglich:
- Was macht dir Spaß?
- Was interessiert dich?
- Was gefällt dir nicht?
- Welche Tätigkeit liegt dir?
- Wie stellst du dir einen schönen Alltag vor?
Ihr Kind mag Online-Tests? Dann ist Check-U das Richtige. Der Test leitet in etwa 80 Minuten durch verschiedene, strukturierte Fragen. Damit findet Ihr Kind berufliche Stärken heraus und sieht, welche Ausbildung oder Studium passend sein könnte.
Ihr Kind hat bei gesundheitlichen oder privaten Schicksalsschlägen das Recht auf Pause. Für solche Probleme während des Studiums lassen sich Urlaubssemester beantragen. Azubis können ihre Ausbildung pausieren.
Lassen Sie sich von Ihrem Kind die Situation schildern und überlegen Sie sich Lösungen. Hier kommt es auf Ihre realistische Einschätzung an: Handelt es sich um Startschwierigkeiten oder ernstzunehmende Probleme wie Mobbing? Suchen Sie das Gespräch mit Ansprechpersonen:
- Ausbildung: Betriebsrat, Ausbilderin oder Ausbilder, Personalabteilung
- Studium: Studierendenberatung, Fachschaften, Studiengangssprecherin oder -sprecher
Häufige Fragen
Eltern haben die Möglichkeit, Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr des Kindes zu bekommen – auch ohne Ausbildungsplatz. Die Voraussetzung ist, dass Ihr Kind den Bewerbungsprozess ernsthaft verfolgt.
Auch für Eltern ist es eine herausfordernde Zeit, wenn die Tochter oder der Sohn keine Lehrstelle findet. Versuchen Sie, die begleitenden Aufgaben unter den Erziehungsberechtigten aufzuteilen – wie zum Beispiel die Stellensuche oder das Überarbeiten von Bewerbungen. Auch Verwandte oder Freunde können in der Bewerbungsphase Ihr Kind unterstützen.
Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind seine Stärken, Fähigkeiten und Interessen heraus. Dafür eignen sich Online-Tests wie Check-U der Bundesagentur für Arbeit. Anschließend können Sie zusammen überlegen, ob eine Ausbildung oder ein Studium am besten passt.

